Bamberg
Prognose

Das Wetter fährt Achterbahn

Nach einem kurzen Intermezzo mit kühler Luft und Regen dürfte es in der kommenden Woche wieder heiß werden. Wie lange die Hitze bleibt, ist offen.
Foto: dpa
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Die Wetterdienste sind sich so einig wie selten: Der Sommer kommt am Wochenende zurück. Eine Prognose, die verkehrt ist, denn "weg" war der Sommer ja gar nicht. Die paar Tage mit kühlem Wind und Regen entsprechen ziemlich genau dem, was man hierzulande gar nicht mehr gewohnt ist: einem durchschnittlichen mitteleuropäischen Allerweltssommer.
Der sah früher meist so aus, wie man aus den Aufzeichnungen der Wetterstation Nürnberg ablesen kann: Vor 50 Jahren, 1967, stöhnte Franken vermutlich unter der Hitze, wenn das Thermometer für ein, zwei Tage über die 30-Grad-Marke kletterte. 1977 sah der Sommer noch trüber aus: Um den 10. Juli hatte es mal 32 Grad, danach gingen die Temperaturen auf Talfahrt. Am 22. August wurden 16 Grad aufgezeichnet - als Höchstwert des Tages wohlgemerkt! Und auch 1987 erinnerte der Sommer in Nürnberg mehr an den Herbst; von Mitte Juli bis Mitte August wurde kaum einmal die 20-Grad-Marke überschritten.


Altbekanntes Auf und Ab

1997 sorgte der Juli mit einem Auf und Ab bei den Temperaturen (zwischen 16 und 26 Grad) und reichlich Regen wenigstens für Abwechslung. Der August entschädigte mit reichlich Sonne und immerhin einigen Tagen mit Werten nahe oder über 30 Grad. 2007 war dann dem Sommer 2017 ähnlich: Spitzenwerte um 36 Grad im Juli, danach Achterbahnwetter mit zeitweilig nur 15 und dann wieder 30 Grad (www.wetteronline.de).
Wie geht es weiter mit dem Sommer? Aktuell spricht vieles dafür - nicht nur wegen der Siebenschläfer-Regel -, dass die kommenden Wochen von wechselhaftem Wetter geprägt sein werden, wobei es in Deutschland eine Zweiteilung geben dürfte: Der Norden ist wechselhaft und eher kühl mit Höchstwerten nicht allzu weit über 20 Grad, im Süden bleibt es wechselhaft, aber warm bis heiß.
Die kühle Phase in Franken geht jedenfalls schnell zu Ende, da sind die Wettermodelle eindeutig. Die Talsohle dürfte heute erreicht werden: Ein Sturmtief zieht durch Franken, sagt Stefan Ochs aus Herzogenaurach, der eine Wetterseite betreibt (www.wetterochs.de).


Zum Glück kein Reif ...

Dieser Tiefpunkt deckt sich sogar mit den Langzeit-Vorhersagen des Hundertjährigen Kalenders, allerdings auf anderem Temperaturniveau: Reif, wie von Abt Mauritius Knauer in Klosterlangheim erwartet, ist heuer nicht in Sicht ...
Der Blick auf die europäische Karte belegt, warum Deutschland im Sommer 2017 zwischen den Stühlen sitzt: Sowohl im Norden als auch im Westen Europas ist der Sommer unterkühlt: Oslo und Helsinki haben am Dienstag 19 Grad gemeldet, auf den Britischen Inseln war es mit 16 (Dublin) und 18 Grad (London) noch kühler.
Süd- und Südosteuropa stöhnen weiter unter der Hitze, auch wenn sie sich abgeschwächt hat. In Madrid wurden gestern 34 Grad gemessen, Athen, Bukarest und Sofia melden 35 Grad. Welche dieser Luftmassen für unser Wetter angezapft wird, hängt von der Lage der Hoch- und Tiefdruckgebiete ab. Und da hat sich das Muster eingespielt - es gibt kein beständiges Sommerhoch über Deutschland, stattdessen ein Wechselspiel aus hohem und tiefem Luftdruck; und damit mal heiße Luft aus dem Süden und mal kühle Luft aus dem Nordwesten. Und beim Übergang Donnerwetter.
Der Achterbahn-Sommer ist in Franken 2017 sogar im kleinen Maßstab unübersehbar. Nicht nur die Landwirte haben sich über den Regen der letzten Wochen gefreut, der die Trockenheit etwas gelindert hat. Aber eben nicht überall.


108 Liter in drei Tagen

So fielen nach den Daten des Landesamt für Umwelt (LfU) in Bad Kissingen am 9., 10. und 11. Juli in der Summe 108 Liter Regen - beinahe so viel wie sonst in zwei Monaten. In Bamberg dagegen blieben an diesen drei Tagen nur 0,6 und 1,2 und 11,1 Liter im Messbecher.
In drei Wochen beginnen die Sommerferien. Ob sich die Wetterlage bis dahin sommerlich stabilisiert, bildet kein Langfrist-Wettermodell ab. Da der Siebenschläfer heuer zielsicher war, sollten es die Hundstage eigentlich auch sein: die heißesten Tage des Jahres zwischen 23. Juli und 23. August. Und es sind ja noch die 34 Grad vom 22. Juni (in Bamberg) zu schlagen!