Bayreuther Friseursalon erhält ungewöhnliche Erweiterung: Normalerweise vermittelt der Bayreuther Wolfgang Fiebich leerstehende Flächen an Wirte und Barbetreiber. Die dürfen aber zurzeit noch nicht öffnen - im Gegensatz zu Friseuren. Direkt gegenüber von Sandra Schrödels Friseursalon befindet sich eine solche Fläche - ein verwaistes Tattoo-Studio. Jetzt ist dort eine Erweiterung ihrer Arbeitsfläche zu finden, eine provisorische Zweigstelle ihres bestehenden Friseursalons sozusagen. 

Die sogenannte Pop-up-Kultur ist eigentlich ein Leerstandsmanagement. "Es gibt Räume für Gastronomie, die schon lange leer stehen. Die übernehmen wir dann. Ich bin eigentlich nichts anderes als ein Immobilienmakler, nur ohne Courtage", erklärt Fiebich inFranken.de. Ziel sei es, den Gastronomen in einer begrenzten Zeit zu zeigen, was man machen kann. "Momentan haben wir eine Vermittlungsquote von 100 Prozent, also die Immobilien können danach alle von anderen Leuten weiterbetrieben werden."

Pop-up-Salon in Bayreuth: Friseurin eröffnet provisorische Filiale auf alter Fläche

Die Idee für den Pop-up-Friseursalon kam von Sandra Schrödel selbst. Im Laden darf nur ein Kunde auf zehn Quadratmetern Fläche sein. "Weil der Ansturm ja auch riesig sein wird, war klar, dass wir mehr Platz brauchen", sagt Schrödel mit Blick auf die erlaubte Wiederöffnung nach dem überstandenen Lockdown. Ihr Salon befand sich bis vor sieben Jahren schon einmal in dem Gebäude - direkt gegenüber ihrem heutigen Hauptgeschäft. "Da dachte ich mir, dass es die Idee wäre, wenn wir dahin zurückziehen könnten und dort etwas provisorisch aber dennoch cool einen Laden machen könnten." 

Dann nahm sie Kontakt mit Wolfgang Fiebich auf. "Er war auch sehr spontan und fand die Idee total gut." Innerhalb von zwei Wochen war der Bau des Salons letztlich abgeschlossen. "Er ist jetzt vom Aufbau her ähnlich wie der alte. Nur das Mobiliar, bis auf die Friseurstühle, ist fast komplett aus Paletten gemacht", sagt Fiebich. "Das sieht auch schnuckelig aus, finde ich", ergänzt er.

Ihren ersten Arbeitstag seit Mitte Dezember empfindet Schrödel als durchweg positiv. "Alle sind motiviert und gut drauf, es macht richtig Spaß, heute wieder zu arbeiten." Besonders gefällt ihr dabei, ihre Kunden wieder sehen zu können und wieder andere Leute um sich zu haben. Bei der Terminvergabe haben im Moment noch die ausgefallenen Lockdown-Termine Vorrang. "Alleine bei mir waren das 110, die jetzt erstmal nachterminiert werden. Wir haben aber ein paar Lücken freigelassen, sodass wir auch immer mal ein paar einzelne andere Kunden unterkriegen", sagt Schrödel.

Salon-Inhaberin erklärt Motiv: "Mir hätte das Herz geblutet"

Um alle Kunden unter einen Hut zu bringen, gibt es nun den Pop-up-Salon. "In erster Linie haben wir das gemacht, um dem großen Ansturm gerecht zu werden. Aber ich habe es auch wegen meiner Mitarbeiter gemacht. Hätte ich die zusätzliche Platzkapazität nicht, hätte ich einige Mitarbeiter in der Kurzarbeit lassen müssen", erklärt Schrödel gegenüber inFranken.de. Sie sieht darin einen großen Widerspruch - Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, obwohl es genug Arbeit für alle gäbe. "Mir hätte das Herz geblutet. Auszuwählen, wer arbeiten darf und wer nicht, wäre für mich eine furchtbare Entscheidung gewesen", sagt sie.

Für vorerst drei Monate soll der Pop-up-Salon bestehen bleiben. Eine Verlängerung sei möglich, das hänge von den weiteren Entwicklungen ab, erklären Schrödel und Fiebich. "Bei uns kommt dann auch wieder die Urlaubszeit. Wenn immer wieder Mitarbeiter im Urlaub sind, haben wir natürlich auch wieder mehr Kapazitäten in unseren eigenen Räumlichkeiten", sagt Schrödel. Außerdem spielen die Entwicklung der Corona-Zahlen und die Arbeitsschutzregelungen mit der Quadratmeter-Vorgabe eine Rolle. 

Von den Kunden habe Schrödel bislang nur positive Rückmeldungen zu ihrem ungewöhnlich Friseursalon erhalten. "Jeder findet die Idee klasse und ist erstaunt, wie wir das in nur zwei Wochen aus dem Boden gestampft haben." 

Auch Bad Staffelstein hat einen Pop-up-Store. Diese zeitlich befristete Einrichtung gibt der lokalen Wirtschaft und Kultur ganz neue Möglichkeiten, sich zu entfalten.