Anruf in Bexbach, Saarland. Wenn es die Familie Heinz Becker damals, in den 90ern im WDR, nicht gegeben hätte, wüsste man überhaupt, wie die Menschen dort reden? Äußerst seltsam: "Das Hilde". Und urkomisch. Gerd Dudenhöffer spielte den Heinz Becker, diesen unbedacht schwafelnden Rentner, schon bevor es die Serie gab. Und er spielt ihn bis heute - vielleicht besser, weil bösartiger, politischer, unbequemer denn je. Am Donnerstag, 8. März, um 20 Uhr, kommt Heinz Becker nach Hallstadt in den Kulturboden.
Am Telefon meldet Dudenhöffer sich dialektfrei. Liegt's daran, dass er mit Bamberg telefoniert? Oder dass er jetzt Dudenhöffer ist und eben nicht sein ewiger Heinz?

Herr Dudenhöffer, Sie sind seit 1977 als Kabarettist unterwegs, seit 1984 als Heinz Becker. Kann Gerd Dudenhöffer Heinz Becker gut leiden?
Die beiden sind sich nie begegnet, weil Gerd Dudenhöffer den Heinz Becker erfunden hat. Heinz Becker ist eine Fiktion. Ich lebe von ihm. Es gibt solche Leute natürlich auch draußen in der Realität - oder so ähnliche. Heinz Becker ist aber eine Kunstfigur, weil er überzogen ist, weil Satire transportiert wird. Manchmal mag man ihn nicht, aber das ist nicht wirklich greifbar, weil eben Fiktion.

Die Figur gibt es jetzt seit über 30 Jahren. Hat Heinz Becker sich verändert?
Thematisch auf jeden Fall. Ich habe mir überlegt, redet der nur über den Stammtisch, nur über den Entsafter? Und da war mir relativ schnell klar, dass man mit dieser Figur auch Satire machen kann und, wenn man ihm heute zuhört, auch böse Satire. Das muss auch so sein. Das heißt, er hat sich thematisch verändert, von der Grundkonstruktion, von dem, was damit gesagt werden soll, ist er aber gleich geblieben. Natürlich habe ich selbst mich verändert, was den Auftritt und zum Beispiel Timing und solche Dinge angeht.
Bleiben Sie dabei oder gibt es irgendwann Gerd Dudenhöffer als Gerd Dudenhöffer auf der Bühne?
Ich habe zwischendurch ja immer wieder Minigedichte gemacht und Lesungen, aber das waren so Ausflüge, auf die man mal Lust hat. Im Prinzip wird mir die Figur bis zum Ende meines Schaffens erhalten bleiben. Wobei ich heute natürlich nicht weiß, was morgen ist und ob ich dann auf einmal die Idee habe und denke, das müsste ich jetzt mal machen ... Aus Erfahrung weiß ich, dass, wenn man etwas Neues anfängt, es sehr lange Zeit braucht, bis das auch beim Publikum etabliert ist.

Heinz ist politisch nicht korrekt und sagt oft Dinge, die Widerspruch herausfordern oder zumindest unangenehm sind. Lachen die Leute auch, weil sie eigene, "verbotene" Wesenszüge erkennen?
Bestimmt. Ich habe aber nicht jeden Abend dieses Feedback. Es gibt Leute, die verstehen es, andere verstehen es nicht oder sie wollen es nicht verstehen. Das ist das Unangenehmste. Manche sagen tatsächlich, ja so bin ich auch manchmal, manchmal sagt man so unangebrachte Dinge. Und das ist der Zweck von Heinz Becker. Das ist das, was ich versuche rüberzubringen, ohne zu dozieren: Dass es manchmal besser ist, nichts zu sagen und erstmal zu überlegen.

Ist es jemals tatsächlich zu Widerspruch aus dem Publikum gekommen?
Immer wieder. Manche melden sich auch schriftlich. Es gibt auch Kritiker, die es oft nicht verstehen. Die bringen dann den dreifach falschen Satz: Gerd Dudenhöffer macht Witze über ... Ich spiele eine Figur, die ist, wie sie ist, und deshalb die Dinge sagt, die sie sagt. Ich antworte darauf mit dem Satz von Karl Valentin: Hupen dürfen nur die Autos haben, weil die nicht hupen sollen.

Was kann der Mensch 2017 von Heinz Becker lernen?
Keine Ahnung. Man kann versuchen, ihm zuzuhören, den Kabarettisten zu verstehen und was er mit der Figur machen will. Das muss wie ein Bild jeder auf sich selbst wirken lassen und dann im besten Fall etwas herausziehen und mitnehmen.

"Déjà vu", das aktuelle Programm ist, wenn ich richtig informiert bin, ein Best Of ...
Ich lasse das mal so durchgehen. Best Of heißt ja auch oft, dass da nur ein Sketch an den anderen gereiht wird. Ich habe aus 16 Programmen und neuen Übergangstexten ein neues Programm gemacht. Beim ein oder anderen Text wird sich das Publikum dann denken, das kenne ich aber.

Warum ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt für so eine Werkschau?
Da gibt es kein richtig oder falsch. Ich hatte immer schon überlegt, dass ich das ein oder andere gerne noch einmal ins Programm aufnehmen würde. Ich denke, bei 16 Programmen ist es auch legitim, das zu tun, ohne dass es aussieht, als hätte der keine neue Idee. Auch für das Publikum ist es schön, wenn sie diese Texte lange nicht gehört haben. Und wir sehen jetzt auf der Tour: Es funktioniert hervorragend.

Das Gespräch führte
Andreas Thamm.