Vom Kinderwagen, Windeln und Babybrei über Sport- und Musikunterricht bis hin zur Klassenfahrt: Kinder sind uns besonders lieb - allerdings auch ganz schön teuer. Im Laufe der Jahre kostet uns der Nachwuchs eine Menge Geld. Wohl weitaus mehr, als viele Eltern erwarten. Und die Statistiken zeigen, dass es keineswegs billiger geworden ist. Ganz im Gegenteil: 1998 waren die Ausgaben für den Nachwuchs noch um rund zehn Prozent geringer.

Da ist es für viele Eltern eine freudige Nachricht, dass das Kindergeld zum 1. August 2015 erhöht wird. 188 Euro beträgt der neue Kindergeldsatz nach dem Beschluss der Bundesregierung. Rechnet man die Leistungen für 18 Jahre zusammen, kommt da eine durchaus beachtliche Summe zusammen: Etwas mehr als 40.000 Euro werden den Eltern von der Familienkasse überwiesen.

Mehr Kinder, weniger Kosten
Die Summe relativiert sich allerdings ziemlich schnell, wenn man sie mit den realen Ausgaben vergleicht. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes kostet ein Kind knapp 6000 Euro im Jahr - bis es sechs Jahre alt ist. Zwischen sechs und zwölf Jahren sind es dann circa 7000 Euro und bis zur Volljährigkeit etwa 8500 Euro im Jahr. Insgesamt kommt das Statistische Bundesamt auf knapp 120 000 Euro je Kind - wohlgemerkt ohne die Vorsorge- und Versicherungskosten und auch ohne die später anstehenden Kosten für ein elternfinanziertes Studium.

Für alle Paare, die Nachwuchs planen, hat das Statistische Bundesamt aber auch eine erfreuliche Nachricht parat: Je mehr Kinder in einem Haushalt leben, desto geringer sind die durchschnittlichen Kosten für das Kind. Die Erklärung dafür ist recht simpel: Zumindest ein Teil der Grundausstattung muss nur für das erste Kind angeschafft werden.

Viele kommen bei diesen Zahlen ins Grübeln. Insbesondere einkommensschwache Paare können die finanzielle Belastung kaum stemmen und entscheiden sich gegen ein Kind. Im Gegenzug kommt für andere Paare eine Kosten-Kalkulation im Vorfeld nicht infrage. Sie empfinden die Zeit mit ihren Kindern als viel wertvoller als die auf sie zukommenden Kosten. Der Nachwuchs ist für sie ein unbezahlbarer Impuls, der die Lebenszufriedenheit steigert.

Dementsprechend gehen die Meinungen beim Thema Kindergelderhöhung stark auseinander. Auch auf dem Internetportal von infranken.de wurde in den letzten Wochen intensiv darüber diskutiert. Dabei wurde die monatliche Erhöhung von vier Euro teilweise belächelt und kritisch gesehen. "Eine Frechheit! Die Kosten für den ganzen Aufwand stehen dazu nicht im Verhältnis", schreibt ein Vater. Eine Mutter sieht das ähnlich. "Die vier Euro hätten sie sich sparen können! Genau deswegen möchte ich kein zweites Kind, weil es schon schwierig ist, ein Kind groß zu ziehen."

Die kritischen Kommentare hielten sich aber in Grenzen. Viele befürworten die Erhöhung. Unter anderem schreibt ein Nutzer: "Wer sich aufgrund des Kindergeldes entscheidet, ein Kind in die Welt zu setzen, hat irgendwas nicht verstanden". Eine andere Leserin ergänzt: "Der Staat ist nicht dafür verantwortlich, die Lebensplanung zu finanzieren. Ein Zuschuss, gerade für Geringverdiener, ist vollkommen okay. Wer erwartet, dass das Kindergeld reichen soll um ein Kind zu ernähren, der erwartet zu viel."

Eine Mutter, deren Kinder bereits erwachsen sind, gibt zudem zu bedenken: "Wer sich Kinder anschafft, sollte zufrieden sein, dass es überhaupt etwas gibt. Ich habe erst nach einiger Zeit 50 Deutsche Mark bekommen und nein, es war damals nicht alles besser oder billiger. Wir waren nur zufriedener und hatten noch nicht das Anspruchsdenken von heute."

Angemessenes Taschengeld
Übrigens: Den Kosten für die Kinder entziehen können sich Eltern nicht. Der Nachwuchs hat zwar keinen Anspruch auf Teilhabe am Luxus, aber er muss angemessen versorgt werden. Das bedeutet nicht, dass man das beste Handy und die teuerste Kleidung kaufen muss. Ein angemessenes Taschengeld sollte es aber in jedem Fall sein.


Deutschland mit niedrigster Geburtenrate weltweit
In Deutschland, so eine Studie des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), betrug in den Jahren 2009 bis 2013 die sogenannte Bruttogeburtenziffer 8,28 Geburten je 1000 Einwohner. Damit hat Deutschland die niedrigste Geburtenrate weltweit. Renate Köcher vom Meinungsforschungsinstitut Allensbach ist überzeugt, dass Frauen hierzulande mehr Lust auf Kinder hätten, "wenn da nicht immer so scharfkantig getrennt würde" zwischen der Mutterrolle und dem Erwerbsleben. Sie findet, die Deutschen sollten sich an der unverkrampften Herangehensweise der Franzosen ein Vorbild nehmen. Dort bedeute Elternschaft einfach nur: "Da sitzt noch einer mit am Tisch und der macht Spaß."

Die anderen großen EU-Länder haben dagegen deutlich höhere Geburtenraten. Frankreich und Großbritannien kommen beispielsweise im gleichen Zeitraum auf durchschnittlich 12,7 Geburten je 1000 Einwohner. Die höchsten Geburtenraten weisen die afrikanischen Länder auf, allen voran der Niger mit 50 Geburten je 1000 Einwohner.