Ein Schäferhund geht in der Sattlertorstraße auf einen Labrador los und verbeißt sich in diesem. Der Halter des Labradors weiß sich nicht anders zu helfen und sticht zwei Mal mit einem Messer auf den angreifenden Schäferhund ein. So lautete vor zwei Wochen eine Meldung der Forchheimer Polizei. Laut Polizeibericht soll zumindest der Labrador nicht angeleint gewesen sein. Auf den Halter des Labradors kommen nun gleich mehrere Verfahren zu.

Hundebesitzer und Anwohner sind verunsichert. Der Schäferhund habe schon mehrfach Probleme gemacht, auch schon andere Hunde und sogar eine Hundehalterin angegriffen, berichtet ein Anwohner, der lieber anonym bleiben möchte. "Wir hatten uns zu mehreren damals ans Ordnungsamt gewandt und es ist nichts passiert", sagt er.

Beim Forchheimer Ordnungsamt, der zuständigen Aufsichtsbehörde, ist man über Zeitungsberichte auf den aktuellen Fall der Hundeattacke aufmerksam geworden. Dort warte man nun noch auf Rückmeldung der Polizei und dann gegebenenfalls weitere Schritte einzuleiten.

Leinenpflicht nur in Parks

Klaus Backer, der Leiter des Forchheimer Ordnungsamtes, erklärt: Eine grundsätzliche Leinenpflicht gebe es in ganz Bayern nicht. Jedoch gebe es Städte, die eine entsprechende Leinenpflicht verordnet haben. Anders in Forchheim: Eine Leinenpflicht gibt es in der Stadt nicht. Aber: "In den städtischen Grünanlagen ist das Freilaufen von Hunden nicht gestattet", sagt Backer. Eine Kommune könne zwar Bereiche für eine Leinenpflicht bestimmen, aber nicht für das gesamte Stadtgebiet.

Wenn ein Hund auffällig wird, etwa weil er schon öfter geschnappt hat oder weil er die ganze Nachbarschaft mit seinem Gebelle stört, dann kann das Ordnungsamt tätig werden. Jedoch: "Die Maßnahme muss erforderlich und angemessen sein", betont Backer. Meist wird dann erst einmal der Hundehalter kontaktiert und auf seine Pflichten aufmerksam gemacht. Weitere Maßnahmen können etwa Maulkorb- oder Leinenpflicht sein. "Das Paradoxe ist: Es muss erst etwas passiert sein, damit die Ordnungsbehörden tätig werden", sagt Backer.

Die meisten Hundehalter seien aber vernünftig und würden ihren Hund anleinen.

Wann muss ein Hund an die Leine? Der FT hat Marianne Wende, Leiterin des Forchheimer Tierheims, und Hundehalter Peter Peifer nach ihren Meinungen gefragt.

Marianne Wende: "Es gibt Regeln zu beachten!"

Marianne Wende: "Natürlich ist es schön wenn ein Hund "leinenlos" durchs Leben laufen darf, aber da gibt es Regeln zu beachten, und der Hund muss alle Grundsignale beherrschen, damit Frauchen oder Herrchen ihn jederzeit abrufen können.

Es gibt überall Orte, an denen ein Hund besser angeleint bleibt und dazu gehören auch die

Innenstädte. Besonders in Städten sollten Hundehalter Rücksicht gegenüber ihren Mitmenschen zeigen.

Schnell kann es zu unvorhergesehenen Vorfällen kommen: Ängstliche Fußgänger, rennende Kinder, plötzlich auftauchende Katzen, Radfahrer oder Artgenossen, die den freilaufenden Hund zum Hinterherlaufen oder Anspringen animieren. Da hilft es niemandem wenn Herrchen ruft "der tut fei nix" oder "der will nur spielen", schnell kann es da zu Unfällen kommen. Hundehalter können schließlich nicht erwarten, dass jeder die Liebe zu ihrem vierbeinigen Freund teilt.

Ein Hundeführerschein, der vor Anschaffung eines Hundes absolviert werden sollte, könnte Abhilfe schaffen. Es geht um eine Gehorsamsprüfung für den Hund und um Sachkenntnis für den Halter. "Wie gehe ich wann und wo mit meinem Hund um, damit weder Menschen noch andere Tiere gefährdet werden können"

Für das Erlernen von Sozialverhalten braucht der Hund täglich Auslauf, aber Innenstädte sind dafür nicht geeignet. Dazu bedarf es gesicherter Hundeausläufe, wie sie von vielen Städten und Gemeinden dafür zur Verfügung gestellt werden."

Peter Pfeifer: "Professionelle Erziehung ist wichtig"

Peter Pfeifer: "Leinenpflicht sollte aus meiner Sicht nicht generell eingeführt werden.

Nichtsdestotrotz sind die Pflichten jedes Hundeführers zu beachten.

Innerhalb von Wohn- und Geschäftsgebieten sollte jeder Hund, unabhängig von Rasse und Größe, an der Leine geführt werden, da die dort vorhandene Reizüberflutung für den Hund erheblich ist und Situationen entstehen können, auf die der Hund spontan reagiert. Außerdem wünscht nicht jeder unserer Mitmenschen Kontakt zu unseren Vierbeinern. Dies ist zu respektieren.

Außerhalb, also auf überschaubaren, wenig frequentierten Flächen, sollten sich die Hunde jedoch frei bewegen können.

Auch hier gilt aus meiner Sicht die Sorgfaltspflicht der Hundeführer um sicherzustellen, dass der Hund keine Belästigung oder gar Gefahr für unsere Mitmenschen und andere Tiere darstellt. Dies bedeutet, die Umgebung während des Gassi-Gangs zu beobachten um früh zu erkennen, ob sich eine Reizlage einstellen könnte. Gedankenverlorene Plaudereien oder gar die Beschäftigung mit dem Smartphone haben dabei nichts verloren.

Hundeführung heißt Verantwortung zu tragen - für den eigenen Hund, andere Tiere, für sich und seine Mitmenschen.

Daher richte ich an alle Hundeführer den Appell, sich intensiv mit den rassespezifischen Merkmalen ihrer Hunde auseinanderzusetzen und sich in professioneller Hundeerziehung beraten und unterstützen zu lassen. Hierfür stehen Hundeschulen sowie Hundesportvereine jederzeit zur Verfügung."