Die Durchwachsene Silphie brachte Farbe ins Feld und jetzt auch einen guten Ertrag. Der Kairlindacher Jürgen Schenk zeigt sich mit der Ernte auf der rund 4,5 Hektar großen Anbaufläche zufrieden. Wie bereits berichtet erobert das gelbwogende Blütenmeer der Exotin aus Nordamerika zusehends die Flur und hat auch schon manchen Hobby-Maler zum Pinsel greifen lassen.

In dieser Zeit der Ernte, in der Felder und Wiesen innerhalb kurzer Zeit kahlgemäht sind, kommen die knallgelben Blüten den Bienen und anderen Insekten gerade recht, und ein stetiges Summen und Brummen liegt in der Luft.

Nach einer langsamen Jugendentwicklung im ersten Jahr präsentiert sich die Durchwachsende Silphie im zweiten Jahr als hochwachsende, gelb blühende Pflanze mit vierkantigem Stängel und großen gegenständig angeordneten Blättern. Diese sind am Stängel zusammengewachsen, so dass sich darin Tauwasser sammeln kann. Daher wird die Pflanze auch Becherpflanze genannt. Sie ist mehrjährig, und eine wirtschaftliche Nutzung kann durchaus bis über 15 Jahre erfolgen.

Bei ihr geht's ohne Chemie

Neben ihrer Schönheit ist die Silphie eine Energiepflanze und konkurriert erfolgreich gegen den Mais. Sie ist pflegeleichter und braucht dann, wenn sie das erste Jahr nach der Aussaat hinter sich hat, keine Chemie und keinen Dünger mehr und bringt in puncto Ökologie viele Vorteile mit sich. Die Energiepflanze Silphie bietet stabile Erträge auf Mais-Niveau und lässt sich auch von klimatischen Einflüssen nur wenig beeindrucken. Dies zeigen Erfahrungen aus den letzten Anbaujahren.

"Für die Landwirte ist das eine gute Alternative zu Mais, da ihr Energiegehalt ähnlich hoch ist und sie durch ihre Höhe samt Blattwerk auch reichlich Masse liefert", erläutert Schenk, Betreiber einer Biogasanlage.

So schützt das über Jahre bestehende, bis zu zwei Meter tief reichende Wurzelwerk die Fläche nach der Ernte gut gegen Erosion. Die auch für Trockenstandorte geeigneten aufstrebenden neuen Triebe beschatten den Boden und unterbinden so das Aufkeimen von Konkurrenzvegetation. Schäden durch Wildtiere hat Schenk ebenfalls nicht festgestellt, da die einzelnen Pflanzen sehr dicht stehen und - anders als beim Mais - obendrein keine nahrhaften Fruchtstände ausgebildet werden. Die zur Strom- und Wärmegewinnung nutzbare Energie steckt in den Stängeln. Ist sie nach der Aussaat erstmals aus dem Gröbsten heraus, samt sie sich Jahr für Jahr von selbst aus, blüht von Juli bis September und wird zur Dauerkultur.

Die Silphie blüht bis in den Spätherbst hinein und wird von allen möglichen Insekten reichlich besucht. Mit ihrem Honigertrag bringt die Silphie weitere Vorteile: Rund 150 Kilogramm Honigertrag bringen die Blüten der Durchwachsenen Silphie pro Hektar und Jahr und stillen den Hunger ihrer summenden Untermieter auch dann noch, wenn außerhalb der Silphie-Kulturen nicht mehr viel blüht.

"Der Mais blüht nicht", betont Schenk, wenngleich die Migrantin aus Nordamerika den Mais nicht verdrängen werde. Silomais sei für den Landwirt die Futterpflanze Nummer eins.

Was für den Anbau spricht

So setzen immer mehr Landwirte in Deutschland für ihre Biogasanlagen verstärkt auf die Durchwachsene Silphie. Auf inzwischen rund 3000 Hektar wächst die Energiepflanze zurzeit - Tendenz steigend. Für ihren Anbau spricht einiges: Ihre Blüten bieten Insekten Nahrung, als Dauerkultur schont sie die Böden, ihr Bedarf an Mineraldüngern und Pflanzenschutzmitteln ist gering und mit ihren Erträgen spielt sie durchaus in der Mais-Liga mit.

Zur Fütterung sei Silphie nur begrenzt möglich. Sie sei zwar nicht giftig, beinhalte jedoch Bitterstoffe, ergänzt Schenk.

Die Ernte fällt in den Zeitraum Ende August bis Ende September. "Natürlich muss man immer flexibel reagieren, so wie bei anderen Kulturen auch. Ein Maßstab ist jedoch die Anzahl der Blüten: Wenn sieben Knospen einer Pflanze geblüht haben, dann kann geerntet werden", berichtet Jürgen Schenk. Als Erntemaschine empfiehlt er einen Maishäcksler mit Direktschneidwerk und Seitenmessern.

Konstante Erträge

Vor allem bleiben die Erträge der Silphie über viele Jahre konstant und selbst deutlich über zehn Jahre alte Bestände zeigen bislang keine signifikanten Ertragsrückgänge. Dies belegen umfangreiche Langzeituntersuchungen. Als guter Stickstoffverwerter ist die insektenfreundliche Silphie durchaus in der Lage, ihren Stickstoffbedarf aus Gärresten abzudecken. Langzeitvergleiche zwischen mineralischer und Gärrestdüngung zeigten auch keine Ertragsunterschiede, so dass sich ein Verzicht auf Mineraldünger durch organische Düngergaben gut ausgleichen lässt.

Bereits bei zehnjähriger Nutzungsdauer ist die blütenreiche Dauerkultur dem Mais hinsichtlich der Kosten für Frisch- und Trockenmasse überlegen. Zudem kommt die Silphie mit wechselnden klimatischen Verhältnissen gut zurecht.