Große und kleine Geldfälscher beschäftigen derzeit die Bamberger Justiz. Freilich nicht solche, die am heimischen Drucker der Hochsicherheits-Druckerei in Leipzig Konkurrenz machen. Vielmehr geht es um Blüten-Bestellungen im Darknet, die dann in Umlauf kommen - oder auch nicht. Am Landgericht wird noch gegen einen 24-jährigen Außendienstmitarbeiter aus dem Landkreis Forchheim verhandelt. Am Amtsgericht ist der Prozess für einen 20-jährigen Azubi aus Bamberg dagegen schon zu Ende.

Roman K. (Name geändert) verdient nicht schlecht. 2000 Euro netto im Monat ganz für sich allein. Und doch reicht dem jungen Mann aus dem Landkreis Forchheim das Geld nicht. Vielleicht ließe sich der Autokredit ja schneller tilgen - oder gleich ein auffälligeres Fahrzeug beschaffen ... Das würde seine Kundschaft sicher beeindrucken. Weil Arbeit aber nicht reich macht, sondern nur müde, kommt Roman K. im Februar 2019 auf eine in seinen Augen geniale Idee. Im "dunklen Internet", dem Darknet, bestellt er Falschgeld. Insgesamt kommen fast 10 000 Euro mit der Post aus den Niederlanden direkt nach Hause. Gezahlt wird auf der Online-Plattform "Dream Market" in der virtuellen Währung Bitcoin.

Nur einmal macht ihm der Zoll in Köln einen Strich durch die Rechnung und zieht eine Sendung mit dreißig falschen Fünfzigern aus dem Verkehr. Daraus werden später die Ermittlungen der Zentralstelle Cybercrime Bayern resultieren, die bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelt ist und in allen ähnlichen Fällen Anklage erhebt.

Empfindliche Strafe

Zuerst testet Roman K. im Kleinen, wie sein Falschgeld ankommt. In zwei Bäckereien und einem Döner-Imbiss schöpft niemand Verdacht. Erst beim Chinesen wird man an der Kasse misstrauisch. Dennoch wagt sich der Betrüger an einen größeren Coup. In den Ebay-Kleinanzeigen findet er einen Mann aus dem Landkreis Roth, der einen Krüger-Rand verkaufen möchte. Unter den fast 1200 Euro Bargeld, die die Goldmünze aus Südafrika kosten soll, sind nur zwei echte Banknoten - beides Fünf Euro-Scheine.

Neben einer empfindlichen Freiheitsstrafe, die Staatsanwältin Simone Müller im Auge hat, bleibt auch der finanzielle Schaden. Denn immerhin hat Roman K. mit etwa 3500 Euro echtem Geld das Falschgeld gekauft. Zudem wird er bei einer Verurteilung auch die Gerichts- und Anwaltskosten zu tragen haben. Wenn er hinter Gitter muss, dürfte auch sein Job verloren gehen.

Im Vergleich dazu ist Jerome (Name geändert) ein kleiner Fisch. Mit seinem Fall am Amtsgericht befasst sich nur ein einzelner Richter: Jugendrichter Fahr. Denn Jerome ist gerade einmal 20 Jahre jung und ein Auszubildender aus Bamberg mit Hang zu Betäubungsmitteln. Das zeigt ein früheres Verfahren an gleicher Stelle. Ob er die 600 Euro Falschgeld für das Rauschgift gebraucht hat oder ob er damit tatsächlich ein Musikvideo finanzieren wollte, das bleibt während der kurzen Verhandlung in der Schwebe. Jedenfalls gibt er zu, im Juli 2019 für 300 Euro im Darknet die Blüten bestellt zu haben. "Ich wollte das mal ausprobieren".

Polizei vorgewarnt

Wie schon der Online-Marktplatz namens "Berlusconi" nahelegt, kommt das Päckchen wenige Tage später mit der Post aus Italien. Dort und in den Niederlanden sitzen laut Europol die Falschmünzer, deren Produkte von den Originalen nur sehr schwer zu unterscheiden sind. Dumm nur für Jerome, dass die Carabinieri ihre deutschen Polizei-Kollegen vorgewarnt haben. Das erspart dem Azubi allerdings noch mehr Ärger. Denn zum Ausgeben der Scheine ist er gar nicht erst gekommen. Das hindert Jugendrichter Fahr allerdings nicht, einen zweiwöchigen Dauerarrest zu verhängen. Eine Geldauflage oder Sozialstunden reichen seiner Ansicht nicht mehr aus, um erzieherisch auf den jungen Mann einzuwirken. Zudem darf Jerome ein Jahr lang keine Drogen konsumieren. Das wird mit Haar- und Urinproben auch überprüft.