Die Caritas ist im Landkreis Haßberge auf vielen Feldern aktiv "und wird nach wie vor gebraucht". Dieses Fazit zog der Vorsitzende des Caritas-Kreisverbandes aus den Berichten, die am Montagabend bei der Kreisvertreterversammlung in Haßfurt abgegeben wurden. Der Schwerpunkt der Caritas liegt im Landkreis in der stationären und mobilen Altenpflege, aber auch viele Beratungsdienste werden angeboten und stark nachgefragt.

Kreisgeschäftsführerin Anke Schäflein gratulierte Johannes Simon zu dessen zehntem "Jubiläum" als Kreisvorsitzender. 2009 übernahm er dieses Ehrenamt von Eva Göller, "und seitdem haben wir eigentlich ununterbrochen gebaut", resümierte Anke Schäflein. Er habe nicht genau gewusst, was auf ihn zukommen werde, gab Johannes Simon zu, doch der Weg habe sich als richtig herausgestellt.

In seinem Tätigkeitsbericht zum Jahr 2018 stellte Johannes Simon heraus, dass das Jahresthema der Caritas, die Wohnungsnot, mittlerweile auch in der Politik ein Top-Thema sei. Mit "Sozial braucht digital" steht das neue Jahresthema vor der Tür, die Caritas Haßberge jedoch bleibt am Thema Wohnungsnot dran mit ihrem Wohnprojekt mit dem Arbeitstitel "St. Katharina". Das stecke derzeit in der Genehmigungsbürokratie fest, bedauerte Anke Schäflein. "Es wird wohl bis Februar dauern, bis der Bebauungsplan dafür vorliegt", erklärte sie mit einem Anflug von Verzweiflung.

Verschiedene wichtige Themen packte die Caritas im Bereich Altenpflege an. Dem Fachkräftemangel versuche man mit acht neuen Auszubildenden entgegenzuwirken. Auch Fortbildung werde großgeschrieben und dabei auch schwierige Themen angepackt, so Johannes Simon. So war ein wichtiges Thema 2018 Gewaltprävention in der Altenpflege. Demente Menschen seien manchmal aggressiv oder übergriffig, und deshalb sei es wichtig, die Mitarbeiter in Deeskalation zu schulen.

Über die Kassenlage informierte der stellvertretende Kreisgeschäftsführer Georg Wagner. Trotz der Baustelle und damit weniger Plätzen in Sankt Bruno in Haßfurt konnte der Kreisverband im Jahr 2018 eine schwarze Null schreiben mit einem Plus von 100 000 Euro. In 2019 werde es nicht ganz so gut aussehen, doch bei einem Haushaltsvolumen von rund zwölf Millionen Euro seien die Abweichungen nach oben und unten in den letzten Jahren nur marginal.

Einstellen müsse man sich schon auf geringere Zuweisungen aus Kirchensteuermitteln, "weil uns das vor allem in Bereichen trifft, wo wir keine weiteren Finanzierungen haben", so Anke Schäflein. "Da tut uns jeder Euro weh."

Weiter hoch ausgelastet sind die Beratungsdienste, vor allem durch Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Drogenproblemen. Hier zeige sich, so hieß es, schon jetzt, wie notwendig die Schaffung einer eigenen Planstelle für die Jugendsuchtberatung war.

Hoch ausgelastet sind auch die Angebote der Altenhilfe, ob stationär oder mobil über die Sozialstation. 344 Patienten werden in den eigenen vier Wänden betreut. "Und es könnten viel, viel mehr sein, wenn wir die pflegenden Hände hätten", so Anke Schäflein. 432 375 Kilometer fuhren die mobilen Pflegekräfte im vergangenen Jahr zu ihren Patienten. Unter den 30 Fahrzeugen sind acht mit Erdgas und eines mit Strom unterwegs.

Der Altersdurchschnitt unter den 324 Mitarbeitern der Caritas ist weiter gestiegen. 52 Prozent sind älter als 50 Jahre. Vor allem die Pflegekräfte (216) arbeiten Teilzeit. Warum dieser Anteil so hoch sei, fragte ein Versammlungsteilnehmer. "Vollzeit ist in der Pflege eigentlich fast nicht zu schaffen", warb Anke Schäflein um Verständnis für die hohen Belastungen dieses Berufes.

Ein Blick in die Statistik des Caritas-Kreisverbandes zeigt, dass sich 98 Ehrenamtliche regelmäßig in der Caritas engagieren - vom Freundeskreis Asyl über die Laienhelfer für psychisch Kranke bis hin zu den Altenheimbesuchsdiensten.