• Schlüsselfeld: Geldautomat der Raiffeisenbank gesprengt - hohe Summe erbeutet
  • Franken wird zum Banken-Bomber-Hotspot: Mehr als zehn Fälle seit Anfang 2020
  • Täter konnten trotz aufwendiger Fahndungen nie erwischt werden 
  • Auffallende Ähnlichkeit: Diese Details machen stutzig - steckt Bande dahinter?

In Schlüsselfeld (Landkreis Bamberg) wurde am frühen Montagmorgen (11. Oktober 2021) ein Bankautomat der örtlichen Raiffeisenbank von Unbekannten gesprengt. Die gesamte Aktion dauerte laut eines Zeugen nur wenige Minuten, die Täter konnten schließlich mit einem Fluchtfahrzeug in unmittelbarer Nähe entkommen. Obwohl die Polizei "sofort umfangreiche Fahndungsmaßnahmen" einleitete, wie es in einem Bericht heißt, fehlt von den Automaten-Sprengern weiterhin jede Spur. Auffällig: Innerhalb von weniger als zwei Jahren gab es in Franken bereits mehr als zehn solcher Vorfälle - viele davon ähneln sich erschreckend. 

Geldautomaten-Sprengungen: Franken wird "Hotspot" - eine Auswahl 

Issigau (Landkreis Hof), 01. Mai 2020

Am frühen Freitagmorgen des 01. Mai 2020 sprengen Unbekannte einen Geldautomaten von VR-Bank und Sparkasse  im Rathausgebäude in Issigau. Die Polizei leitet eine großangelegte Fahndung mit zahlreichen Streifenbesatzungen und einem Hubschrauber ein. Ohne Erfolg: Die Unbekannten können fliehen - laut Polizei fahren sie mit einem dunklen Audi A6 Kombi in Richtung Naila, Ortsteil Hölle, davon. 

Ebensfeld (Landkreis Lichtenfels), 17. Juni 2020

Es passiert in der Nacht zu Mittwoch, dem 17. Juni 2020, gegen 2.45 Uhr. Mehrere vermummte Männer sprengen zwei Geldautomaten in der VR-Bank an der Hauptstraße des Ortes. Eine Familie, die im gegenüberliegenden Haus wohnt, filmt die Tat und verständigt die Polizei. Doch die Einsatzkräfte kommen zu spät. Die Täter können mit einem dunklen Audi in Richtung eines Kreisverkehrs fliehen. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass die Männer auf der A73 in Richtung Nordosten getürmt sind. Gefasst wurden konnten sie bis heute nicht, die schwer beschädigte Filiale ist noch immer geschlossen. Mehrere zehntausend Euro haben die Kriminellen aus der Bank getragen. Das Auto-Kennzeichen, so die Vermutung: GM (Gummersbach, NRW)

Zapfendorf (Landkreis Bamberg), 4. November 2020

Um 3.40 Uhr explodiert in einer Mittwochnacht Anfang November 2020 in der Zapfendorfer Bahnhofsstraße ein Geldautomat. Ziel des Anschlags: eine Filiale der Raiffeisenbank. Die Unbekannten erbeuten über 100.000 Euro und entkommen dann mit einem - laut Polizei - "dunklen Kombi". Auch hier sollen sie auf die A73 geflohen sein, bis heute konnten die Kriminellen trotz Zeugenbefragungen nicht geschnappt werden. 

Heroldsberg (Landkreis Erlangen-Höchstadt), 16. Dezember 2020

Mehrere Menschen aus der Anwohnerschaft rufen kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres die Polizei, weil sie gegen 03.15 Uhr von einem lauten Knallgeräusch aufwachen. Die Polizei stellt vor Ort fest: Unbekannte haben einen Geldautomaten der SB-Filiale der Raiffeisenbank an der Hauptstraße gesprengt. Ermittlungen ergeben kurz danach, dass die Kriminellen mit einem dunklen Audi geflohen waren, dessen Kennzeichen aus Neuwied in Rheinland-Pfalz stammte. 

Hilpoltstein (Landkreis Forchheim), 28. Dezember 2020

"Zwischen den Jahren" soll es Unglück bringen, seine Wäsche zu waschen. Doch vor dem Jahreswechsel wird die Gemeinde Hilpoltstein von einem anderen Horror-Szenario heimgesucht. Um 3.03 Uhr ereignet sich in der Filiale der Raiffeisenbank eine folgenschwere Explosion, bei der ein Sachschaden von mindestens 200.000 Euro entsteht. Unbekannte leiten Gas in den Geldautomaten, zünden dann das Gas-Luft-Gemisch aus der Ferne an und entwenden Bargeld im mittleren fünfstelligen Eurobereich entwendet. Nach der Sprengung entkommen sie mit einem Auto in Richtung Obertrubach, wie es im anschließenden Polizeibericht heißt. 

Allersberg (Landkreis Roth), 26. März 2021

Gegen 02.30 am 26. März 2021 knallt es am Marktplatz in Allersberg heftig. In der Filiale der Raiffeisenbank sprengen Unbekannte einen Geldautomaten. Trotz Hubschraubereinsatzes entkommen die Kriminellen in einem "dunklen Kombi", der laut Polizei vermutlich von der Marke Audi oder BMW ist. 

Kemmern (Landkreis Bamberg), 01, Juni 2021

In Kemmern (Landkreis Bamberg) sprengen drei maskierte Unbekannte am Dienstag, 01. Juni 2021, gegen 03.30 Uhr in der Nacht einen Geldautomaten der VR-Bank in der Hauptstraße. Dabei werden sie von Menschen aus der Anwohnerschaft beobachtet, wie Polizeiermittlungen ergeben werden. Die Unbekannten flüchten in einem "hochmotorisierten, dunklen Audi" in Richtung A70. Nur wenige Stunden später entdeckt ein Mann in Kutzenberg (Landkreis Bad Staffelstein) in der Nähe des Klärwerks eine Geldkassette aus dem Automaten. Das deutet darauf hin, dass die Kriminellen sich nach dem Überfall in Richtung Nordosten bewegt hatten - Kutzenberg liegt nahe an der A73. 

Schlüsselfeld (Landkreis Bamberg), 11. Oktober 2021

Zum aktuellsten Vorfall in Schlüsselfeld sind mehr Details bekannt als in vielen der anderen vorgestellten Fälle. Durch Zeugenangaben konnte herausgefunden werden, dass es sich bei den Tätern wohl um drei Männer handelt, von denen zwei den Automaten sprengten und einer das Fluchtfahrzeug fuhr - nach Polizeiangaben mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Audi A6 in dunkler Farbe. Die vermummten Männer selbst sollen zwischen 1,70 Meter und 1,80 Meter groß sein. Doch auch hier verlief sich ihre Spur trotz schneller Fahndung bereits an der Bamberger Straße, ihre vermutete Fahrtrichtung: Nordosten. Sie konnten Bargeld im hohen fünfstelligen Eurobereich erbeuten. 

Dunkler Audi, Flucht in den Nordosten: Diese Gemeinsamkeiten sind auffällig

Die aufgeführten Automatensprengungen sind nicht die einzigen Taten dieser Art seit Jahresbeginn 2020. Seitdem wurden, wie der BR berichtet, in ganz Bayern insgesamt 33 Geldautomaten gesprengt und über zwei Millionen Euro ergaunert. So wurden unter anderem auch in Goldbach (Landkreis Aschaffenburg), Dombühl (Landkreis Ansbach), Castell (Landkreis Kitzingen) und Mainaschaff (Landkreis Aschaffenburg) Automaten gesprengt. 

Doch die hier detailliert beschriebenen Taten weisen besonders auffällige Gemeinsamkeiten auf: Beobachtende haben das Fluchtfahrzeug in fast allen Fällen als dunklen Kombi identifiziert, mehrfach wird von einem Audi A6 berichtet. Bei allen Taten sind zudem Filialen der Volksbanken Raiffeisenbanken betroffen. Die Unbekannten kommen häufig zu dritt, mehrere Beschreibungen sprechen von einer Männergruppe, welche innerhalb kürzester Zeit den Automaten sprengt, die Beute sammelt und dann flieht.

Der dunkle Kombi steht dabei stets ganz in der Nähe des Tatorts. Weil sich diese meist ganz in der Nähe einer Autobahnauffahrt befindet, sind die Kriminellen schon spurlos verschwunden, wenn die Polizei eintrifft. In mehreren Fällen gehen die Ermittlungsbehörden zudem davon aus, dass die Unbekannten über die A73 in Richtung Nordosten verschwunden sind. 

Wer sind die ominösen Geldautomaten-Sprenger? Behörden sehen "Schwerpunkt"

Handelt es sich also um eine professionelle Bande, vielleicht sogar immer um die gleichen Täter? Der Geschäftsleiter der Vereinigten Raiffeisenbanken Gräfenberg-Forchheim-Eschenau-Heroldsberg eG hatte nach der Sprengung in Hilpoltstein einen ähnlichen Verdacht. Im Gespräch mit inFranken.de sagte er damals: "Das sind absolute Profis". Von den Fahndungserfolgen im nördlichen Deutschland wisse Benecke, dass es sich um eine aus den Niederlanden agierende Gruppe handele.

Beim Polizeipräsidium Oberfranken heißt es, man ermittle derzeit "in alle Richtungen". Die Unbekannten zu fassen sei deshalb "sehr, sehr schwierig, weil es unzählige Geldautomaten gibt und es kaum absehbar ist, wann wo jemand zuschlägt", so eine Sprecherin. "Die Täter handeln sehr schnell und haben Fluchtfahrzeuge." Ob die Kriminellen ihre Fahrzeuge wechseln, könne man nicht sagen. "Ausgebrannte Fahrzeuge haben wir aber noch nicht entdeckt."

Welche Taktik die Polizei nach Bekanntwerden einer Sprengung zur Ergreifung der Personen fährt, dazu hält man sich bedeckt. Die Polizeistationen - auch entlang der offenbar beliebten Routen - "kommunizieren aber natürlich miteinander". Auf Landesebene sehen die Behörden Franken mittlerweile aber als "Schwerpunkt" der Geldautomaten-Sprengungen, wie aus einem BR-Bericht hervorgeht. Eine "einzelne Tätergruppe" habe man aber noch nicht "isolieren" können. 

Auch spannend: Heldentat nach Unfall - 23-Jähriger rettet Autofahrer das Leben