Olivia Schlickau und Lea-Sophie Ruf öffnen die große Glastür im Flur der Adalbert-Stifter-Schule (Ast-Schule), reiben sich im Flur die Hände mit Desinfektionsmittel ein und laufen weiter Richtung Klassenzimmer. Dort angekommen, rücken sie ihren Mund-Nasen-Schutz für den Unterricht zurecht. Ein vorerst letztes Mal.

Denn ab Montag gilt in Bayern ab Jahrgangsstufe fünf keine Maskenpflicht mehr im Klassenzimmer, außer das zuständige Gesundheitsamt ordnet dies aufgrund erhöhter Infektionszahlen an. Das hat Kultusminister Michael Piazolo (FW) gestern auf einer Pressekonferenz offiziell bestätigt.

Auf dem Rest des Schulgeländes bleibt die Maskenpflicht bestehen. Es sei die richtige Entscheidung gewesen, in den ersten neun Unterrichtstagen ab Jahrgangsstufe fünf auch im Unterricht eine Maskenpflicht vorzusehen. "Wir konnten so in den Präsenzunterricht starten und das Infektionsrisiko durch Reiserückkehrer senken", so der Minister weiter.

Den ungewöhnlichen Start in das neue Schuljahr haben Schüler und Lehrer also erst einmal geschafft. Doch die Bedenken, was das Tragen einer Maske verursachen kann, sind immer noch bei vielen groß: Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Hautausschlag im Gesicht. Vor allem in den Sozialen Netzwerken gibt es ausufernde Diskussionen.

Keine gesundheitlichen Probleme

Eigene Erfahrungen damit hätten sie bisher nicht gemacht, sagen die Ast-Schülerinnen Olivia Schlickau und Lea-Sophie Ruf. "Kopfschmerzen hat man schon mal, aber das würde ich nicht an der Maske festmachen", sagt Olivia Schlickau. Wichtig sei, dass man eine passende Maske hat, die nicht zu eng ist. "Man merkt schon, dass die Maske auf Dauer nicht das gemütlichste ist", sagt Lea-Sophie Ruf. Im Laufe des Tages schmerze die Maske etwas an den Ohren. Umso erleichterter sind beide nun, dass sie den Mund-Nasen-Schutz ab Montag im Klassenzimmer wieder abnehmen dürfen.

Beide Schülerinnen sind froh, dass sie nach den Ferien wieder zum Präsenzunterricht in die Schule dürfen - Hygienemaßnahmen zum Trotz. Unter ihren Freunden und Klassenkameraden stehen sie damit nicht allein da, sagen die beiden. "Es ist für unser aller Wohl, deshalb kann man das in Kauf nehmen", sagt Olivia Schlickau.

So sehen das aber nicht alle. Vor allem so manche Eltern sorgen sich um das Wohl ihrer Kinder, schüren vor allem in den Sozialen Netzwerken Panik. Das verstehen die Schülerinnen nicht. "Man kann die Sache hinterfragen, das ist berechtigt. Aber sich gegen eine Sache aufzulehnen, mit der man anderen nur helfen möchte, ist sinnlos", sagt Olivia Schlickau.

Dass die Maske nun zumindest im Unterricht wieder abgenommen werden darf, darüber ist auch Fotios Winkelbauer erleichtert. Er besucht die 11. Klasse am Herder-Gymnasium, ist dort Schülersprecher. "Wir sind sehr stark davon ausgegangen, dass das für den Unterricht wieder gelockert wird", sagt der 18-Jährige.

Allgemein sei die Stimmung unter den Schülern aber positiv, auch wenn weiterhin eine Maske im Schulhaus und auf dem Schulgelände getragen werden muss. "Zum Glück geht es weiter", sagt Winkelbauer.

Hoffen auf Normalität

Die Kritik mancher Eltern an den Corona-Verordnungen versteht er nicht. "Wenn ich dafür ein normales Abitur machen kann, dann mache ich das gerne", sagt der 18-Jährige. Am Montag erst habe eine Mutter mit einem Schild vor der Schule gestanden: "Maskenpflicht im Unterricht ist Kindesmissbrauch." Was sich dagegen in den Sozialen Medien abspielt, "ist noch einmal viel krasser", sagt Winkelbauer.

Erleichtert darüber, dass die Tage mit Mund-Nasen-Schutz während des Unterrichts vorerst gezählt sind, sind auch die Lehrer. "Wir sind alle froh, dass es vorbei ist", sagt Martin Horn, Schulleiter der Adalbert-Stifter-Schule. Nach den Ferien sei dies aber besonders wegen der Urlaubsrückkehrer notwendig gewesen. Langsam soll nun der Schulalltag wieder Einzug halten.

Das wünscht sich auch Ingrid Käfferlein, Schulleiterin des Herder-Gymnasiums. "Wir wollen so viel Normalität und Regelmäßigkeit wie möglich. In kleinen Schritten Richtung Normalität", sagt sie. Nun gelte es, die Hygienemaßnahmen weiter einzuhalten. "Ich glaube, dass sich die Maskenpflicht generell bewährt hat." Beispielsweise im ÖPNV oder auf dem Schulgelände. Ab Montag soll am Herder-Gymnasium dann auch wieder kontaktloser Sportunterricht ohne Maske möglich sein. In den vergangenen zwei Wochen wurde auf leichte Sportarten wie Walking oder Einrad-Fahren ausgewichen.

"Das ist Kopfsache"

Schwindelanfälle, Kopfschmerzen, Hautausschlag im Gesicht: Die Befürchtungen, was das Tragen einer Maske verursachen kann, sind groß. Dr. Björn Schmorell, Lungenfacharzt in Forchheim, revidiert: Es sei offiziell untersucht, dass ein gewöhnlicher Mund-Nasen-Schutz nicht schädlich ist - solange er hygienisch und sauber ist. ,"Das Ganze ist eher eine psychische Sache", sagt Schmorell. Je größer die Abwehrhaltung, desto schlechter. Er rate, positiv an die Sache heranzugehen. "Das ist Kopfsache." Wer unter dem Mund-Nasen-Schutz doch keine Luft bekommt oder gar hyperventiliert, dem empfiehlt Schmorell: Über die Bauchatmung die Atmung beruhigen. Das beste Argument gegen Kritik am Mund-Nasen-Schutz, findet Schmorell: Ärzte und medizinisches Personal müssen auch stundenlang einen Mund-Nasen-Schutz tragen.fr