Mit 29 Jahren wagt Julia Amon den Weg in die Selbstständigkeit - und das in einer Branche, die in Zeiten von Corona gebeutelt ist und keine Planungssicherheit bietet: in der Gastronomie. Doch die Jung-Unternehmerin weiß, was auf sie zukommt, denn das Gasthaus "Mainterrasse" in Eltmann, das sie zum 1. Oktober als Wirtin übernommen hat, gehört seit Generationen zur Familie.

"Zur Agnes" ging man früher. Agnes war die Oma von Julia Amon und in Eltmann eine In-stitution. Neben dem Gasthaus gab es im Untergeschoss einen Barbetrieb mit Tanzveranstaltungen. Man könnte sagen, dass hier die Wiege des Eltmanner Faschings stand, denn die große Faschingsshow "Menschen - Tiere - Sensationen" wie auch der Weiberfasching hatten hier ihren Ursprung, bevor beide Veranstaltungen aus Platzgründen in die Stadthalle umzogen. "Mein Vater war ein Faschingsverrückter", erzählt Sieglinde Beck, die das Gasthaus von der Mutter übernahm und sich jetzt freut, dass Nichte Julia die neue Wirtin wird. "Der Papa hat sich einen Lautsprecherwagen gebastelt und hat im ganzen Steigerwald zum Eltmanner Faschingszug eingeladen", erzählt sie ihrer Nichte.

Die erinnert sich an die Wochenend-Übernachtungen bei der Oma: "Das waren die Höhepunkte, da warst du mittendrin", strahlt sie. Als Teenager stieg sie dann als Bedienung ein. "Mir hat das immer Spaß gemacht", sagt sie, auch wenn sie sich erst einmal für einen Bürojob entschied. Eine solide kaufmännische Ausbildung ist nicht die schlechteste Basis für eine Selbstständigkeit - gerade in der Gastronomie.

Stammgäste tragen das Gasthaus, das Julia Amons Urgroßvater gebaut hatte. "Es gibt viele Paare, die sich hier kennengelernt haben. Und wenn die dann Silberhochzeit feiern, dann freut man sich natürlich mit", erzählt Sieglinde Beck. Als Wirtin hat die 67-Jährige viele Höhen und Tiefen ihrer Gäste miterlebt, mitgelitten und sich mitgefreut. Sie und ihre Nichte sind dankbar, dass die Gäste ihnen auch nach dem Lockdown die Treue hielten. "Der Sommer war eigentlich gut", sagt Sieglinde Beck. "Die Kartrunden kamen gleich wieder, als die Zehn-Personen-Regelung kam und Leute aus verschiedenen Haushalten zusammensitzen durften. Jetzt hat halt jede Gruppe ihr eigenes Kartenspiel, das funktioniert", freut sie sich.

Echte Fans hat das Gasthaus auch bei den Wohnmobilisten, deren Stellplatz nur einen Steinwurf entfernt am Mainufer liegt. "Manche kommen mehrmals im Jahr und kündigen schon ihren nächsten Besuch an, wenn sie wieder abreisen", schildert die bisherige Wirtin.

Groß ist die Freude über die nur kurze Schließung der "Mainterrasse" auch bei Bürgermeister Michael Ziegler. Hier gebe es noch ein klassisches fränkisches Wirtshaus, erklärt er. sw