Bayreuth
Mordprozess

Urteil im Mordprozess um Tramperin Sophia - keine Revision

Nach dem Urteil im Mordfall Sophia legen alle beteiligten Parteien keine Revision ein. Der Mann hat die lebenslange Haftstrafe wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung akzeptiert. Das Urteil wird damit rechtskräftig
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Das Urteil im Fall Sophia ist gefallen. Der angeklagte Lastwagenfahrer (l) muss wegen Mordes lebenslang ins Gefängnis.  Foto: Daniel Karmann/dpa
Das Urteil im Fall Sophia ist gefallen. Der angeklagte Lastwagenfahrer (l) muss wegen Mordes lebenslang ins Gefängnis. Foto: Daniel Karmann/dpa

  • Es war Mord: Urteil im Mordfall Sophia Lösche ist gefallen
  • Landgericht Bayreuth verurteilt Lkw-Fahrer zu lebenslanger Haft
  • Verteidigung hatte auf Totschlag plädiert

Update 25. September 11.46 Uhr; Alle Beteiligten legen keine Revision ein

Die Famile von Sophia und die Staatsanwaltschaft erklärten nun gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass auch sie auf die Revision evrzichten werden. Nachdem der Angeklagte bereits am Freitag offiziell auf Rechtsmittel verzichtet hat, gab es von der Staatsanwaltschaft und der Familie als Nebenkläger zunächst keine Erklärung gegenüber des Gerichts. Das Urteil wird damit in der Nacht zum Donnerstag rechtskräftig.

Update 25. September 10.12 Uhr: Mörder legt keine Revision im Mordprozess um Tramperin Sophia ein

Im Mordprozess um die Tramperin Sophia Lösche hat der angeklagte Fernfahrer die lebenslange Haftstrafe wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung akzeptiert. Nach Ansicht seines Mandanten wäre eine Revision "geradezu ein Unding" gewesen, teilte der Verteidiger der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag mit. Das Landgericht Bayreuth hatte den 42-Jährigen vorige Woche schuldig gesprochen, die Studentin im vergangenen Jahr umgebracht zu haben.

Sophia Lösche hatte vor gut einem Jahr von Leipzig in Richtung Nürnberg trampen wollen. Von dort wollte sie nach Aussage ihres Bruders Andreas Lösche per S-Bahn zu ihrer Familie nach Amberg in der Oberpfalz fahren. Dort kam die 28-Jährige aber nie an. Ihre Leiche wurde später in einem Straßengraben in Spanien entdeckt.

Wie die Staatsanwaltschaft auf die Entscheidung reagierte, war zunächst unklar. Das Gericht war in seinem Urteil gegen den marokkanischen Fernfahrer aber dem Plädoyer der Oberstaatsanwältin gefolgt. Die Familie von Sophia erklärte schon am Tag der Urteilsverkündung, nicht dagegen vorzugehen. "Kein Urteil der Welt wird uns meine Schwester wiederbringen", sagte der Bruder Andreas Lösche damals. "Es muss irgendwann auch mal Schluss sein."

Update, 18. September 10.16 Uhr: Urteil im Mordfall Sophia Lösche gefallen

Das Landgericht Bayreuth hat ein Urteil gefällt: Wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung hat es den angeklagten Lastwagenfahrer zu lebenslanger Haft verurteilt. Der 42-Jährige wurde als schuldig erachtet, die Studentin im Juni 2018 ermordet zu haben.

Die Verteidigung hatte ein milderes Urteil gefordert und hatte auf Totschlag plädiert, das Gericht folgte jedoch mit dem Urteil den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Update 16. August, 15 Uhr: Keine Hinweise auf eine sexuelle Straftat

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft die Ansicht vertreten, der 42-jährige Fernfahrer hätte die Tramperin ermordet, um sexualisierte Gewalt zu verdecken. Nachdem Rechtsmediziner jedoch keinen Hinweis auf ein Sexualdelikt gefunden hatten, rückte die Oberstaatsanwältin in ihrem Plädoyer davon ab und forderte eine Verurteilung wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung.

Laut Anklage habe der Mann die junge Studentin mit einem Radmutterschlüssel schwer verletzt und sie zur Vertuschung der Tat dann getötet. Das "Sterben der Sophia auf Raten" spreche für eine besondere Schwere der Schuld, hatte der Anwalt der Eltern plädiert.

Der Verteidiger jedoch widersprach dieser Darstellung und plädierte für eine mehrjährige Haftstrafe wegen Totschlags.

Update am 24. Juli 2019: Freund schneller als Polizei

Im Mordfall um die erschlagene Tramperin Sophia Lösche hatte eine Freundin des Opfers nach Angaben der Ermittler schneller Kontakt zum angeklagten Fernfahrer als die Polizei. Das sagte ein leitender Ermittler am Mittwoch in dem Prozess vor dem Landgericht Bayreuth.

Der Fernfahrer habe auf die Freundin kooperativ gewirkt und angegeben, die Tramperin wie gewünscht in der Nähe von Nürnberg abgesetzt zu haben. Sophias Familie hatte wiederholt kritisiert, dass die deutsche Polizei am Anfang nicht schnell genug tätig geworden sei.

Update am 23. Juli 2019: Angeklagter legt Geständnis ab

Laut Anklage hat der 42-jährige Marokkaner die Tramperin ermordet, um eine sexuelle Straftat zu verdecken, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Der Angeklagte gab als Anlass jedoch einen Streit über einen scheinbaren Diebstahl an. Er habe Sophia mit den Schlägen nicht töten wollen.

Prozessauftakt in Bayreuth zu Mordfall an Sophia Lösche: Tathergang bleibt unklar Fest steht bisher: Die Germanistik-Studentin wollte im Juni 2018 von ihrem Studienort Leipzig in Richtung Nürnberg trampen. An einer Tankstelle an der Autobahn 9 in Sachsen nahm der Fernfahrer die Tramperin mit. Er war auf dem Rückweg nach Marokko über Frankreich und Spanien.

Irgendwann in den kommenden Stunden tötete er die junge Frau. Ihre Leiche wurde einige Tage später in Spanien gefunden. Dort wurde auch der Fernfahrer festgenommen. Das Führerhaus seines Lkws war inzwischen ausgebrannt, laut Fahrer durch einen Motorschaden.

Angeklagter bestreitet sexuellen ÜbergriffDoch wie die Tat geschah, blieb am ersten Prozesstag unklar. Die Staatsanwaltschaft hält dem Angeklagten vor, "sexuell übergriffig" geworden zu sein und sich "auf unbekannte Weise" an der Frau vergangen zu haben. Kurz bevor er die Tramperin mitnahm, habe er masturbiert und sei daher sexuell erregt gewesen. Zudem sei er am Vortag durch Voyeurismus aufgefallen.

Der Marokkaner verneinte den sexuellen Hintergrund vehement. Vielmehr habe Sophia bei einem Halt begonnen, seine Sachen zu durchwühlen - wie er vermutete mit Diebstahlabsicht. Dann habe Sophia aber deutlich gemacht, dass sie ihm den Diebstahl eines Brockens Hasch unterstelle, und ihm ins Gesicht geschlagen. Daraufhin habe er zum Eisenrohr gegriffen. Wie oft er zuschlug, wisse er nicht.

Update, 14. Juni 2019: Mordprozess - Hauptverfahren gegen Lkw-Fahrer eröffnet

Das Landgericht Bayreuth hat das Hauptverfahren um die getötete Tramperin Sophia L. eröffnet. Für den Mordprozess sind zwölf Verhandlungstermine angesetzt. Die Verhandlung dauert danach voraussichtlich vom 23.07.2019 bis 18.09.2019.

Mordfall Sophia: Das ist passiert

Am 14. Juni wollte Sophia Lösche von Leipzig nach Nürnberg trampen, um von dort weiter nach Amberg in der Oberpfalz zu reisen. Sie stieg bei Leipzig an der A9 in den Lastwagen ihres Mörders ein. Dieser hat sie am Abend des 14. Juni angegriffen und getötet. Die Tat fand nach Erkenntnissen der Ermittler wohl in Oberfranken statt.

Ihre Leiche wurde in Spanien gefunden. Dort hatte der Fernfahrer sie in einem Straßengraben abgelegt. Der Täter wurde in Spanien festgenommen und später nach Deutschland gebracht.

Familie übt Kritik an Ermittlern

Bereits früh während der Ermittlungen übte die Familie des Opfers, allen voran ihr Bruder Andreas Lösche, schwere Kritik an der Polizei. Diese hatte den Fall noch als Vermisstenfall behandelt, als laut der Kritik schon längst klar war, dass es sich um ein Gewaltverbrechen handelte.

Andreas Lösche kritisierte im August 2018 etwa in einem Interview, dass den Angehörigen "mehrere Tage der Ungewissheit" hätten erspart werden können, hätte die Polizei ihren Job richtig gemacht. Doch Andreas Lösche geht noch weiter und behauptet, dass der Mörder von Sophia wohl entwischt wäre, hätten Freunde und Angehörige nicht auf eigene Faust ermittelt.

Andreas Lösche kritisiert vor allem Verzögerungen bei den Ermittlungen, die durch Klärung der Zuständigkeit der beteiligten Staatsanwaltschaften in Leipzig und Bayreuth entstanden seien. Erst Nachforschungen der Angehörigen hätten die Polizei auf die Spur des Lkw-Fahrers geführt.

"Wir haben uns nicht ernst genommen gefühlt", meint er. Gegenüber faz.net ergänzte er, dass die Zusammenarbeit mit Leipzig "ganz schlecht" gelaufen sei. Man habe das Team von findsophia.blog sogar als "Nervensägen" gesehen. Nun fordert er: "Die Versäumnisse müssen innerhalb der Polizei aufgearbeitet werden."

Sophia Lösche - von Rechtsextremen für Hetze missbraucht

Die Familie der Ermordeten wehrte sich auch lange dagegen, dass der Fall von Sophia Lösche von rechten Demonstranten missbraucht wird. Im vergangenen Jahr wurde Sophias Bild zum Beispiel bei AfD-Demonstrationen in Chemnitz im Großformat herumgetragen, um für rechte Hetze herzuhalten.

"Wir lassen nicht zu, dass das Andenken an unsere Sophia für ausländerfeindliche Zwecke missbraucht wird. Wir stellen uns in ihrem Namen gegen die Instrumentalisierung ihrer Person für Hetze, Rassismus und Hass", erklärte der Bruder der Getöteten damals. . "Sophia ist kein Opfer von irgendeiner Einwanderungspolitik - nicht nur, weil der Tatverdächtige gar kein in Deutschland lebender Immigrant war."

Auch erreichten die Familie unter anderem Hass-E-Mails, wie Andreas Lösche nun berichtet. Diese und Äußerungen in sozialen Medien wurden von der bayerischen Zentralstelle Cybercrime in Bamberg geprüft, wie ein Sprecher bestätigt. In einem Fall sei ein Täter aus dem Raum Leipzig identifiziert worden. Das Verfahren habe jedoch wegen Schuldunfähigkeit eingestellt werden müssen.

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