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Ebern

"Es war mir eine Ehre"

Manfred Fausten wirkte 24 Jahre im Eberner Stadtrat und trat bei der Wahl im März nicht mehr an. Sein Rückblick fällt positiv aus, und jetzt lässt er gerne die Jüngeren ran.
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Manfred Fausten lehnt sich zufrieden in seinem Wohnzimmersessel zurück. Er gehörte 24 Jahre dem Stadtrat von Ebern an.  Foto: Helmut Will
Manfred Fausten lehnt sich zufrieden in seinem Wohnzimmersessel zurück. Er gehörte 24 Jahre dem Stadtrat von Ebern an. Foto: Helmut Will

Sein berufliches Leben fand bei der BayWa statt, sein ehrenamtliches Engagement galt der CSU, für die er 24 Jahre im Stadtrat Ebern war. Bei der Wahl am 15. März 2020 kandidierte der "Senior" des Stadtrates nicht mehr, will aber, wie er sagt, das Stadtgeschehen mit Interesse verfolgen.

Eines stellt Manfred Fausten gleich klar: "Es war mir eine Ehre, für unser Ebern über vier Perioden im Stadtrat Ebern sein zu dürfen, und ich danke allen in der Verwaltung, die für mich stets ein offenes Ohr hatten, und allen, die mit mir konstruktiv zusammengearbeitet haben."

Geboren ist Manfred Fausten, jetzt 76 Jahre alt, in Weißenbrunn. Dort hat er in einem Mietshaus der Familie Schönlein seine Kindheit und Jugend verbracht. Die Volksschule hat er in Jesserndorf besucht und danach ab März 1959 eine Lehre bei der BayWa in Ebern als Landmaschinenmechaniker begonnen. Die Ausbildung hat er mit der Gesellenprüfung erfolgreich abgeschlossen.

Bereits 1968 hat der junge Geselle sich für die Meisterprüfung qualifiziert. "Damals war es noch so, dass du dir alles, was du hierzu lernen musstest, nach Feierabend und in der Freizeit aneignen musstest", sagt Fausten. Das zog sich von 1968 bis 1970 über zwei Jahre hin. "Dann musste ich für sechs Wochen zur Handwerkskammer in Würzburg, um dort meine Meisterprüfung als Landmaschinenschlosser abzulegen.

Fausten blieb der BayWa 50 Jahre lang treu. Die letzten 20 Jahre, bis zu seiner Rente, war er Betriebsleiter. Er erinnert sich: "Ich hatte viele Kontakte mit den Landwirten der Region. Es war eine spannende Zeit mit manchmal schwierigen Verhandlungen, wenn es um den Kauf eines Traktors oder sonstiger Geräte ging."

Die BayWa war auch "schuld", dass er dem CSU-Ortsverband Ebern beitrat. Dort waren auch Josef Landvogt und Helmut Schumacher beschäftigt. "Das waren eingefleischte CSUler, die mich überzeugten, dieser Partei am 1. März 1972 beizutreten. Es war damals auch für mich die Volkspartei, mit der ich etwas anfangen konnte", erinnert sich Manfred Fausten.

Er wurde seinen Worten zufolge gleich als Beisitzer und Delegierter gewählt. Später war er auch einer von drei Stellvertretern, als Gabriele Rögner Vorsitzende war. Seit 2015 ist er, bis zum heutigen Tag, Geschäftsführer im Ortsverband.

In den Stadtrat Ebern wurde Manfred Fausten im Alter von 52 Jahren im Jahr 1996 gewählt. "Das war relativ spät", sagt er heute. Bürgermeister war damals Robert Herrmann (CSU), mit dem er drei Wahlperioden, also 18 Jahre, gut zusammenarbeitete und eine weitere Periode, seine letzte, mit Jürgen Hennemann (SPD) als Rathauschef. Anfangs war Fausten im Fremdenverkehrsausschuss und im VG-Ausschuss bis 2014. 18 Jahre wirkte er auch im Bauausschuss und entschied somit über zahllose Bauvorhaben mit. "Mir ging es immer darum, die Leute möglichst nach ihren Vorstellungen bauen zu lassen, was manchmal aber nicht möglich war", sagt Fausten. Zwölf Jahre war er Vorsitzender im Rechnungsprüfungsausschuss der Verwaltungsgemeinschaft Ebern und auch Vertreter von Dieter Gerstenkorn im Hauptausschuss.

Nach Erfolgen, die ihn besonders zufriedenstellten, gefragt, sagt Fausten: "Es gab viele Projekte, auf die ich stolz bin, mitgewirkt zu haben. Besonders möchte ich allerdings die Vermarktung der Kaserne nennen, was Robert Herrmann in erster Linie zuzuschreiben ist. Weiterhin nenne ich die Verteilerspange, die von Unterpreppach her die B 279 unterquert und eine schnelle Verbindung nach Ebern ist. Das war meiner Meinung nach eine der besten Investitionen der Stadt Ebern. Manche plädierten im Stadtrat damals, entlang der Verteilerspange keinen Gehweg zu bauen, was meiner Meinung nach fatal gewesen wäre", so Fausten.

Auch habe er sich für die "Kreiselstadt" Ebern eingesetzt, weil Kreisverkehre seiner Meinung nach den Verkehr gut entflechten.

Musste er auch Niederlagen einstecken, oder was hat ihn besonders geärgert? "Klar, Niederlagen gibt es auch. Das ist in einem demokratischen Gremium ganz normal. Auch wenn manches schmerzte, muss man sich der Mehrheitsentscheidung beugen."

Ein "Dorn im Auge" ist ihm die Rechts-vor-Links-Regelung in der Innenstadt von Ebern. Das gefällt ihm heute noch nicht. "Eine 30-Stundenkilometer-Regelung ja, aber rechts vor links finde ich nicht gut, weil, wenn jeder auf sein Vorfahrtsrecht pochen würde, es zu vielen Unfällen kommen würde."

Auf den derzeitigen Stadtrat von Ebern eingehend, sagt Manfred Fausten, dass gute und fähige Leute in das Gremium eingezogen sind. Nur wie die Stellvertreter verteilt wurden, habe ihm nicht gefallen, aber auch das müsse man akzeptieren. Dazu sagt er: "Ich denke, dass die Verteilung schon vor der Kommunalwahl abgesprochen war."

Mit Blick auf die nächste Wahl

Dass der Kandidat der CSU, Sebastian Ott, als Bürgermeister nicht zum Zug kam, bedauert Fausten. "Er hat als Neuling ein hervorragendes Ergebnis erzielt, und er hat weiter die Chance, bei der nächsten Wahl erneut zu kandidieren."

Weiter zurückblickend, als die CSU Barbara Baumbach ins Rennen schickte, sagt Fausten, dass man damals niemand anderen Geeigneten hatte. Da Baumbach in Ebern relativ unbekannt war, hatte sie keine Chance. "Allerdings wäre sie von ihrer Ausbildung her eine qualifizierte Bürgermeisterin gewesen", ist sich der Ex-Stadtrat sicher.

Er bedauert die derzeitige desolate finanzielle Lage der Stadt Ebern, was durch die Corona-Pandemie verschärft werde. "Es wird nicht leicht für den derzeitigen Stadtrat, in Projekte zu investieren, sie anzupacken und auch abzuschließen; da beneide ich die Entscheidungsträger nicht."

Wie lautet sein Resümee? "Ich bin zufrieden mit dem, was in den 24 Jahren meiner Zeit im Stadtrat Ebern bewirkt wurde, und ich bedauere auch nicht, dass ich nicht mehr kandidiert habe. Diesen Entschluss habe ich bereits vor einem Jahr für mich gefasst. Der Stadtrat hat sich deutlich verjüngt, und das ist gut so. Junge Leute können kontinuierlich längerfristig zum Wohle unserer Stadt wirken."