Bayreuth
Mordfall Sophia

Mordfall Sophia Lösche: ZDF-Doku zeigt "Protokoll einer fehlerhafter Fahndung"

Sophia Lösche wurde 2018 von einem Lkw-Fahrer getötet. Die junge Studentin wollte von Leipzig nach Franken trampen. Der Mordfall war jetzt auch Thema in der ZDF-Sendung Frontal21 . Alle Informationen zum Fall im Überblick.
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Mordfall Sophia: Der 42-Jährige wurde im September 2019 zu lebenslanger Haft verurteilt. Foto: Daniel Karmann/dpa
Mordfall Sophia: Der 42-Jährige wurde im September 2019 zu lebenslanger Haft verurteilt. Foto: Daniel Karmann/dpa

  • Die Studentin Sophia Lösche wollte im Juni 2018 von Leipzig nach Nürnberg trampen
  • Sieben Tage später wurde in Spanien ihre Leiche gefunden
  • Im September 2019 wird ein 42-Jähriger zu lebenslänglicher Haft verurteilt
  • Alle Informationen zum Mordfall "Sopia Lösche" im Überblick bei inFranken.de

Update vom 02. Oktober 2019: Frontal21-Beitrag zum Mordfall Sophia

Frontal21 berichtete am Dienstagabend über die Fahndungsfehler der Polizei und die Instrumentalisierung der Tat durch rechte Populisten. In dem ZDF-Beitrag begaben sich die Fernsehjournalisten auf die Spuren des deutschlandweit beachteten Gewaltverbrechens. In exklusiven Interviews mit Familie und Freunden rekonstruiert der Film die Tötung der 28-Jährigen, das Verhalten der Polizei und die Instrumentalisierung durch AfD und Rechtsextreme. Der Beitrag ist noch bis 30. September 2020 in der ZDF-Mediathek verfügbar.

Update vom 30. September 2019: ZDF mit Sendung zu Mordfall Sophia Lösche

Das ZDF sendet am Dienstagabend (1. Oktober 2019) eine 45-minütige Dokumentation über die Suche nach der ermordeten Tramperin Sophia Lösche. Das Politmagazin frontal21 rekonstruierte für die Sendung "Der Mordfall Sophia. Protokoll einer fehlerhaften Fahndung" den Ablauf des Gewaltverbrechens - von der letzten Nachricht der 28-jährigen Studentin bis zur Urteilsverkündung vor dem Landgericht Bayreuth.

Informationen der Deutschen Presse-Agentur zufolge, erzählen in der Dokumentation die Familie und Freunde von verzweifelten Telefonaten, ihrer Spurensuche entlang der Autobahn und dem Gefühl, von der Polizei im Stich gelassen worden zu sein. Die Sendung ist auch eine Anklage - gegen die Arbeit der Ermittler und die Instrumentalisierung von Sophias Tod durch Rechtspopulisten.

Sophia Lösche: Eine Chronologie des Mordfalls

  • Donnerstag, 14. Juni 2018: Sophia L. will von Leipzig aus , wo sie studiert, nach Bayern trampen. Sie sucht eine Mitfahrgelegenheit nach Nürnberg, von wo aus sie in ihre Heimstadt Amberg weiterreisen will. An einer Rastsätte an der A9 bei Schkeuditz steigt Sophia L. in einen Lastwagen ein - den des verdächtigen Fahrers. Sie hat noch per SMS Kontakt mit ihren Freunden - sie schickt das Kennzeichen des Lastwagens. Dann verstummen die Lebenszeichen.
  • Freitag, 15. Juni 2018: Die Vermisstensuche nach Sophia L beginnt: Die Familie und die Freunde von Sophia, darunter ihr Bruder - Grünenpolitiker in der Region Bamberg - suchen nach der Studentin, nachdem sie nicht in Amberg angekommen ist. Vor allem in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram verbreiten sie Bilder und mehrsprachige Suchanzeigen. Parallel dazu ermittelt die Polizei und rekonstruiert die Fahrtroute des Lastwagens. Den Fahrer hat der Bruder der Vermissten bereits ausfindig gemacht. Der Trucker gibt an Sophia sei bereits bei Lauf aus seinem Lastwagen ausgestiegen.
  • Montag, 18. Juni 2018: Die Polizei startet die Öffentlichkeitsfahndung. Vier Tage nach dem Verschwinden Sophias startet die Polizei Leipzig eine Öffentlichkeitsfahndung nach der jungen Frau. Noch ist offen, was der Studentin zugestoßen ist.
  • Dienstag, 19 Juni 2018: In Spanien wird in Andalusien der 41-jährige Lastwagenfahrer, der Sophia mitgenommen hatte, festgenommen. Er war auf dem Weg nach Marokko. Seinen Lastwagen findet die Polizei in direkter Nähe des Orts der Festnahme - im Führerhaus war ein Feuer entzündet worden. Ob der Fahrer dies getan hat, um Beweise zu vertuschen, ist unklar. Berichte, dass der Trucker ein Geständnis abgelegt hat, werden von der Polizei nicht bestätigt. Die Polizei geht inzwischen von einem Gewaltverbrechen aus und startet eine Suchaktion an der A9 bei der Ausfahrt Lauf/Hersbruck. Die Beamten durchkämmen den Wald nahe der Autobahn. Kurz darauf wird auch der Bereich hinter dem Parkplatz Sperbes zwischen Plech und Hormersdorf an der A9 in Oberfranken durchsucht. Beide Aktionen bleiben ohne Erfolg.
  • Donnerstag, 21. Juni 2018: Die Polizei findet im Baskenland an einer Tankstelle an der Autobahn 1 in Asparrena eine Frauenleiche. Die unbekannte Tote wurde offenbar Opfer eines Gewaltverbrechens, befindet sich aber bereits in einem fortgeschrittenen Zustand der Verwesung. Es wird angenommen, dass der Mörder sie versucht hat, zu verbrennen. Die Ermittler stellen den Zusammenhang zur verschwundenen Sophia her und treten in Kontakt mit den deutschen Strafverfolgungsbehörden.
  • Freitag, 22. Juni 2018: Nach der Auswertung der GPS-Daten gehen die Ermittler davon aus, dass der Tatort in Oberfranken liegt. Hinweise deuten darauf hin, dass Sophia L. bei einem Halt in Oberfranken auf dem Rastplatz Sperbes an der A9 getötet worden ist. In der Folge übernehmen Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Bayreuth die Ermittlungen von ihren Leipziger Kollegen. Insgesamt ist eine 15-köpfige Ermittlungsgruppe in die Untersuchung involviert. Ermittler sind auch auf dem Weg nach Spanien, um dort vor Ort mit den spanischen Kollegen zusammenzuarbeiten. Der Verdächtige stimmt einer Auslieferung nach Deutschland zu. Der Untersuchungsrichter in Spanien hat unterdessen eine Art Nachrichtensperre verhängt. Gerichtsmediziner untersuchen die Leiche und arbeiten an einer Identifizierung. Die deutschen Ermittler senden das DNA-Profil von Sophia L. an die spanischen Behörden, um den Abgleich zu ermöglichen.
  • Samstag, 23. Juni 2018: Während die spanischen Gerichtsmediziner daran arbeiten, die Leiche zu identifizieren, wird der Lastwagen, in dem Sophia L. mitgefahren ist, weiter untersucht. Die teilweise verbrannte Fahrerkabine wird von der Spurensicherung erneut unter die Lupe genommen. Neue Erkenntnisse bringt die Untersuchung allerdings nicht. Die oberfränkischen Ermittler äußern Zweifel, dass es zu einer schnellen Identifizierung der Leichen kommen wird.
  • Montag, 25. Juni 2018: Im Fall der verschwundenen Tramperin Sophia L. sind mehrere deutsche Polizeibeamte in Spanien angekommen. Zwei Ermittler der Kriminalinspektion Bayreuth seien am späten Vormittag in Spanien gelandet, sagte ein Polizeisprecher am Montag in Bayreuth. Unterstützt wird das Team von Beamten der Leipziger Polizei. Nach dem Fund einer Frauenleiche in Nordspanien am Donnerstag steht die Identifizierung der Frau weiterhin aus. Auch zur Todesursache war am Montag zunächst nichts bekannt. In Spanien hatte der zuständige Richter eine Nachrichtensperre zu den Ermittlungen verhängt.
Am 14. Juni 2019 wurde schließlich das Hauptverfahren am Landgericht Bayreuth eröffnet: Den Verlauf vom Beginn der Gerichtsverhandlung bis zum Urteilsspruch lesen Sie im Prozess-Ticker zum Mordfall Sophia von inFranken.de.

Mordfall Sophia: Angehörige kritisieren Leipziger Polizei

In einem offenen Brief äußerte die Familie Sophia im März 2018 Kritik an den Ermittlungen der Polizei: Vor allem Sophias Bruder, Andreas Lösche trat dabei wiederholt in der Öffentlichkeit: Was ihm an der Arbeit der Ermittler aufstieß.

Fall Sophia Lösche: Ein quälend langer Abschied

Sophias Familie kämpfte monatelang darum, dass ihr Leichnam aus Spanien nach Deutschland überführt wird. Zudem sahen sich die Angehörigen immer wieder einer mangelhaften Informationspolitik der Behörden ausgesetzt.

Hier geht es zur Traueranzeige von Sophia Lösche

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