Verlässliche Informationen sind Gold wert in der Virus-Krise. Das stellt Christian Weidner täglich am Telefon fest. "Mit unserer Corona-Hotline bieten wir direkte Hilfe in verworrenen Zeiten", sagt der Mediziner und Experte für Risikobewertung beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen.

Diagnosen kann Weidner und sein wachsendes Team aus engagierten Medizinstudenten am Telefon immer seltener stellen, seitdem sich die Bevölkerung direkt vor der Haustür mit dem Virus anstecken kann. "Wir machen keine individuelle medizinische Beratung. Wir geben Tipps, wer wo wie am besten aufgehoben ist mit seinen Sorgen und Ängsten", sagt Weidner. Telefon-Diagnosen seien schon deshalb nicht mehr möglich, weil mit der wachsenden Verbreitung des Erregers im eigenen Land die Trennschärfe für einfache Diagnosen verloren gegangen sei. Wuhan, Husten und Fieber gelten als Indikator längst nicht mehr. Heute könne sich jeder überall anstecken.

Schnelle Empfehlungen

Umso wichtiger sei es, dass die Experten am Telefon schnelle Empfehlungen geben können. Noch bevor Tests erfolgen und Quarantänen von den kommunalen Gesundheitsämtern verhängt werden, liefert die Hotline den besorgten Anrufern wichtige Empfehlungen. Außerdem wirkt das Corona-Telefon wie ein Wegweiser. Das sei wichtig, um das Gesundheitssystem gerade in diesen Krisenzeiten nicht zu überlasten.

Beeindruckt sind Weidner und sein Team am Krisen-Telefon von den besorgten Bürgern am anderen Ende der Leitung. "Die große Mehrheit der Bevölkerung geht sehr ernsthaft und gewissenhaft mit dem Virus um", lobt der Leiter der Corona-Hotline das Verhalten der Anrufer, die sich aus dem ganzen Freistaat in wachsender Zahl an die Experten aus der mittelfränkischen Universitätsstadt im Herzen des "Medical Valley" wenden.

800 bis 1200 Anrufer pro Tag

Auf den Ausbruch der Pandemie hat das Landesamt schnell reagiert. Direkt nach dem allerersten Corona-Fall am 28. Januar im Raum München sei die Virus-Hotline freigeschaltet worden. "Angefangen haben wir mit einer Leitung", erinnert sich Weidner an den Start des Corona-Telefons zurück. Zunächst sei es um die Fachberatung von behandelnden Ärzten gegangen. Das Bild hat sich mittlerweile dramatisch geändert. "Heute erreichen uns zwischen 800 und 1200 Anrufe pro Tag." Knapp 50 Mitarbeiter würden die Anrufe im Schichtbetrieb entgegen nehmen.

Hotline länger geschalten

Seit Mittwoch ist die Hotline zwei Stunden länger von 8 bis 18 Uhr zu erreichen, um die Flut der Anrufer bewältigen zu können. Weidner und sein Team seien darauf vorbereitet, dass die Zahl der Anrufer weiter steigen könnte. Zahlreiche Medizinstudenten hätten sich freiwillig gemeldet, um am Telefon zu helfen. Voraussetzung für die Mitarbeit der angehenden Mediziner sei der erfolgreiche Abschluss des ersten Staatsexamens. Vor dem ersten Anruf würden die Studenten ausführlich geschult. Weil sich die Fragen und Antworten laufend ändern, kümmern sich Mitarbeiter im Hintergrund um die kontinuierliche Aktualisierung von Faktensammlungen und To-do-Listen für den Ernstfall. Damit soll sichergestellt werden, dass die Anrufer bei allen Problemen immer mit den richtigen Antworten versorgt werden können.

Keine Einbahnstraße

Mit "blöden Fragen" über den Wahrheitsgehalt von Fake-News würde die Telefon-Hotline glücklicherweise nicht blockiert. "Den Menschen ist der Ernst der Lage wirklich bewusst", freut sich Weidner darüber, dass reißerische Medienberichte beispielsweise über verantwortungslose "Corona-Partys" offensichtlich nur einen verschwindend kleinen Teil der Realität im Freistaat abbilden. Überhaupt funktioniere die Hotline nicht nur als Einbahnstraße. "Durch die vielen Anrufe sind wir immer bestens informiert, wenn es irgendwo im System klemmt und wann es wo zu Staus beispielsweise bei Labor-Tests kommen könnte." Schon allein aus diesem Grund brauchen besorgte Bürger also kein schlechtes Gewissen zu haben, die Nummer der Corona-Hotline in Erlangen im Fall der Fälle zu wählen.

Die Corona-Hotline

Nummer: Die landesweite Hotline zum Corona-Virus des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen ist unter der Telefonnummer 09131/6808 5101 für verunsicherte Bürger bei wichtigen Fragen erreichbar. Derzeit ist die Hotline von von 8 bis 18 Uhr besetzt.

Zahlen: Weltweit hat das LGL in Erlangen die Zahl der Infektionen im Blick. In Deutschland sind am gestrigen Sonntag, 29. März (Stand 10 Uhr), genau 52 547 Coronavirusinfektionen bekannt gewesen. In Bayern hat es zum gleichen Zeitpunkt 13 263 Infektionen und 110 Todesfälle gegeben. Weltweit hat die Zahl der Todesfälle am Sonntag über 26 000 betragen.

Internet: Weitere Informationen rund um das Coronavirus gibt es unter www.lgl.bayern.de.