Auch die Lichtenfelser Pfarrer möchten mal Sommerurlaub machen. Doch beispielsweise im benachbarten Landkreis Kronach gestaltet sich die Urlaubsvertretung, die seit vielen Jahren oft durch ausländische Amtsbrüder geleistet wird, in diesem Jahr durch die Corona-Pandemie schwierig. So etwa in Kronach, Wilhelmsthal und Lahm. Viele Pfarreien im Landkreis Lichtenfels jedoch organisieren sich in dieser Hinsicht seit Jahren selbst oder helfen sich gegenseitig personell aus.

Dennoch fehle die Bereicherung durch Urlaubsaushilfen aus Deutschland oder dem Ausland aus inhaltlicher Perspektive, sagt Georg Birkel, Leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Gottesgarten: "Diese haben nicht die Arbeit der Pfarrer übernommen. Es geht eher darum, die Seelsorge vor Ort sicherzustellen." Zu vielen Geistlichen und deren Kultur sei auch eine Bindung entstanden, resümiert er in Gedanken an Vertretungen aus Polen oder dem Senegal beispielsweise. "Diese bekommen Einblicke in unsere Kirche, und wir wiederum können auf diese Weise Kirche weltweit kennenlernen. Es geht um gegenseitiges Lernen, nicht nur Kennenlernen. Diese Bereicherung fehlt uns in diesem Jahr."

Pfarrer Georg Birkel selbst muss durch seine Tätigkeit als Religionslehrer an den Schulen seinen Urlaub in den bayerischen Sommerferien nehmen. Den Begriff "Urlaub", wie in klassischen Arbeitsverträgen festgehalten, könne man jedoch nicht universell auf den Status des Pfarrers übertragen. "Bis zu einem Monat Urlaub" stehe diesen zu - in der Theorie. Zwar vertrete er sich mit dem Pfarrvikar des katholischen Seelsorgebereichs Gottesgarten gegenseitig, in der Praxis habe Georg Birkel jedoch von seinen bisherigen 17 Tagen "Urlaub" jede Nacht in der Pfarrei verbracht.

Gegenseitige Vertretung

Tagsüber hatte er zudem jeden Tag in der Verwaltung zu tun. Außerdem trug er sein Notfall-Handy stets bei sich.

Auch im Osten des Landkreises Lichtenfels ist in diesem Jahr die Personalsituation anders: Dass etwa die Vertretung für die Pfarrei St. Johannes in Modschiedel im Seelsorgebereich Obermain-Jura in Person von Pfarrer Schwvon in diesem Jahr nicht kommen kann, hat einen corona-unabhängigen Hintergrund: Der Pole muss seinen eigenen Kollegen in der Heimat vertreten, da dieser schwer erkrankt ist. Pfarrer Gerhard Möckel verkürzt seinen Urlaub daher auf eine Woche. Währenddessen übernehmen die Franziskaner-Patres des Klosters Altenkunstadt seine Dienste. Eine weitere Woche Urlaub möchte er zu einer anderen Zeit nachholen.

Durch die Größe der Kirchengemeinde Lichtenfels im evangelisch-lutherischen Dekanat Michelau ist diese nicht auf "externe" Pfarrer angewiesen: Während seine drei Kolleginnen im Urlaub sind, übernimmt Pfarrer Ralph-Peter Zettler deren Aufgaben. Seit jeher vertrete das Quartett sich gegenseitig in der Urlaubszeit und sei damit sehr zufrieden.

Auch im katholischen Pfarramt Isling St. Johannes der Täufer hat sich Pfarradministrator Pater Henryk Chelkowski während seines Urlaubs von Kollegen innerhalb des eigenen Seelsorgebereichs vertreten lassen.

Anders hat Pfarrer Matthias Hagen aus den Kirchengemeinden Bad Staffelstein und Herreth im evangelisch-lutherischen Dekanat Michelau die Vertretung während seines Urlaubs organisiert: Im Pfarrbüro halten die Mitarbeitenden die Stellung, ebenso gehen die Lektoren ihren Aufgaben nach. Den Dienst der Kur- und Urlauberseelsorge übernimmt für vier Wochen Pfarrer Günter K. Wagner. Dieser befindet sich im Ruhestand, bringt sich seit Jahren an unterschiedlichen Orten in der Sommervertretung der Urlauberseelsorge ein und ist auch in der Adam-Riese-Stadt kein Unbekannter.

Für dringende seelsorgerische Gespräche, Beerdigungen, Aussegnungsfeiern, Begleitung bei Krankheit und Tod ist Pfarrer Kornelius Holmer aus der Kirchengemeinde Zapfendorf der Ansprechpartner für Rat- und Trostsuchende, aber auch für Hochzeiten und Ehejubiläen. "Unsere Vertretungen sind schon immer so gewesen und werden auch immer so bleiben", erzählt Holmer. Ihm ist auch kein Fall aus einer nahen Gemeinde bekannt, die durch die Corona-Krise personelle Engpässe in der Urlaubszeit habe. In der Regel fänden sich immer Vertretungen oder es komme zu kurzzeitigen Zusammenlegungen. "Die Probleme tauchen eher dann auf, wenn ein Pfarrer in den Ruhestand geht und noch kein Nachfolger da ist."

Nachfolge ungeklärt

So auch in der Pfarrei Mariä Verkündigung Ebensfeld? Dort beendet Pfarrer Rudolf Scharf zum 1. September seinen Dienst nach 25 Jahren. Pfarrer Georg Birkel aus Bad Staffelstein, Leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Gottesgarten, wird die Pfarrei Ebensfeld ab dem 1. September administrativ übernehmen. Auskunft, ob die Suche nach einem Nachfolger sich durch die Corona-Krise schwieriger gestaltet, gibt es vom Erzbistum Bamberg nicht. Pfarrer Georg Birkel erklärt dagegen eine ohnehin schwierige Planungssituation für freie Stellen: zurückgehende Weihezahlen von Priestern, Krankheiten, Pensionierungen und vieles mehr.