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Brose-Forward Christian Sengfelder in Zeiten der Corona-Krise: "Ich habe Yoga für mich entdeckt"

Der Bamberger Nationalspieler Christian Sengfelder hält sich im Rheinland fit. Das "Home Office" des 25-Jährigen steht in dessen Geburtsstadt Leverkusen. Die Corona-Krise hat auch seinen Alltag entschleunigt.
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Christian Sengfelder bei Aufwärmübungen Daniel Löb
Christian Sengfelder bei Aufwärmübungen Daniel Löb

Wenige Tage, nachdem Brose Bamberg Mitte März aufgrund der Corona-Pandemie den Trainingsbetrieb einstellen musste, kehrte Christian Sengfelder in seine Geburtsstadt Leverkusen zurück. Im Kreis der Familie hat sich der Alltag des 25 Jahre alten Basketball-Nationalspielers spürbar entschleunigt, auch wenn tägliches Training weiterhin auf dem Programm steht. Allerdings alleine im heimischen Rheinland statt mit den Teamkollegen im Trainingszentrum in Strullendorf. "Ich denke momentan nur von Tag zu Tag", sagt Sengfelder. Die Corona-Krise lasse nichts anderes zu.

Wann hatten Sie zum letzten Mal einen Basketball in der Hand?

Christian Sengfelder: Vor zwei Tagen. Wir haben einen Korb bei uns im Hof am Rand des Gartens hängen. Dort versuche ich, meine ganzen Ballhandling-Übungen zu machen. Die versuche ich, fünfmal in der Woche durchzuziehen. Außerdem hat mir Individualtrainer Stefan Weissenböck ein Video geschickt mit Trockenübungen, die ich machen soll. Natürlich sind das keine Wurfdrills, aber ich versuche halt, das Beste aus der Situation zu machen. 40 Minuten dauert das Ganze, auch wenn es manchmal von den Temperaturen her nicht wirklich angenehm ist.

Wie halten Sie sich außerdem fit?

Täglich stehen 45 Minuten Yoga auf dem Programm, dazu habe ich online ein Video gefunden. Dann folgen eine Stunde lang Beweglichkeitsübungen. Jeden Tag mache ich zudem 200 Liegestützen, danach geht es dann zum Laufen oder ich mache Seilspringen.

Wie sieht Ihr typischer Tagesablauf aus?

Nach dem Aufstehen gibt es ein kleines Frühstück, dann folgt das Basketball- und Sportprogramm. Das dauert ungefähr drei Stunden. Außerdem lese ich viel, schaue Netflix und quatsche mit der Familie.

Haben Sie nun Zeit für andere Hobbys?

Ich habe Yoga für mich entdeckt, das macht mir großen Spaß. Ansonsten verbringe ich viel Zeit mit der Familie, das kommt ja sonst viel zu kurz. Außerdem mag ich es zu kochen, da wechseln wir uns immer ab.

Wie halten Sie Kontakt zu Ihren Teamkollegen?

Wir haben einen Teamchat, mit ein paar anderen halte ich individuell Kontakt. Mit unseren Amerikanern ist das jetzt aber schwer, weil sie ja heimgereist sind und die Zeitverschiebung hinzukommt. Mit ihnen habe ich gar nicht mehr gesprochen, seitdem sie weg sind.

Was in den USA los ist, weiß ich nur aus den Nachrichten und von meiner Freundin, die Amerikanerin ist. Sie arbeitet zwar in Deutschland, hat aber natürlich Kontakt zu ihrer Familie.

Worüber tauschen Sie sich im Teamchat aus. Über die Corona-Krise?

Ja, um dieses Thema dreht sich fast jedes Gespräch momentan.

Glauben Sie, dass die Bundesligasaison noch zu Ende gespielt wird?

Es hängt wohl viel davon ob, ob die Maßnahmen, die ergriffen worden sind - das Kontaktverbot und die Ausgangsbeschränkung - anschlagen. Aber wenn selbst die Olympischen Spiele verschoben werden, kann ich mir schwer vorstellen, dass die Basketball-Bundesliga sagt: Wir spielen trotzdem weiter. Das war schon eine Ansage des Internationalen Olympischen Komitees.

Wäre es also besser, die Saison abzubrechen?

Die Entscheidung, die Spielpause erst einmal bis zum 30. April zu verlängern, war schon clever. Man kann jetzt abwarten, wie sich die Situation bis dahin entwickelt. Wenn das Kontaktverbot zu früh aufgehoben wird, besteht die Gefahr, dass wieder ein Fass aufgemacht wird und das Ganze von vorne losgeht. Andererseits wäre es natürlich schon schön, die Saison zu Ende spielen und einen deutschen Meister krönen zu können.

Durch die Verschiebung der Olympischen Spiele bestünde ja auch die Möglichkeit, bis in den Juli oder gar August hinein zuspielen.

Zeitlich besteht die Möglichkeit auf jeden Fall, aber jetzt schon daran zu denken, was im Sommer sein könnte, ist für mich verschwendete Energie. Denn momentan weiß keiner, wie es weitergeht. Daher denke ich momentan nur von Tag zu Tag und versuche, mich fit zu halten.

Was halten Sie von Geisterspielen?

Das stelle ich mir sehr schwer vor. Die Fans spielen eine tragende Rolle im Basketball, sie bringen richtig Stimmung in die Hallen rein. Abgesehen davon würden allen Vereinen trotz anfallender Kosten durch den Spielbetrieb Einnahmen entgehen, auf die sie angewiesen sind.

Wie viel Vorbereitungszeit bräuchten Sie mit dem Team, um die Saison fortzusetzen?

Zehn Tage wären schon sinnvoll, aber egal, wie lange wir trainieren könnten, die Bedingungen wären ja für alle Mannschaften gleich.

Gleiche Bedingungen würden aber wohl nicht mehr beim spielenden Personal gelten. Einige Vereine wie Bayreuth und Gießen haben die Verträge mit ihren US-Profis aufgelöst.

Ich denke, dass alle Amerikaner, die noch einen gültigen Vertrag besitzen, zu ihren Vereinen zurückkehren werden. Bei unseren Spielern gehe ich auf jeden Fall fest davon aus. Dass Spieler, deren Verträge aufgelöst wurden, für einen Monat einen neuen unterschreiben, halte ich für schwierig.

Die Corona-Krise hat alle Klubs in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Von Kurzarbeit und Gehaltsverzicht ist vielerorts die Rede. Ist das bei Brose Bamberg ein Thema?

Ganz aktuell gab es eine Einladung zu einem Gespräch Ende dieser Woche. Ich habe gelesen, dass die Ulmer Spieler, Trainer und alle anderen Mitarbeiter einen Gehaltsverzicht akzeptiert haben. Was bei uns in Planung ist, weiß ich aber noch nicht.

Das Gespräch führte Peter Seidel.

Lesen Sie auch: Fußballprofi Niklas Dorsch spricht über seinen Corona-Alltag

Profis allein Zu hause (2)

Fünf Fragen an Basketballprofi Christian Sengfelder in Zeiten der Corona-Krise.

Mein Lieblingsplatz ist gerade:

Der Gartenstuhl.

Ohne mein Handy würde ich:

Mich doch sehr langweilen, denke ich.

Wenn die Corona-Beschränkungen weg sind, werde ich als Erstes:

Wahrscheinlich in die Halle gehen. Oder in den Kraftraum. Eines von beiden.

Diesen Film sollte jeder gesehen haben:

The Lion King habe ich letztens erst geguckt, also die Neuverfilmung.

Jeden Tag für mich ein Muss ist:

Einen Kaffee mit der Familie zu trinken.