Kronach
Insolvenz

Fränkischer TV-Hersteller verkauft: Skytec-Gruppe soll Loewe übernehmen

Die Firma Skytec übernimmt die Markenrechte am insolventen Kronacher TV-Hersteller Loewe. Eine letzte Entscheidung steht aber noch aus.
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Der Verkauf des Kronacher Fernsehgeräteherstellers Loewe ist unter Dach und Fach. Das gab der Insolvenzverwalter am Freitag, 13. Dezember, bekannt. Foto: D. Ebener/dpa
Der Verkauf des Kronacher Fernsehgeräteherstellers Loewe ist unter Dach und Fach. Das gab der Insolvenzverwalter am Freitag, 13. Dezember, bekannt. Foto: D. Ebener/dpa

Nun ist es fix: Die Markenrechte des insolventen Kronacher TV-Herstellers Loewe gehen an die zypriotisch-slowakische Beteiligungsfirma Skytec. Dazu habe sich der britische Finanzinvestor Riverrock "nach ausgiebigen Verhandlungen mit den vorhandenen Interessenten über die wirtschaftlichen Eckdaten und nach einem Vergleich der vorgelegten Konzepte" entschieden, teilte Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß am Freitagabend (13. Dezember 2019) mit. Denn kein Interessent sei daran interessiert gewesen, Loewe im "ursprünglichen Bestand" zu erwerben.

Zuvor hatte der Insolvenzverwalter bereits die EMS-Fertigung (Electronic Manufacturing Services) von Loewe an die Dr. Schneider-Unternehmensgruppe veräußert.

Dass der traditionsreiche fränkische Hersteller von Fernsehgeräten an Skytec verkauft wird, ist keine große Überraschung. Das Interesse des Unternehmens an Loewe ist bereits in der Woche zuvor bekannt geworden.

Das letzte Wort

Sein Unternehmen habe bereits mit Blaupunkt und Sharp bewiesen, dass es etablierte Marken wieder zu neuem Leben erwecken und sie erfolgreich am Markt positionieren kann, meint Skytec-Chef Aslan Khabliev. "Mit uns als europäischem Investor ist sichergestellt, dass Loewe nicht nur ein europäisches Unternehmen bleibt, sondern, dass es auch weiterhin dem international angesehen Prädikat ,Made in Germany‘ verbunden bleibt."

Da Riverrock seit einer Umschuldung im Jahr 2015 im Besitz der Loewe-Markenrechte ist, gaben die Briten in den Verhandlungen den Ton an und verhandelten als Hauptgläubiger selbst mit den beiden Interessenten. Neben Skytec hatte auch der chinesische Elektronikkonzern Hisense ein Angebot abgegeben.

Eigentlich bot die Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (pwc) im Auftrag des Insolvenzverwalters sowohl die Markenrechte als auch die restlichen Vermögenswerte als Gesamtpaket an. "Es war den Interessenten aber von Anfang an klar, dass Riverrock das letzte Wort haben wird", sagte ein Sprecher der Kanzlei des Insolvenzverwalters auf FT-Anfrage. Und nur wer im Besitz der Markenrechte ist, habe auch Interesse an den restlichen Vermögensgegenstände des Traditionsunternehmens.

Dabei handelt es sich vor allem um Maschinen, Werkzeuge, Mobiliar, das Rohteillager, Ersatzteile und die Fertiggeräte. "Wir haben auch noch etwas Know-how zu verkaufen, denn ein paar Patente liegen nicht bei Riverrock", so der Kanzlei-Sprecher. "Aber dabei handelt es sich nicht um 20 oder 30 Prozent der restlichen Werte, sondern wirklich nur um die letzten paar Prozente."

Um diese sei mit Skytec und Hisense auch schon verhandelt worden, während die Unternehmen noch mit Riverrock um die Namensrechte feilschten. Mit Hisense seien die Verhandlungen sogar schon so gut wie unterschriftsreif gewesen. Khabliev hingegen habe erklärt, zunächst die Marke erwerben zu wollen. Erst danach plane er, sich um Maschinen, Werkzeuge und Co. zu bemühen. "Er hat da wohl seine Prioritäten", meint der Sprecher der Kanzlei. Doch auch nach dem Verkauf der Markenrechte an Skytec geht er davon aus, dass sich der Verkauf der restlichen Loewe-Vermögenswerte nicht lange hinziehen wird. Allerdings müsse der Preis müsse stimmen. "Denn das Hauptaugenmerk für den Insolvenzverwalter ist es immer, einen bestmöglichen Erlös für die Gläubiger zu erzielen", so der Kanzlei-Sprecher.

Bereits verkauft ist neben den Markenrechten die sogenannte EMS-Fertigung, die der Neuseser Automobilzulieferer Dr. Schneider übernahm.

"Nicht rechtlich verbindlich"

Nachdem Hisense - den die bayerische Staatsregierung gerne als neuen Eigentümer gesehen hätte - detailliertere Zukunftspläne für Loewe vorstellte, legte am Montag auch Skytec nach. Kronach solle als Standort erhalten bleiben und Loewe langfristig zu einer Luxus-Marke für TV- und Audioprodukte ausgebaut werden. Sogar der Skytec-Firmensitz soll nach Kronach verlegt werden. Künftig könnte das Loewe-Logo neben TV-Geräten aber auch auf Smartphones auch auf Haushaltsgeräten wie Kühlschränken oder Waschmaschinen prangen. Mehr als 30 Beschäftigte sollen nach Skytec-Angaben für Loewe künftig in Kronach arbeiten. Eine eher bescheidene Anzahl, waren bis zur zweiten Insolvenz doch noch 400 Angestellte beschäftigt. Hisense hatte angekündigt, 100 Arbeitsplätze schaffen zu wollen.

"Rechtlich verbindlich ist das alles natürlich nicht", sagt der Kanzlei-Sprecher zu den Personal-Plänen. Er geht davon aus, dass in Kronach bestenfalls ein Teil der Produktion sein wird. "Keiner von beiden Interessenten ein Konzept präsentiert, was eine volle Produktion in Kronach vorsieht." Vielmehr sei es um die Bereiche Vertrieb, Forschung oder Service gegangen. "Aber das hat nun der Erwerber in der Hand hat und kann es machen, wie er es für richtig hält."

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