Die Energiewende geht voran, das zeigen auch Daten für das Umspannwerk Fuchsstadt: Im ersten Halbjahr 2022 gab es dort an 158 Tagen zeitweise mehr Energie, als vor Ort verbraucht wurde, es wurde also Strom ins Netz eingespeist. Im gleichen Zeitraum 2021 waren es laut der Bayernwerk Netz GmbH rund 135 Tage. Damit hat sich die Zahl der Rückspeisetage alleine von 2021 auf 2022 um 17 Prozent erhöht. Immer mehr Wind-, Solar- und Biomasseenergie wird auf dem Land erzeugt, dafür muss auch das deutsche Stromnetz fit gemacht werden. Im Großen geschieht dies durch Leitungsprojekte wie "Südlink", im Kleinen müssen Umspannwerke umgebaut werden. Alleine in Fuchsstadt investiert der Betreiber Bayernwerk Netz aktuell acht Millionen Euro. Los ging es im Mai 2021, in rund einem Jahr soll alles fertig sein.

Vier Windparks angeschlossen

Direkt an das Umspannwerk Fuchsstadt angeschlossen sind eine Photovoltaikanlage in Thüngen sowie die Windparks in Hammelburg, Fuchsstadt, Sulzthal und Elfershausen mit einer Maximalleistung von insgesamt rund 51 Megawatt. Als Verbraucher hängen die Stadt Hammelburg mit allen Stadtteilen, Fuchsstadt, Wolfsmünster, Oberthulba, Aura und Elfershausen an der Anlage. Dafür laufen jede Menge 20-Kilovolt-Leitungen auf dem Gelände ein. Das Umspannwerk ist wiederum über zwei 110-Kilovolt-Leitungen mit anderen Werken verknüpft: Über die Leitung 139 mit Eltingshausen und über die Leitung 137 mit Lohr. Die bisherige Direktverbindung zwischen Eltingshausen und Lohr werde nach dem Umbau gekappt, berichtet Projektleiter Matthias Behringer von der Bayernwerk Netz GmbH.

Um die erneuerbaren Energien aufnehmen zu können, wurde vor kurzem ein zusätzlicher 80-Megawatt-Transformator aufgestellt. "Der ist ausschließlich für die Einspeisung", erklärt Behringer. In Betrieb ist der Trafo allerdings noch nicht. Derzeit werden zwei komplett neue Leitungsfelder gebaut, zudem müssen die bestehenden beiden 40-Megawatt-Trafos noch versetzt werden. Jeder davon wiege rund 80 Tonnen, gelagert sind die Trafos auf Bahnschienen. Sie werden auf Tieflader gerollt und dann auf neuen Podesten platziert.

Leitungsnetz kommt an seine Grenzen

In Fuchsstadt ergebe sich die weitere Einspeisemöglichkeit aus der Differenz zwischen den bisherigen Einspeisungen und der Kapazität des Trafos: Rund 25 Megawatt könne das Umspannwerk noch aufnehmen, bestätigt Behringer auf Nachfrage. Allerdings seien bereits zwei weitere Anlagen zur Stromerzeugung angemeldet. Das Umspannwerk sei also schon bald wieder "ausgereizt", und: "Mehr geht auch mit dem bestehenden Leitungsnetz nicht." Eine generelle Aussage zu freien Kapazitäten im Verteilnetz im Landkreis Bad Kissingen lehnt Bayernwerk auf Nachfrage ab und verweist auf wirtschaftliche Interessen und gesetzliche Auflagen zur Diskriminierungsfreiheit. Auf alle Fälle erhalte aber jeder Betreiber einen Netzverknüpfungspunkt: "Der Netzbetreiber ist gesetzlich verpflichtet, Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien unverzüglich vorrangig an der Stelle an das Netz anzuschließen (...), die im Hinblick auf die Spannungsebene geeignet ist, und die in der Luftlinie kürzeste Entfernung zum Standort der Anlage aufweist, wenn nicht ein anderes Netz einen technisch und wirtschaftlich günstigeren Verknüpfungspunkt aufweist", betont die Bayernwerk Netz GmbH. Seit dem vergangenen Jahr steige die Zahl an Anfragen sowohl bei Erzeugungs- als auch Bezugsanlagen wie etwa Lade-Infrastruktur für Elektromobilität. Ein Problem dabei: "Durch die zunehmenden Leistungsreservierungen nehmen die freien Kapazitäten im Netz ab (ohne dass die Anlagen zwingend gebaut werden) und die Ermittlung gesamtwirtschaftlich optimaler Netzverknüpfungspunkte wird zunehmend aufwendiger."

Vom Umbau des Umspannwerks Fuchsstadt merkt der Stromkunde voraussichtlich gar nichts: "Bisher waren nur Teil-Abschaltungen notwendig, ich hoffe, dass wir auch komplett ohne Voll-Abschaltung auskommen", sagt Matthias Werner von der Bayernwerk Netz GmbH, der die Baustelle betreut. "Baulich sind wir schon ziemlich weit", fasst er den Sachstand zusammen: Bereits vor dem Winter war das neue Betriebsgebäude eingedeckt, sämtliche Nebengebäude und Ständer für die Leitungsfelder stehen. Demnächst sollen noch die Zufahrten angelegt werden: Das rund 10.500 Quadratmeter große Gelände westlich von Fuchsstadt werde in zwei Bereiche unterteilt: Ein Materiallager und das eigentliche Umspannwerk. Durch eine bauliche Trennung könne das Materiallager in Zukunft mit geringeren Anforderungen an den Arbeitsschutz betreten werden.

Langfristige Planung

Die langfristige Planung der Baustelle hat laut Matthias Werner auch dazu geführt, dass es bisher keine Kostensteigerungen oder Lieferprobleme gab. Der Stahl für die Leitungsfelder in mehreren Metern Höhe sei schon lange geliefert und eingebaut, die meisten Kabel liegen zwar noch nicht in Fuchsstadt, seien aber in einem bewachten Werk der Bayernwerk Netz reserviert. "Das wurde alles noch vor der großen Welle eingekauft", sagt Projektleiter Matthias Behringer. Deshalb sei er optimistisch, dass die Kostenschätzung von acht Millionen Euro gehalten werden könne.

Aktuell ersetzt ein mobiles Schaltfeld am Rand des Umspannwerks die beiden Leitungsfelder. Dadurch konnte die alte Anlage komplett abgerissen und an deren Stelle die neue errichtet werden. Parallel wurden ab Ende 2021 die beiden neuen Schaltanlagen ins Betriebsgebäude eingebaut. "Was lange braucht, sind die Prüfungen", begründet Matthias Werner die scheinbare Ruhe aktuell auf der Baustelle. Während draußen Restarbeiten erledigt werden, wird drinnen jede Komponente einzeln gecheckt und die Verbindung zur Leittechnik getestet. "Das dauert mindestens drei Monate", sagt Werner. Erst danach werde die Anlage abgenommen und könne in Betrieb genommen werden.

Langfristig sollen dann alle 20-Kilovolt-Anschlüsse zentral ins neue Betriebsgebäude münden. Dazu sind auf der kompletten Anlage, unter Wegen und in die Wände Leerrohre verlegt. "Wir bereiten alles so vor, dass die Leitungsbauer dann loslegen können", berichtet Behringer. Vor allem die wertvollen Kupferleitungen würden erst kurz vor der Installation angeliefert. Die luftisolierten Sammelschienen seien die Knotenpunkte. Wenn sie unter Strom sind, gilt ein Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern. Für jede der drei Phasen ist eine dicke Schiene installiert.

Weil das Umspannwerk Fuchsstadt als systemrelevant eingestuft ist, hat es auch eine eigene Notstrom-Versorgung. Zwei große Batterien mit jeweils 200 Amperestunden Ladung im Betriebsgebäude stellen sicher, dass die Anlage auch bei einem Stromausfall mindestens zehn Stunden steuerbar bleibt. Früher seien dazu Dieselaggregate verwendet worden, die weitgehend wartungsfreien Batterien seien jedoch günstiger und hätten eine kürzere Reaktionszeit.

Erst wenn alle Anlagenteile geprüft und abgenommen seien, würden die Leitungsfelder in Betrieb genommen. Erst als allerletztes werde dann das mobile Schaltfeld abgebaut.

Fünf Umspannwerke für das 110-Kilovolt-Hochspannungsnetz betreibt die Bayernwerk Netz GmbH im Landkreis Bad Kissingen: Fuchsstadt im Südwesten, Bad Brückenau im Norden sowie Bad Kissingen, Burghausen und Eltingshausen im Osten. Zudem grenzen die Umspannwerke in Hundsbach, Geldersheim, Kleinbardorf und Brendlorenzen an den Landkreis an. An die Umspannwerke werden vor allem große Wind- und Solarparks angeschlossen, kleinere Photovoltaikanlage auf Wohnhausdächern speisen den Strom direkt ins Niederspannungsnetz ein.