Am 11. 11. startet auch in Herzogenaurach die Karnevalssession. Doch im Corona-Jahr 2020 ist bekanntlich alles anders. Traditionell wird mit dem Rathaussturm die Session des Karnevalsclubs Herzogenaurach (KCH) eröffnet. Erfahrungsgemäß hätte Bürgermeister German Hacker (SPD) versucht, die Übernahme zu verhindern.

Diesmal mussten die Narren nicht an der Rathaustür rütteln, die Automatiktür ging von selbst auf. "Das gab es noch nie", kommentierte KCH-Vorsitzender Stefan Herbig den nicht vorhandenen Widerstand, und der Bürgermeister stand auch nicht hinter der Tür, sondern er wartete ganz entspannt im Sitzungssaal auf die drei KCH-Vertreter Stefan Herbig, Michael Tiefel und Ralph Amrehn, die ohne Helau und nahezu ungehört durch die Tür kamen.

Die Verantwortlichen des KCH hatten auch schon über einen "Online-Rathaussturm" nachgedacht, aber die Idee zur Schlüsselüberübergabe im kleinen Rahmen hatte Bürgermeister Hacker, schließlich musste auch der obligatorische Scheck übergeben werden.

Den Schlüssel gab es heuer nur virtuell auf einem Tablet, das am Ende aber im Rathaus bleiben musste. Den Rathausschlüssel wird das Stadtoberhaupt weiter verwahren und auch der gut gefüllte Stadtsäckel bleibt von den Narren unangetastet.

Die Corona-Pandemie brachte auch für die Faschingssession, die eigentlich am 11. November beginnen sollte, das Aus. Deshalb wurden die Prunksitzungen ebenso abgesagt wie der traditionelle Rathaussturm. Polonaise mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern pro Teilnehmer? Und buntes Narrentreiben auf Distanz? Fasching ist Geselligkeit, Nähe und Fröhlichkeit, schunkeln und feiern. Zudem spielt der Alkohol in dieser Zeit natürlich auch eine Rolle. "Aufgrund dieser Voraussetzungen ist es nicht möglich, entsprechende Pandemiekonzepte für die Veranstaltungen zu erstellen und die Einhaltung zu gewährleisten", erklärt der Bürgermeister.

"Für alle, die ehrenamtlich in Vereinen tätig sind, ob das Trainer, Betreuer, Tänzer oder Kinder sind, ist es extrem belastendend, weil man ausgebremst worden ist", meinte Herbig. Garden und Büttenredner hätten das ganze Jahr fleißig trainiert. Gerade für Kleinsten seien die Auftritte bei Prunksitzungen ein Highlight. Der Vorsitzende bedauert vor allem, dass die choreografierten und einstudierten Tanznummern der Garden nicht gezeigt werden können. So seien auch alle Turniere abgesagt worden, weil es beim Gardetanz kaum möglich ist, die vorgeschriebenen Schutzabstände einzuhalten. "Wir haben lange gehofft, etwas machen zu können, und dann mussten wir alles absagen", sagt Herbig traurig.

Die Tänzerinnen sind bereit

Der Frust sitzt tief beim KCH. "Wir könnten jetzt gleich raus zur Aurach und das Geldbeutel-Waschen am Aschermittwoch machen sowie den Schlüssel zurückgeben", sagte der Vorsitzende. Das Programm der Garden, die fleißig trainiert haben, sei fertig und die Mädchen könnten sofort auf die Bühne. Sollte vor Faschingsende ein Impfstoff oder grünes Licht von Regierungsseite kommen, dann "können wir spontan ein Zwei-Stunden-Programm auf die Beine stellen", verspricht Herbig.

"Uns ist zum einen wichtig, dass sich jeder an die Vorgaben hält, damit wir diese Entwicklung stoppen und die Pandemie zu einem Ende kommt", sagt Herbig. "Und zum anderen, dass wir weiterhin Optimismus und positives Herangehen zeigen, nach Lösungen suchen und nicht aufgeben, denn der positive Wille, etwas umzusetzen und sich zu zeigen, ist da."

Noch im Sommer hofften die rund 130 Aktiven und das Männerballett auf die Möglichkeit, die eine oder andere Veranstaltung unter Corona-Bedingungen abhalten zu können, wenigstens noch einen Teil der Session zu retten. Der Bund Deutscher Karneval (BDK) und auch der Dachverband Fastnacht-Verband Franken hatten ihren Mitgliedern im Sommer noch vorgeschlagen, die geplanten Veranstaltungen vorerst nicht abzusagen.

Inzwischen ist aber klar: keine Prunksitzungen. Keine Umzüge. Kein fröhliches Treiben auf dem Marktplatz zum Faschingskehraus am Faschingsdienstag. Für die Zeit nach dem Teil-Lockdown denke man natürlich über coronakonforme Alternativen nach. So könne eine Tanzshow für die Tänzerinnen und Tänzer sowie deren Familien im kleineren Rahmen mit sicherer Theater-Bestuhlung eine Option sein, damit das Training über das Jahr nicht völlig sinnlos gewesen ist.

"Wir alle wünschen, dass wir 2021 wieder zur Normalität zurückkehren können, um unseren Besuchern wieder in gewohnter Weise mit unseren Auftritten zur Verfügung zu stehen", sagt Vorsitzender Stefan Herbig abschließend, und die Aktiven verlassen den Sitzungssaal ebenso ruhig, wie sie ihn betraten.