Tabellenführer zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs, Rückzug der Geschäftsführung, personeller Umbruch - beim Damenbasketball-Zweitligisten DJK Don Bosco Bamberg hat sich seit dem Corona-bedingten jähen Ende der vergangenen Saison im März einiges getan. Wenn die DJKlerinnen am Samstag in Schwabach in die neue Spielzeit starten, dann stehen sie vor einem Neubeginn - mit zwei bekannten Gesichtern. Steffen Dauer, der die DJK-Damen einst von der Regionalliga in die 2. Liga und dort zu zwei Meisterschaften in Folge geführt hat, ist ebenso zurück wie Julia Förner. Die 19 Jahre alte U18-Europameisterin beginnt in Kürze ein Medizinstudium in Erlangen und spielt nach einem Jahr beim Bundesligisten TSV Nördlingen künftig wieder für ihren Heimatverein. Nachfolgend ein Interview mit den beiden Rückkehrern.

Warum gehen Sie den Schritt zurück von der Bundesliga in die 2. Liga?

Julia Förner: Die Bundesliga hat mir extrem viel Spaß gemacht. Ich werde es vielleicht auch vermissen, nicht mehr in der ersten Liga zu spielen. Aber ich habe schon immer gesagt: Ich probiere das mal für ein Jahr aus und lege den Fokus dann voll auf das Studium. Denn als Frau kann man im Basketballbereich vor allem im Vergleich zu den Männern nur wenig verdienen. Daher ist die berufliche Schiene die wichtigere. Für mich war klar: Wo ich studiere, dort werde ich auch spielen. Da ich überraschend einen Platz in Erlangen bekommen habe, bin ich jetzt zurück in Bamberg. Darüber freue ich mich sehr. Solange ich in Erlangen studiere, werde ich der DJK, soweit alles gut läuft, vermutlich treu bleiben.

Sie kennen viele Ihrer Mitspielerinnen schon aus gemeinsamen Jugendzeiten. Hilft das?

Ja, wir verstehen uns auf dem Feld blind. Das ist ein großer Vorteil, denn die Vorbereitungszeit war wegen der Coronabeschränkungen für alle Vereine kurz.

Was ist drin für die DJK-Damen in dieser Saison?

Wir sollten nicht den Anspruch haben, nur die Liga zu halten. Ich glaube, wir schaffen da noch mehr. Wir sind jung und schnell und sollten frech sein. Wir wollen das Team sein, von dem kein Gegner erwartet, dass er so gut ist. Zwar fehlt uns eine große Spielerin, aber unsere Stärke ist, dass wir sehr, sehr gut werfen.

In der Tat fällt auf, dass eine Center fehlt. Eva Marschall ist mit 1,82 Metern die größte Spielerin in der Mannschaft. Warum hat die DJK noch keine Centerspielerin, Herr Dauer?

Steffen Dauer: Natürlich könnten wir unter dem Korb noch Verstärkung gebrauchen. Dafür sehe ich auch eine Notwendigkeit. Leider sind uns zwei potenzielle Neuzugänge abgesprungen. Wir haben ein paar Kandidaten im Auge, aber momentan ist es einfach nicht machbar. Wir sind da auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um uns personell noch ein bisschen besser aufzustellen. Wir müssen jetzt halt aus der Situation das Beste machen.

Sie sind im Januar 2014 bei der DJK als Trainer von Ulf Schabacker abgelöst worden. Warum sind Sie jetzt zurückgekehrt?

Diese Aufgabe reizt mich. Ich habe in der Vergangenheit hier ja einiges mit aufgebaut und von daher Interesse, dass es weitergeht. Als mich die Verantwortlichen vor drei Monaten zum ersten Mal angesprochen hatten, war die Lizenz gerade gerettet und vom letztjährigen Kader waren nur noch drei bis vier Spielerinnen übrig. Ich wusste also, was mich erwartet. Zunächst einmal mussten wir den Scherbenhaufen, den wir vorgefunden hatten, zusammenkehren. Es war klar, dass wir mit einer sehr jungen Mannschaft antreten müssen, weil es schwer werden würde, Spielerinnen von auswärts zu bekommen. Aber ich glaube, wir haben das ganz gut hinbekommen. Mit Da Jonee Hale und Eva Marschall haben wir nur zwei Spielerinnen im Kader, die über 20 Jahre alt sind. Alle anderen sind zwischen 17 und 19. Die Mädels verstehen sich alle untereinander sehr gut, und wir haben auch schon eine klare Struktur in der Mannschaft."

Ist die Mannschaft gerüstet für den Saisonstart?

Die Vorbereitung war schwierig.Wir konnten wegen Corona anfangs nur individuell trainieren, und dann hat es auch lange gedauert, bis wir den kompletten Kader zusammen hatten. Wir konnten nur in wenigen Einheiten fünf gegen fünf trainieren und nur ein Testspiel gegen Jena bestreiten. Dazu kam das Pokalspiel am vergangenen Wochenende. Das ist nicht viel.

Was sind die Ziele für diese Saison?

Wir wollen den Standort halten, sportlich wie wirtschaftlich. Natürlich sind wir auf Hilfe von Spielerinnen von außerhalb angewiesen, aber wir haben uns vorgenommen, zum Großteil mit Spielerinnen zu arbeiten, die aus der Region stammen, hier arbeiten oder studieren. Die Mädels betreiben einen großen persönlichen Aufwand, und dafür würden wir ihnen gerne etwas zurückgeben. Außerdem wollen wir den Nachwuchsspielerinnen, die von unten nachrücken, eine Perspektive bieten. Daher würden wir uns über jede Art von Unterstützung freuen."

Der Kader der DJK Bamberg

Guards Jana Barth, Julia Förner, Da Jonee Hale, Nora Hummel, Nina Kühhorn Forwards Anna Hübschmann, Eva Marschall, Kim Siebert, Sarah Spiegel, Emilia Tenbrock, Julia Volk