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Dörfles-Esbach
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In Franken gestrandet: Zirkus kämpft wegen der Corona-Krise mit Problemen

Der "Circus Henry" ist wegen der Corona-Pandemie in Dörfles-Esbach gestrandet. Mit einem passenden Hygiene-Konzept könnte es bald wieder "Manege frei" heißen. Doch alle Probleme sind damit noch nicht gelöst.
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Zirkusdirektor Georg Frank und Kamelhengst Bullwei. Für die Zirkustiere werden nach wie vor Futter- oder Geldspenden benötigt. Foto: Rebecca Vogt
Zirkusdirektor Georg Frank und Kamelhengst Bullwei. Für die Zirkustiere werden nach wie vor Futter- oder Geldspenden benötigt. Foto: Rebecca Vogt

Georg Frank sitzt an einem Holztisch im Freien. Um ihn herum stehen mehrere Wohnwägen und Transporter. Einige Meter weiter ragen die Spitzen eines blau-weißen Zelts in die Höhe. Frank macht sich auf den Weg dorthin. In dem Zelt stehen mehrere Ponys und Pferde. Neugierig blicken sie dem vormittäglichen Besuch entgegen. Hinter dem Zelt tummelt sich eine Herde Kamele. Georg Frank ist in seinem Zuhause unterwegs, dem "Circus Henry".

"Ich bin in einem Wohnwagen geboren worden", erzählt der Zirkusdirektor. Seine Großmutter habe bei der Geburt mit einer Stalllampe geleuchtet, da es in den Wägen damals noch keine Beleuchtung gab. "Das hat mir meine Mutter erzählt", fährt Frank fort. Am Montag hat der Zirkusdirektor seinen 63. Geburtstag gefeiert. Frank wurde im Zirkus geboren, ist dort aufgewachsen und steht heute als stolzer Vater und Großvater an der Spitze des Familienunternehmens. Kurz, der Zirkus ist sein Leben.

Corona-Krise: Zirkus brachen die Einnahmen weg

Doch die Corona-Pandemie hat Frank und die übrigen Zirkusmitglieder ausgebremst. Seit Monaten sitzt der Zirkus in Dörfles-Esbach fest. Die Vorstellungen wurden untersagt. Die Einnahmen brachen von heute auf morgen weg. Die Zirkusmitglieder erhalten seitdem Sozialhilfe (Hartz IV), wie Frank berichtet.

Natürlich würde man lieber auf eigenen Beinen stehen, sei aber froh, Hilfe zu erhalten. "Für die Tiere bekommen wir nichts", fügt Frank an. Auch die übrigen Fixkosten liefen weiter. Der Zirkus sei daher weiterhin auf Futter- und Geldspenden angewiesen. Man freue sich über jede Hilfe.

Frank verweist beispielhaft auf ein Fahrzeug. "Wir holen damit normalerweise Heu, Stroh und Sägespäne für die Tiere", sagt er. Doch der TÜV sei fällig. Die Kosten für die Wartung des Fahrzeugs kämen nun ebenfalls auf den Zirkus zu.

Dankbar für Unterstützung

Frank ist dankbar für die Unterstützung, die die Zirkusfamilie in Dörfles-Esbach bisher erhalten hat. Der Platz, an dem der Zirkus sein Lager aufgeschlagen hat, sei ihnen ohne großen bürokratischen Aufwand zur Verfügung gestellt worden. Auch Bürgermeister Udo Döhler habe ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte des Zirkus gehabt.

"Wir haben auch von den Leuten hier noch nie einen bösen Blick gesehen", sagt Frank. Das sei nicht überall so. Als Zigeunerpack würden die Zirkusleute mitunter beschimpft. Es sei insgesamt schwierig geworden mit dem Zirkus, berichtet Frank. Früher sei das Aufsehen groß gewesen, wenn ein bunter Zirkuswagen durch die Stadt fuhr.

"Die Kinder haben gefragt, ob sie bei uns mitarbeiten können, um sich eine Kinderkarte für die Vorstellung zu verdienen", erinnert sich Frank. Seine Augen leuchten, während er davon erzählt. Doch das Interesse der Leute am Zirkus habe abgenommen.

Zirkus mit langer Tradition

Ob er schon einmal mit dem Gedanken gespielt habe, den Zirkus aufzugeben? "Nie", erwidert Frank ohne zu Zögern. Er führt den Zirkus in der siebten Generation. Gegründet wurde der "Circus Henry" vor mehr als 200 Jahren - im Jahr 1812.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer zeichnet sich für Georg Frank und sein Unternehmen aktuell ab. Kann der Zirkus ein geeignetes Hygiene-Konzept vorlegen, dürfen wieder Vorführungen stattfinden. Doch die coronabedingten Auflagen sind strikt.

"Bei den Logen müssen wir neben jeder Loge links und rechts eine Loge frei lassen", erklärt Frank. Die Tribüne besteht aus eineinhalb Meter langen Brettern. Auch hier müssten die anschließenden Bretter frei bleiben. Zudem müsse man Desinfektionsmittel vorhalten. "Das ist nicht billig", sagt Frank. "Bei einer Veranstaltung ist da ruckzuck eine große Menge weg."

Weniger Besucher zulässig aufgrund der Corona-Regeln

Normalerweise bietet das Zirkuszelt Platz für rund 300 Personen. Mit den Corona-Beschränkungen werden in Zukunft deutlich weniger Besucher zulässig sein. Um das Hygiene-Konzept zu erstellen, erhält der Zirkus Unterstützung von einer Dame aus der Verwaltung, wie Frank berichtet.

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Darüber hinaus ist der Zirkusdirektor auf der Suche nach Städten, in die der Zirkus anschließend weiterziehen kann. Bislang seien jedoch von überall nur Absagen gekommen, so Frank. Weitere Stationen - zum Beispiel in Kronach oder Kulmbach - wären jedoch wichtig. Er hofft, dass sich hier vielleicht die Bürgermeister untereinander austauschen könnten.

Für den Standort in Dörfles-Esbach hofft Frank, dass ein passendes Hygiene-Konzept gefunden werden kann und der Zirkus wieder öffnen darf. "Es juckt in den Fingern. Wir freuen uns, wenn es weitergeht."

So können Sie helfen: Der "Circus Henry" ist nach wie vor auf Spenden angewiesen und freut sich über jede Hilfe. In Dörfles-Esbach steht der Zirkus in der Passchendaele-Straße kurz vor der ehemaligen Kaserne. Für Geldspenden steht folgendes Konto bei der Postbank offen: IBAN: DE89 7601 0085 0805 6158 56, BIC: PBNKDEFF

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