Mit beeindruckenden Zahlen eröffnete Barbara Kammerscheid die Diskussion: "500 bis 600 Stunden leisten unsere Ehrenamtlichen im Sozialkaufhaus jede Woche." Auch Pfarrer Detlef Juranek von der evangelischen Kirchengemeinde "Katharina von Bora" machte deutlich: "Auf Dauer reichen ehrenamtliche Kräfte nicht aus. Wir brauchen hauptamtliches Personal und Sachmittel."
"Auf den Punkt. Der Regionentalk der Sparkasse Coburg-Lichtenfels" - die Diskussionsveranstaltung von Coburger Tageblatt, Radio Eins, iTV-coburg und der Sparkasse Coburg- Lichtenfels fand gestern im großen Saal von St. Augustin statt. "Coburg hilft - und wer hilft uns dabei?" war er überschrieben. Mit auf dem Podium saßen auch Landrat Michael Busch (SPD) und MdL Jürgen W. Heike (CSU), der direkt aus München kam. Während sich Busch zuversichtlich zeigte, die große Herausforderung stemmen zu können, sagte Heike ganz klar: "Wir werden so nicht weitermachen können." Über die Parteigrenzen hinweg werde im Landtag (gegebenenfalls) eine "bayerische Lösung" gesucht. Europaweit sei Angela Merkel im Regen stehen gelassen worden. "Jetzt kommt es drauf an, sich national zu einigen", meinte der CSU-Abgeordnete.
Die Situation und Stimmungslagen vor Ort beschrieben Kammerscheid und Juranek aus Sicht der vielen hundert Ehrenamtlichen, die seit Frühsommer im Einsatz sind. Die Leiterin des Soziakaufhauses sprach davon, kritische Zeiten gemeistert und überstanden zu haben. Ihre Mitarbeiter seien beschimpft und geschlagen worden. Auch rechtsgerichtete Pöbler hätten sich vor den Türen eingefunden. "Gott sei Dank hat sich das alles wieder beruhigt", sagte Kammerscheid, die mittlerweile für "Hartz & Herzlich" Unterstützung vom Sozialamt bekommt und besonders die Privatinitiative von Adrian Liebermann "Coburg hilft!" als große Erleichterung empfindet.
Der Landrat sieht auch eine große Belastung für die hauptamtlichen Mitarbeiter, die teilweise Tag und Nacht arbeiten müssten und an ihren Grenzen kämen. Dennoch: "Wir haben es bisher geschafft und werden die hohe Herausforderung meistern. Es gibt keine Alternative."
Oberbürgermeister Frank Rebhan aus Neustadt unterstrich, dass nach wie vor eine Welle der Hilfsbereitschaft vorhanden sei. Vor allem die Flüchtlinge, die schon länger hier wären, seien eine große Unterstützung: "Sie helfen, übersetzen und beruhigen!"