In den Pflegeheimen in der Region Forchheim versuchen Personal und Einrichtungsleiter seit Monaten, mit Hygienekonzepten und Besuchsregeln einen Corona-Ausbruch zu vermeiden. "Wir hatten bisher weder bei Bewohnern noch bei Mitarbeitern einen Fall", sagt Alexandra Dauer, Leiterin des Seniorenzentrums Martin Luther in Streitberg-Wiesenttal.

Und das soll auch so bleiben. Sogenannte Antigen-Schnelltests könnten dabei helfen. Mit diesen Tests sollen Pflegeheime und Krankenhäuser das Personal, Besucher sowie Patienten und Bewohner regelmäßig auf das Coronavirus testen.

Seniorenheime können Antrag stellen

Vorreiter ist beispielsweise die Caritas im Landkreis Erlangen-Höchstadt, die bereits mit den Corona-Schnelltests arbeitet. Auch im Landkreis Forchheim warten die Leiter und Leiterinnen von Senioreneinrichtungen auf die Tests. "Das wäre ein Gewinn und eine Sicherheit für uns", sagt Dauer vom Seniorenzentrum Martin Luther. Sie berichtet: Pflege- und Seniorenheime könnten seit kurzem beim zuständigen Gesundheitsamt einen vereinfachten Antrag für die Schnelltests stellen. Das Gesundheitsamt lege dann fest, wie viel Bedarf für Antigen-Schnelltests pro Einrichtung besteht. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt eine Liste der Hersteller, deren Schnelltests erstattet werden. Pro Test sollen dem Seniorenzentrum bis zu sieben Euro vergütet werden, sagt Dauer.

Wie viel Tests eine Senioreneinrichtung bekommt, ist abhängig von der Zahl der Menschen, die dort betreut werden. Die Tests könnten dann für Bewohner, Besucher oder das Pflegepersonal verwendet werden, so Dauer. "Wir stellen natürlich einen Antrag", sagt sie. Auch wenn die Ergebnisse der Tests nicht zu einhundert Prozent sicher seien, könne man damit doch zumindest ausfiltern. Die Einrichtungsleiterin betont: Die Tests ersetzen die Hygienemaßnahmen nicht. "Die Hygienemaßnahmen sind weiterhin immens wichtig."

Auch in anderen Seniorenheimen in der Region wartet man auf die Schnelltests. "Es ist angedacht, in naher Zeit mit den Schnelltests anzufangen", sagt Paul Schlund, Leiter des Caritas-Pflegezentrums St. Elisabeth in Forchheim. Bisher werde das Personal in regelmäßigen Abständen getestet, etwa einmal monatlich. Außerdem habe man rund zehn Prozent der Bewohner vorsorglich testen lassen. "Wir sind natürlich an Schnelltests interessiert, wenn die Zahlen so schnell steigen", sagt Schlund.

Ähnlich äußern sich andere Leiter von Seniorenheimen: "Wenn man mehr Tests hätte, könnte man die Gefahr reduzieren und müsste nicht so stark reglementieren", sagt Karin Amon, Leiterin des BRK-Seniorenzentrums am Königsbad in Forchheim. Denn eine Ausgangssperre gibt es im BRK-Heim nicht, sagt Amon. Senioren, die noch mobil genug sind, dürfen die Einrichtung verlassen.

Wenn sie dann wieder in die Einrichtung zurückkehren, wäre ein solcher Schnelltest von Vorteil.

Die Tragik mit dem Coronavirus, betont Amon: Infizierte merken oft gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Vor einem Monat habe es eine prophylaktische Reihentestung im BRK-Heim gegeben: Alle Mitarbeiter und Bewohner seien freiwillig getestet worden. "Die Resonanz war sehr gut. Jeder möchte Sicherheit", sagt Amon. Bisher habe es glücklicherweise keinen Corona-Fall im Seniorenzentrum gegeben.

Kathrin Schürr, Sprecherin am Landratsamt Forchheim: Die Beschaffung der Antigen-Schnelltests müssen die Einrichtungen selbst vornehmen. Beim Gesundheitsamt werde lediglich deren Testkonzept festgestellt. Bisher liege der Behörde erst ein Antrag vor. "Das liegt auch daran, dass die maßgeblichen Mitteilungen und Informationen des Gesundheitsministeriums uns und die Bedarfsträger erst diese Woche erreichten."

Zur Verteilung der Schnelltests sagt Schürr: Bedacht werden nach und nach die Landkreise mit den höchsten 7-Tages-Inzidenzwerten. "Die staatlich besorgten Schnelltests dienen aber ausschließlich als kurzzeitige Überbrückungshilfe", so Schürr. Die Kosten würden mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet.

Antigen-Schnelltests: Wie sie funktionieren, was sie bringen, wie sicher sie sind

Testverordnung Pflegeheime und Krankenhäuser können Antigen-Schnelltests großzügig nutzen, um Personal, Besucher sowie Patienten und Bewohner regelmäßig auf das Coronavirus zu testen, teilt das Bundesministerium für Gesundheit mit. Das ist Ziel der Testverordnung, die am 15. Oktober in Kraft getreten ist.

Funktionsweise Der Test basiert auf dem Nachweis von SARS-CoV-2-Eiweißen. Dazu muss ein Abstrich im Nasenrachenraum vorgenommen werden. Die einfachere Auswertung eines Antigentests erlaubt die Testung auch außerhalb eines Labors, z. B. in Pflegeheimen oder in Arztpraxen ohne Diagnostiklabor. Ein Vorteil der Antigen-Schnelltests besteht darin, dass das Ergebnis bereits nach rund 15 Minuten feststeht.

PCR-Test Im Gegensatz zu den Antigen-Schnelltests stehen die herkömmlichen PCR-Tests. Bei den PCR-Tests wird das Erbmaterial der Viren nachgewiesen. Dazu muss ein Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum genommen werden. Während der PCR-Test zwar genauer ist als der Antigen-Schnelltest, benötigt diese Methode jedoch relativ lange.

Fehlerquote Die Schnelltests sind insgesamt weniger genau als die PCR-Tests. Die Herstellerangaben für Schnelltests, die in Deutschland vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet sind, sprechen in der Regel von einer Trefferquote zwischen 95 bis 99 Prozent. Quelle: Bundesministerium für Gesundheitfr