Beziehungsberatung per Video oder Telefon - das geht, "aber eigentlich nur mit Paaren, die man schon kennt; es ist schon gut, dass jetzt Beratungen wieder im direkten Gegenüber stattfinden können", sagt Christiane Wagner-Schmid bei der Jahrespressekonferenz der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen der Diözese Würzburg in Haßfurt. Die Bilanz bezieht sich zwar auf 2019, aber an der aktuellen Situation kommt man natürlich nicht vorbei.

Zumal die Diplom-Pädagogin mit der Religionspädagogin Sylvia Amthor eine neue Kollegin vorstellt. Amthor begann mit ihrer Beratungstätigkeit in Haßfurt am 1. April, also mitten im Lockdown. Trotzdem sieht sie ihren Start als geglückt an. Gerade in dieser Zeit sei es wichtig gewesen, als Anlaufstelle zu dienen, denn "viele Familien erlebten enorme Stresssituationen im Spannungsfeld zwischen Ausgangsbeschränkungen, Homeoffice und Homeschooling.

Vor-Ort-Termine wieder möglich

Jetzt können auch wieder Vor-Ort-Termine in den Räumlichkeiten im Haus Sankt Bruno in Haßfurt vereinbart werden. "Wir haben derzeit zwischen zwei und vier Wochen Wartezeit", erklärt Christiane Wagner-Schmid. Mit einem Erstgespräch ist es schließlich nicht getan. 542 Beratungsstunden leisteten Wagner-Schmid und ihr damaliger Kollege Ulrich Emge im vergangenen Jahr, und beraten wurden 308 Personen. Etwa 43 Prozent dieser 308 Menschen kamen zur Einzelberatung, 55 Prozent kamen als Paare, und in einigen wenigen Fällen fanden Familienberatungen statt.

Die Klienten kommen zu 65 Prozent aus dem Landkreis Haßberge, zu 17 Prozent aus Haßfurt selbst. Ein Viertel der Hilfesuchenden ist zwischen 40 und 50 Jahre alt, 27 Prozent 18 bis 40, 30 Prozent älter als 50.

Probleme, die in jeder Altersklasse auftreten, sind Geldsorgen, Sorge um den Arbeitsplatz oder Drogenmissbrauch. Gerade Alkoholmissbrauch wird oft von den beiden Partnern sehr unterschiedlich eingeschätzt.

Unterschwellige Unzufriedenheit

"Viele der älteren Paare kommen mit einer unterschwelligen Unzufriedenheit. Erst in der Beratung brechen dann die eigentlichen Probleme auf. Wir wollen erreichen, dass die Paare wieder ihre Bindung spüren", erklärt Sylvia Amthor. Emotionsfokussierte Paartherapie nennt sich das. "Wir suchen keine Schuld. Man kann dazulernen und Dinge verändern", sagt Christiane Wagner-Schmid. Für die Paare bedeutet das "richtig Arbeit, hochemotionale Arbeit. Da ist eine große Not da und die Paare wollen ihre Beziehung retten." Dieser Prozess brauche aber seine Zeit, sagen die Expertinnen.

Manchmal läuft es aber auch mit Beratung und gutem Willen bei beiden doch auf eine Trennung hinaus. Auch in dieser Situation steht die Beratungsstelle zur Seite. Wagner-Schmid und Amthor sind zuversichtlich, dass sie ab Oktober wieder Kurse für Menschen nach der Trennung anbieten können.

Konfessionsunabhängig

Auch wenn die Diözese Würzburg über 80 Prozent der Kosten für die insgesamt zehn Beratungsstellen trägt, während der Rest aus staatlichen und kommunalen Fördermitteln sowie Spenden der Klienten kommt, ist das Angebot konfessionsunabhängig. Und das kommt auch so bei den Menschen an. Zwar sind 48 Prozent der Beratenen katholisch, 21 Prozent aber auch evangelisch und elf Prozent ohne Religionszugehörigkeit.

Zu erreichen ist die Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (ELF) der Diözese Würzburg in Haßfurt unter der Telefonnummer 09521/64600 oder per Mail: info@eheberatung-hassfurt.de.