Im Skandal um Veruntreuungen bei zwei Tochterfirmen der Handwerkskammer für Oberfranken nimmt die Kammer den ehemaligen Hauptgeschäftsführer Thomas Koller und den ehemaligen Präsidenten Thomas Zimmer jetzt auch zivilrechtlich in die Verantwortung.

Laut HWK-Geschäftsführer Bernd Sauer sind dementsprechende Klagen beim Landgericht Bayreuth bereits anhängig bzw. würden noch eingereicht. Man sehe sich aufgrund weiterer Rechtsgutachten "leider gezwungen", diesen Schritt zu gehen, sagte Sauer.

An der Vollversammlung vorbei

Im Fall des ehemaligen Präsidenten Thomas Zimmer geht es um eine Bürgschaft gegenüber der Tochter GTO im Rahmen eines Darlehens in Höhe von rund einer halben Million Euro. Zimmer hatte 2011 zusammen mit dem damaligen Hauptgeschäftsführer Horst Eggers diese Bürgschaft gewährt, ohne Vorstand und Vollversammlung zu beteiligen - ein Verstoß gegen die Satzung der Kammer. Außerdem hätten beide laut Rechtsgutachten spätestens zum Zeitpunkt der Unterzeichnung dieser Bürgschaft die wirtschaftlichen Verhältnisse der GTO überprüfen müssen. Alle weiteren kriminellen Handlungen des damaligen Leitenden Mitarbeiters der GTO hätten so verhindert werden können.

Teilweise schon verjährt

Beim früheren Hauptgeschäftsführer Thomas Koller geht es um Zahlungen für Repräsentationsaufwendungen und Kfz-Kosten in Höhe von jährlich 88 000 Euro, die von der Handwerkskammer in den Jahren 2012 bis 2014 an die GTO geflossen sind. Das Rechtsgutachten stufe solche Repräsentationsaufwendungen an die Tochter, die Kollers Vorgänger Eggers eingeführt hatte, per se als rechtswidrig ein, berichtet Sauer. Koller hätte diese Zahlungen umgehend stoppen müssen. Das System der Zahlungen war laut Kammer von Horst Eggers vor dem Jahr 2010 eingeführt worden, dieser Zeitraum sei inzwischen weitestgehend verjährt.