Die Beharrlichkeit der Coburger Handwerker scheint sich auszuzahlen. Im Streit mit der Handwerkskammer für Oberfranken in Bayreuth um den Fortbestand des Ausbildungsstandorts Coburg zeichnet sich ab, dass das dortige Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) auf jeden Fall bestehen bleibt. Im Rahmen einer Pressekonferenz am Freitag in Bamberg, bei der es vor allem um die Unregelmäßigkeiten bei der Steuerberatungs-Tochter GTO und das damit verbundene Ausscheiden von Hauptgeschäftsführer und Präsident ging, hatte Vizepräsident Matthias Graßmann signalisiert, dass man guter Dinge sei, im zweiten Mediationstreffen Ende Oktober zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen.

"In Coburg muss ein BTZ bleiben"

Kammer-Vorstandsmitglied Michael Klein, Arbeitnehmervertreter aus Neuses an den Eichen (Landkreis Coburg), sprach von einem "sehr guten Fahrwasser, was die letzten Wochen betrifft". Auf Nachfrage, was diese gute Stimmung ausmache und ob sich die Position der Coburger geändert habe, antwortete Klein: "In Coburg muss ein BTZ bleiben". Damit scheint der Weg nach dem Rücktritt des Präsidenten Thomas Zimmer und vor allem auch nach dem Ausscheiden von Hauptgeschäftsführer Thomas Koller für die Coburger frei, den Fortbestand ihres BTZ im bisherigen Rahmen dauerhaft zu sichern. Koller war es, der eine Neuausrichtung der oberfränkischen Handwerkerausbildung schaffen wollte. Die Zahl der BTZ in Oberfranken sollte von vier auf drei reduziert werden. Übrigbleiben sollten Hof, Bayreuth und Bamberg. In Bamberg sollte ein Neubau realisiert werden, der das ganze westliche Oberfranken abdecken sollte. Coburg sollte dabei aufgegeben werden. Als Ersatz wollte man den Coburgern den Wegfall mit einem Bauzentrum und einem sogenannten Innovativen Lernort schmackhaft machen. Doch Coburger Innungen und einzelne Handwerksbetriebe hatten dagegen geklagt und sich dabei auf den Fusionsvertrag von 2001 berufen. Die damalige HWK Coburg hatte sich bei der Übernahme durch die HWK Oberfranken in Bayreuth den BTZ-Fortbestand darin schriftlich zusichern lassen.

Graßmann: "In Bamberg kann immer noch gebaut werden"

Laut Vorstandsmitglied Klein sei dem damaligen Gutachter, der die Reduzierung von vier auf drei BTZ vorgeschlagen hatte, der Fusionsvertrag nicht bekannt gewesen. Dass mit dem Fortbestand des BTZ Coburg das Bauvorhaben in Bamberg gefährdet sei, verneinte der aus Bamberg stammende Vizepräsident Matthias Graßmann. "Bamberg kann immer noch gebaut werden", sagte Graßmann auf Nachfrage. Es bleibe alles beim Alten. Die zwei Standorte Coburg und Bamberg könnten sich "optimal ergänzen". Das Ganze müsse nur wirtschaftlich gestraffter dargestellt werden.

Eine offizielle Entscheidung kann allerdings frühestens Ende Oktober im Mediationsverfahren getroffen werden. Denn die Coburger haben ihre Klage gegen die Kammer noch nicht zurückgenommen.