Veronika Schadeck Sie sind eine Augenweide, die schottischen Hochlandkälber mit ihrem zotteligen Fell und dem treuen Blick, die derzeit auf verschiedenen Weiden am Rennsteig grasen. Wie der Geschäftsführer der schottischen Hochlandrinderzucht Frankenwald, Thomas Schmidt, erklärt, wurden mittlerweile neun Kälber geboren. Weitere werden in den nächsten Wochen folgen.

Thomas Schmidt hofft auf einen durchwachsenen Sommer. Denn in den letzten Jahren war nicht nur die Trockenheit für die Hochlandrinderzüchter eine Herausforderung, sondern auch die Sicherung des Winterfutters. Heu musste hinzugekauft werden. Jetzt kommt auch die Sorge wegen dem Absatz hinzu. Die Hochlandrinderzüchter denken nun daran, ihren Bestand an schottischen Hochlandrindern von derzeit rund 140 zu reduzieren.

Das ganze Jahr auf der Weide

Wie Thomas Schmidt erklärt, sind die Produkte der schottischen Hochlandrinderzucht im Glascafé in Kleintettau und verschiedenen Restaurants in der Region vermarktet worden. Doch die haben nun seit Wochen zu - wegen Corona.

Für Schmidt sind die schottischen Hochlandrinder wertvolle und umweltfreundliche Landschaftspfleger. Zudem wird mit der Art der Beweidung auch die CO2 -Bindung unterstützt.

In Kleintettau begann alles

Die Hochlandrinder sind das ganze Jahr über auf der Weide.

Sie sind ein Bestandteil des Ökosystems, wandeln Nährstoffe um und regen das Graswachstum an: Das passiert ganz ohne Maschinen und ohne Energie. Die Tritte und Bisse der schottischen Hochlandrinder regen das Gras zum Wachstum an, abgekaute Wurzeln verrotten in der Erde, es entsteht neuer Humus. Die Schottische Hochlandrinderzucht ist auch Mitglied bei der Initiative "Weiderind Frankenwald". In dieser Vereinigung stehen die Weidelandwirte mit Metzgern aus der Region in einem Austausch.

Ein bisschen stolz sind die Hochlandrinderzüchter in Kleintettau, dass sich ihre Idee mit der ersten deutschen Herdbuchzucht vor 40 Jahren mittlerweile deutschlandweit verbreitet hat. Unter anderem ging es damals und geht es heute darum, brachliegende beziehungsweise verwilderte Flächen im ehemaligen "Zonenrandgebiet" rund um Kleintettau zu bewirtschaften. Zu diesem Zweck wurde im Jahre 1980 auch die Schottische Hochlandrinderzucht Frankenwald GmbH von elf Kleintettauer Bürgern gegründet, unter ihnen der Unternehmer Carl-August Heinz. Das Ziel war und ist, der Verbuschung und Versteppung der ehemaligen Kulturflächen entgegenzuwirken. Zudem wollte man damals ein Modell für alle Menschen schaffen, die als Vollzeitlandwirte nicht mehr existieren konnten beziehungsweise wollten. Rund 100 Hektar Wiesenfläche beziehungsweise lichter Waldbestand werden am Rennsteig beweidet.

Auch der Wolf mag die Rinder

Circa 15 bis 20 Tiere werden jährlich geschlachtet und unter anderem zu Wurstspezialitäten verarbeitet. In den letzten Jahren sei die Bereitschaft der Bevölkerung gewachsen, für diese Erzeugnisse etwas mehr zu bezahlen, erklärt Schmidt. Ob dies nach der Coronakrise auch der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Neben der Befürchtung, dass es auch in diesem Jahr zu wenig Regen gibt, ist eine weitere Sorge vorhanden, nämlich dass die Rinderfreilandhaltung durch Wölfe in Gefahr gerät, wenn sich mal ein kleines Rudel bildet und die Tiere reißen.

Echte Bio-Alternative

Abgesehen vom Fleischverlust ist das größere Problem, dass so eine Herde in alle Himmelsrichtungen zerstreut werden kann, und diese wieder einzufangen würde schwierig werden. Die Wölfe sind gar nicht so weit weg. Und ein Schutzzaun würde kaum einen cleveren Wolf zurückhalten.

Seit dem Jahr 2004 betreibt Dietmar Neubauer aus Hirschfeld eine schottische Hochlandrinderzucht. Für ihn sei das damals eine Alternative zur typisch konventionellen Landwirtschaft gewesen, erklärt er. Einen Beruf ausüben und zusätzlich zweimal täglich in den Stall, das sei für ihn nicht in Frage gekommen. Die schottischen Hochlandrinder waren und sind für ihn eine Alternative, um seine Flächen bewirtschaften zu können. Mittlerweile hat Dietmar Neubauer weitere Flächen hinzugepachtet. Für ihn sind die Schottischen Hochlandrinder nicht nur schöne Tiere, sondern sie sind auch robust und können das ganze Jahr über auf der Weide bleiben. Dietmar Neubauer vermarktet seine Produkte überwiegend an einen heimischen Metzger.

Trockenheit wird zur Bedrohung

Mittlerweile denkt er über eine Reduzierung seiner 24 Hochlandrinder umfassenden Zucht nach. Denn abgesehen davon, dass auch an ihm das Alter nicht spurlos vorüberzieht, habe ihn in den letzten beiden Jahren die Trockenheit zu schaffen gemacht, erzählt er.

Es musste Wasser auf die Weiden gefahren werden. Aufgrund der trockenen Sommer fiel zudem der Ertrag niedriger aus. Es werde seit einigen Jahren aber immer schwieriger, größere zusammenhängende Pachtflächen zu finden. Kleinere Grundstücke machen aber wenig Sinn, denn sonst müssten die Tiere auf den Weiden zu oft umgesiedelt werden.

Mittlerweile betrachte der 49-Jährige seine Zucht der schottischen Hochlandrinder mehr als ein Hobby, das mit einem Nebenverdienst verbunden ist. Und ein bisschen ist Dietmar Neubauer stolz darauf, mit seiner Hochlandrinderzucht einen Beitrag zur Nachhaltigkeit und für die touristische Aufwertung der Gemeinde zu leisten, denn: "Die schottischen Hochlandrinder sind die natürlichsten Landschaftspfleger."