Wer den "Zeitraum" in der Webergasse betritt, wird von Stille begrüßt und von schönen, beseelten Dingen. Wer ganz leise ist und sich auf die Atmosphäre des Raumes einlässt, kann vielleicht sogar das Meer rauschen hören, auf dem das Segelboot aus dem Schaufenster liegt. Wer genau hinschaut, sieht sogar noch den alten Hausarzt im weißen Kittel, der an seinem Schreibtisch sitzt und dem Kind ein Glas mit Bonbons zur Belohnung hinhält.

Oder er hört die Verkäuferin, die eine Auswahl von verschieden gepunkteten und gestreiften Seidentüchern auf dem Ladentisch ausbreitet und anpreist. Aus dem Nebenraum strahlt die große Bühnenlampe auf die Kinosesselreihe und Musik aus dem Radioschrank der 60er Jahre lässt den linken Zeh zucken.

Der Coburger Udo Westhäuser ist der Herr der schönen Dinge, die er jetzt im "Zeitraum" ausstellt und verkauft. Sein Antikwarenladen gegenüber heißt "Zeitreise" und gehört mittlerweile seit elf Jahren zu Coburgs guten Adressen in Sachen Antiquitäten, hervorragend sortiert und geschmackvoll arrangiert.

Schon immer hat Westhäuser davon geträumt, einen schönen Raum für all die besonderen Stücke zu haben. Als der Schokoladenladen im Sommer ausgezogen ist, hat der 49-Jährige die Chance ergriffen. "Nostalgie und Qualität liegen wieder im Trend", sagt er. Die Menschen wollen gute Dinge kaufen, Sachen, die wertig gearbeitet und von Bestand sind. "Berühren und berührt werden" lautet sein Credo. Deshalb hält der Kaufmann auch nicht viel vom Internet. Seine Kunden sollen sehen und anfassen können, was sie kaufen. Westhäuser ist überzeugt, dass sich die Käufer wieder besinnen - weg von der schnellen, billigen Kaufentscheidung hin zur bewussten. Zeitlos schön scheinen die Möbelstücke, Lampen und Accessoires zu sein, die sich - jedes auf seinem Platz - miteinander arrangieren. Epoche tummelt sich neben Epoche.

Sich umschauen und den "Zeitraum" ganz allein erobern, das kann schon mal passieren, wenn der Chef gegenüber in der "Zeitreise" unterwegs ist. Für Udo Westhäuser ist die Beziehung zu seinen Kunden so etwas wie Vertrauenssache. Im Notfall piepst immernoch das Babyphon, das die beiden Geschäfte miteinander verbindet.