An der Altheimer Werkrealschule in Baden-Württemberg hat die Schulleitung Hot Pants untersagt. In einem Elternbrief wurde mitgeteilt, dass man sich entschlossen habe, an der Schule keine "aufreizende Kleidung" mehr zu dulden. Als Übergangsregelung, bis eine Kleiderordnung erstellt sei, würde man große T-Shirts bereitstellen. Man wolle zu einem "gesunden Schulklima beitragen, in dem sich alle wohlfühlen und in dem gesellschaftliche und soziale Werte gelebt und gefördert werden." Dies berichtet der Schwarzwälder Bote.
 
 

Bereits an mehreren Schulen, etwa am Deutschaus-Gymnasium in Würzburg, gibt es Regelungen zur Bekleidung. Dort habe man laut Schulleitung allerdings die Schüler und Eltern mit einbezogen und die Regelung dort sei unstrittig, so der dortige Schulleiter.
 
Wirbel um Dresscode an Würzburger Gymnasium

Die Aktion in Baden-Württemberg hat nun jedoch große Wellen geschlagen. Auf Twitter etwa war der Hashtag #hotpantsverbot am Montag der Toptrend des Tages. Hitzig wird dort diskutiert, die Kritiker einer Kleiderordnung stoßen sich vor allem daran, dass die Einschränkungen lediglich Mädchen treffen würden und ihnen die Verantwortung für das Handeln von Jungen und Männern gebe.
 
 
#hotpantsverbot: die Diskussion auf Twitter

Frauen und Mädchen würden sexualisiert, so die zahlreichen Kritiker des Hotpants-Verbots. Anstatt Mädchen zu erklären, sie seien selbst an Objektivierung und Belästigung schuld, solle man lieber Sexismus zum Thema machen.


Kommentar: Doppelmoral und falsche Signale
In der Öffentlichkeit und gerade in Schulen herrschen Verhaltensregeln, beruhend auf einem gewissen gesellschaftlichen Konsens, keine Frage. Ob es allerdings hilfreich ist, Mädchen an den Pranger zu stellen, weil sie zu "aufreizend" gekleidet sind, ist fraglich. Warum stimmt es "nachdenklich", wenn - zumal bei großer Hitze - Schülerinnen kurze Hosen tragen? Wovor muss man sich da sorgen? Vor abgelenkten Lehrern und Schülern, die statt dem Unterricht nur noch den Beinen und Hinterteilen von Schülerinnen folgen?

Da geht die Sorge allerdings ziemlich fehl. Nicht die kurzen Hosen sind das Problem, die eventuellen Reaktionen darauf sind es. Wenn es nicht möglich scheint, nackte Frauenbeine einigermaßen gelassen hinzunehmen, stellt sich vor allem der männliche Teil der Gesellschaft kein gutes Zeugnis aus. Im 21. Jahrhundert sollten Männer stark genug sein, ein wenig nackte Haut zu ertragen, ohne gleich in erregte Verzückung zu geraten.

Begriffe wie "victim blaming", "slut shaming" und "rape culture" sind an dieser Stelle kein Ausdruck von feministischem Alarmismus, sondern denken die Sache nur konsequent weiter. Wird ein Mädchen exzessiv angestarrt und am Ende gar belästigt, so ist die Rede vom "aufreizendem Auftreten" nichts anderes als die Beschuldigung des Opfers anstatt des Täters. Sehr schnell ist man bei Erklärungsmodellen im Tenor von "selbst schuld" und "Das fordert die Männer ja geradezu heraus!"

Um die absurde Asymmetrie in der Körperwahrnehmung der Geschlechter zu verdeutlichen, muss man sich nur einmal vorstellen, man würde Männern verbieten, kurze Hosen zu tragen. Bei Frauen hingegen ist jeder Zentimeter Haut seit Jahrzehnten bitter erkämpft. Jedes Mal, ob nun beim Bikini oder beim Minirock, sind es die gleichen Mechanismen, die Frauen Mal um Mal zu gefährlichen Individuen erklären, deren "aufreizender" Körper die öffentliche Ordnung und die guten Sitten bedroht.
 
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