Das neue Konzept geht offensichtlich auf. Die Kirchengemeinde Katharina von Bora trägt seit dem Umbau 2014 ein farbenfrohes Kleid. "Wir wollen eine einladende Gemeinde sein," begründet Pfarrer Detlev Juranek die Leichtigkeit, mit der über persönliche Einladungen, ansprechende Plakate und Flyer, über den Facebook-Auftritt, die diakonische Arbeit und die gelebte Gemeinschaft für die Gemeinde Jesu Christi geworben wird.Ganz banal lässt sich das an den gestiegenen Gottesdienstbesuchern fest machen: fast 20 Prozent mehr seit 2013. Außerdem mehrere Hochzeiten, Taufen und eine Segnungsfeier für zwei Männer.


Beten, stricken, singen

Helle, lichtdurchflutete Räume, Glas und Sichtmauerwerk, mittendrin eine offene Küche mit Tresen, alles gar nicht so groß - gerade richtig für Menschen, die sich gerne treffen. Ob zum Reden oder zum Kochen, zum Beten, Stricken oder Musizieren. Bunt gemischt sind die Gruppen: Im Chor "Katharina singt" gibt es die 17-Jährige mit ihren blau gefärbten Haaren, den ehemaligen Bachchorsänger und die Behinderte, den Flüchtling und die 88-Jährige, die jeden Montag pünktlich um 19 Uhr zur Probe erscheinen. Oder die Strickgruppe, in der Männer und Frauen gleichermaßen Spaß am Handarbeiten haben.


Oase der Toleranz

Jazzfrühschoppen, Disco oder Ü30-Party, all diese Angebote locken ins Gemeindezentrum. "Natürlich sind nicht alle Besucher unserer Veranstaltungen auch gleich neue Gottesdienstbesucher", weiß Pfarrer Juranek. Doch darum allein geht es auch nicht. "Die Menschen hier sollen sich angenommen und angekommen fühlen - egal, welches Päckchen sie mit sich herumschleppen."
Eine "Oase der Toleranz" nennt die Haus- und Hof-Grafikerin und aktives Gemeindemitglied, Birgitta Müller (Foto) den Ort. Dort, wo Bürgermeister Norbert Tessmer vor 20 Jahren sein erstes Projekt für russlanddeutsche Jugendliche initiiert hat, wird heute "multikulti" gelebt.
Gerade in der Flüchtlingsarbeit hat sich die Gemeinde Katharina von Bora in den vergangenen Monaten stark engagiert. Susanne Kleiner , Musiklehrerin und Kirchenvorstand, war es, die damit angefangen hat, einem jungen Syrier Deutschunterricht zu geben. Mittlerweile betreut sie fast 30 Familien, ist bei Ämtergängen, Arztbesuchen, und der Wohnungssuche behilflich. Die Gemeinde hat Päckchen für alle Flüchtlingskinder gepackt und einen Gottesdienst für sie ausgerichtet. Beim multireligiösen Gespräch einmal im Monat (Nächster Termin: 28. Februar) beten Christen neben Muslimen, anschließend wird gemeinsam gegessen, manchmal ganz traditionell fränkisch, letztens syrisch.
Und auch, wenn Detlev Juranek die Helfergruppen bei der Flüchtlingsarbeit tatkräftig unterstützt - "Ich fahre schon mal den Möbeltransporter" - verliert er doch die Gemeindearbeit nicht aus dem Blick. Hilfe und Unterstützung bekommen nämlich auch Familien und Bedürftige aus dem Viertel. Notfälle, wie ein Wohnungsbrand oder eine schwere Krankheit rufen den Seelsorger auf den Plan. Das sei ganz selbstverständlich, wenn eben auch nicht so öffentlichkeitswirksam wie ein Liederabend oder ein Flüchtlingseinsatz.
"Wir sind eine lebendige Gemeinde, die nach außen wirkt und Menschen für den Glauben begeistern möchte." Nächstenliebe ist für Juranek die Liebe zu Gott, die er predigt - manchmal auch ganz spontan, dann, wenn es keiner erwartet und trotzdem plötzlich Gänsehaut bekommt.