N och eine Minute und ich sterbe. Denke ich. Aber ich lass' es mir nicht anmerken. Schön lächeln. Schön weiterspringen... Neben dem Trampolin, auf dem ich mich abmühe, stehen Claudia Schemm und Diana Börner, zwei wirklich liebenswerte junge Frauen. Beide sind Fitness-Trainerinnen aus Leidenschaft. Sie feuern mich an. "Geh' richtig rein, hüpf' nicht nur an der Oberfläche auf und ab."
Meine Beine brennen. Bestimmt wird mir gleich schwindelig. Wie schaffen es Kinder nur, stundenlang auf einem Trampolin herumzutollen?
"Mit dem Gartentrampolin kann man unser High-Speed-Trampolin nicht vergleichen", erklärt Claudia Schemm. "Es ist ganz anders gespannt, mit vielen, festen Seilen." So könne man rücken- und gelenkschonend seinen ganzen Körper trainieren. "Jumping", also Springen, ist der neueste Fitness-Trendsport hierzulande. Es gibt verschiedene Trampolin-Anbieter.
Die Firma "World Jumping" ist einer davon - Diana Börner und Claudia Schemm halten sie für die beste. Die Qualität der High-Speed-Trampoline, mit denen nur ausgebildeten Trainer arbeiten, sei am höchsten. "Da musst du keine Angst haben, dass es dir die Gebärmutter raushaut oder so", meint Claudia Schemm mit herzhaftem Humor.
Diana Börner grinst. "Erst hab' ich gedacht: 'Na, da hat jemand wieder irgendeinen Quatsch erfunden'", sagt die 37-jährige Volkacherin. "Aber dann hab' ich's doch mal ausprobiert. Es war der Hammer!" Durch den ständigen Wechsel von An- und Entspannung beim Hüpfen werde die Muskulatur gekräftigt, der Lymphfluss angeregt und das Körpergewebe "fühlbar straffer". Und vor allem: "Es macht mega-viel Spaß!" Dazu trägt die Begleitmusik bei. "Fetzige Stücke mit 130 bis 140 Beats pro Minute sind ideal." Davon gibt es jede Menge: von Van Halens passendem Hit "Jump" bis hin zu aktuellen Songs.
"Jumping macht süchtig. Und glücklich", findet Diana Börner. Als blutige Anfängerin bin ich mir da noch nicht so sicher. Während ich mir die Seele aus dem Leib hüpfe und mein Kopf tomatenrot glüht, erzählt die Unterfränkin, dass sie nach der Geburt ihres Sohnes vor sechs Jahren einen Sport gesucht hat, der Spaß macht und trotzdem effektiv ist. Das Fitness-Konzept "Zumba" begeisterte sie derart, dass sie beschloss, selbst Trainerin ("Zumba-Instructor") zu werden. Schließlich machte sie ihr Hobby zum Beruf und arbeitet heute als Fitness-Coach.
"Bleib' schön locker!" Claudia Schemm ist bereits seit einem guten Jahr World-Jumping-Expertin. Die gelernte biologisch-technische Assistentin aus Giebelstadt hat sich vor zehn Jahren als Fitness-Fachwirtin selbstständig gemacht. Ernährung, Cardio-Training und Rehasport sind ihre Steckenpferde. "Rücken gerade lassen. Der Griff ist nicht zum Festklammern da!", korrigiert sie meine Haltung. Als ich die Anweisungen nicht gleich zu ihrer Zufriedenheit umsetze, schwingt sie ihren durchtrainierten Körper aufs Trampolin und macht die "Frosch-Übung" vor.
Der Name ist Programm. Die Beine werden beim Springen angehockt und seitlich am Körper hochgezogen - wie Froschschenkel - , dann wieder nach unten ins Trampolin gedrückt. Und wieder rauf. Und runter. Zack-zack.


Unbekannte Muskeln

Ein heimlicher Blick auf die Uhr verrät: Erst 20 Minuten sind vergangen. Schwindelig ist mir - wider Erwarten - nicht geworden, aber ich hab' das Gefühl, schon einen Marathon gelaufen zu sein. In den Beinen, am Hintern und am Bauch zieht es leicht - sind das etwa Muskeln, von deren Existenz ich bislang nichts wusste? "Das Schöne ist", sagt Claudia, während sie neben mir locker-flockig weiterhüpft und kein bisschen außer Atem kommt, "dass Jumping - außer für akut Kranke - wirklich für jeden geeignet ist, sogar für Männer. Gerade auch für ältere, gesundheitlich eingeschränkte und dicke Menschen."
Das Mini-Trampolin sei ein guter Helfer, um fit und leistungsfähig zu bleiben - oder zu werden. Selbst bei Osteoporose, Arthrose oder Diabetes. "Eine Kursteilnehmerin ist Diabetikerin. Ihre Werte haben sich stark gebessert", erzählt die 40-Jährige. "Und Übergewichtige finden mit dem sanften Training einen Weg zurück zur Bewegung."
"Weißt Du eigentlich, dass Jumping ein echter Fett- und Schlackenkiller ist?", fragt die Trainerin. "Pro Trainingseinheit werden 300 Muskeln beansprucht. Wenn man's richtig macht, verbraucht man irre viele Kilokalorien - bis zu 1400 pro Stunde." Obwohl ich schon fix und fertig bin, spornt mich das nochmal an. "20 Minuten Jumpen entsprechen einer Stunde Joggen!" Vielleicht sterbe ich ja doch nicht, denk' ich. Ich beiß' mich durch Frosch, Side-to-Side, Jack ("Hampelmann") und andere Hüpfschritte. Komme ich nicht schon deutlich höher als am Anfang? Claudia Schemm und Diana Börner grinsen nur milde. "Wird schon!"
Natürlich gilt beim Jumping, wie bei jedem Sport: Regelmäßiges Training macht's. Wer nur kurz mal ein bisschen hüpft, wird nicht gleich aussehen wie eine Fitnessikone. Eins allerdings passiert sofort: Glückshormone werden frei. "Ich fühl' mich super", schrei' ich die Freude heraus, als meine erste Übungsstunde vorbei ist, das Trampolin ausgeschwungen, mein Herz sich beruhigt hat und mein Gesicht langsam wieder eine normale Farbe annimmt. Die Trainerinnen lächeln und sagen augenzwinkernd: "Gell!"

Infos: entweder über Facebook oder online: www.d-train.de