Die gute Nachricht vorweg: Der fränkische Vorzeige-Rebsorte Silvaner dürfte ihren Anteil von rund 25 Prozent in den fränkischen Weinbergen mindestens halten, vielleicht sogar ausbauen. "Der Silvaner kommt gut mit mehr Sonne zurecht", sagt Winzer Thomas Lange vom Hammelburger Schlossgut.

Stefan Ruppert, Vorsitzender des Weinbauvereins Hammelburg, hat den Silvaner-Anteil auf seinen 14 Hektar sogar auf 35 Prozent gesteigert. Die bisher häufigste Sorte, der Müller-Thurgau, dagegen verschwinde immer mehr: "Bacchus und Müller-Thurgau haben ein Problem mit zu warmen Standorten, die baue ich höchstens noch auf Ostlagen an", sagt Ruppert.

Und Bio-Winzer Lange ergänzt: "Der Müller-Thurgau ist für uns Bio-Winzer auch schwierig, weil er anfälliger für Peronospera ist." Peronospera ist der falsche Mehltau, der in verregneten Sommern die Reben schädigt.

Dafür gibt es neue Sorten: "An den Riesling hat sich hier in Franken vor 30 Jahren keiner rangetraut, heute hat ihn fast jeder", sagt Ralf Baldauf vom Ramsthaler Weingut Baldauf. Der Klimawandel habe für die Winzer viele Facetten: Negativ sei, dass sich immer mehr Schädlinge immer weiter nach Norden ausbreiten.

Auf der anderen Seite sei ein wärmeres Klima ein Vorteil gerade für den Norden Mainfrankens: "Die schlechten Lagen von gestern werden die guten Lagen von morgen sein", sagt Ralf Baldauf. Früher habe der frisch gepresste Traubensaft in der Region selten ein Mostgewicht von mehr als 70 Oechsle gehabt. Mittlerweile seien Silvaner mit mehr als 90 Oechsle möglich. Wobei Baldauf einschränkt: "Das Mostgewicht ist nicht das Wichtigste." Es führe vor allem zu einem höhren Alkoholgehalt. Den wolle gar nicht jeder: "Der Trend geht aktuell eher zu leichten Weinen."

Optima und Ortega

16 Hektar Weinberge bewirtschaften die Baldaufs. "Die Frühsorten Optima und Ortega haben wir schon seit 20 Jahren nicht mehr im Betrieb", nennt Baldauf Beispiele für Rebsorten, denen der Klimawandel zusetze. Früher seien sie sehr beliebt vor allem für Federweißen gewesen, weil sie früher reif waren. Allerdings verkaufen die Baldaufs bereits seit Jahren keinen Federweißen mehr (siehe hier). Baldaufs setzen unter anderem auf Weiß- und Spätburgunder oder Merlot.

Mit einer besonderen Maßnahme hat das Ramsthaler Weingut Neder auf den Klimawandel reagiert: Zwei ihrer elfeinhalb Hektar legten die Neders im Frühjahr mit Querterrassen an. "Ob sich das wirklich lohnt, wissen wir erst in zehn Jahren", sagt Jung-Winzer Lorenz Neder. Der Hang ist so gestuft, dass nach einer Rebzeile immer ein Fahrstreifen kommt. Das erleichtert die Bearbeitung, führt aber auch dazu, dass nur halb so viele Weinstöcke auf der Fläche Platz haben. Die ersten Erfahrungen seien positiv: "Trotz der noch lockeren Erde hatten wir heuer keine Erosion."

Bepflanzt haben die Neders die neu angelegte Fläche mit Silvaner und Grauburgunder. "Das sind für uns die Sorten, die qualitativ ganz oben mitspielen", hofft Lorenz Neder auf Spitzenweine, für die Weintrinker auch höhere Preise zahlen. Ansonsten wirkt sich die Anpassung an den Klimawandel eher nicht auf den Preis aus.

Kaum Chancen für Bacchus

Auch Lorenz Neder sieht kaum noch Chancen für den Bacchus und pflanzt Müller-Thurgau höchstens noch auf Ostlagen. Stattdessen favorisiere er unter anderem den Sauvignon Blanc und ist offen für ganz neue Rebsorten: "Es gibt viele gute neue Züchtungen, auch pilzresistente Sorten, aber die sind auf dem Markt noch nicht etabliert."

"Wir halten Augen und Ohren offen und schauen uns auch in Nachbarländern um", sagt auch Thomas Lange, der Vorsitzender der Fränkischen Öko-Winzer ist. Im kommenden Jahr wolle er zum Beispiel einen Hektar im Eschental neu anpflanzen mit Donauriesling, einer pilzresistenten Kreuzung aus Riesling und anderen Sorten. "Der soll besser mit der Trockenheit zurecht kommen." Weitere Sorten für die Zukunft seien Cabernet blanc und Sauvignon Blanc.

Für Biowinzer sei auch Muscaris, eine Kreuzung aus Solaris und Gelber Muskateller interessant, weil sie resistent gegen Pilzerkrankungen sei. Dagegen dürften es die Scheurebe und vor allem der Bacchus schwer haben. "Beim Bacchus gibt es immer mehr Probleme mit Sonnenbrand, der wird auf Dauer bei uns sterben."

Auftrieb für Rotwein

Den größten Auftrieb beschert der Klimawandel im Saaletal den Rotweinen. "Niemand hätte früher hier einen Merlot angebaut", sagt Lange. Sein Winzer-Kollege Stefan Ruppert freut sich auf den Spätburgunder, eine der bekanntesten und ältesten Rebsorten überhaupt. Noch mehr als seine Kollegen setzt das Weingut Ruppert auf eine große Bandbreite: "Wir bauen aktuell 18 Sorten an", berichtet er. Allerdings seien wegen der schlechten Ernte in den vergangenen Jahren aktuell sieben davon ausverkauft. Höchste Zeit für Nachschub aus den Weinbergen: In dieser Woche soll die Lese auch im Saaletal beginnen.