Robert Hofmann von der gleichnamigen GmbH in Schney brauchte Ausgleichsflächen wegen der Erweiterung seiner Firma. Das Grundstück, das ihm dafür angeboten wurde, lag in Pferdsfeld und war mit seinen sieben Hektar Fläche deutlich größer als notwendig. Robert Hofmann erwarb es dennoch. Er fragte sich jedoch: Warum das große Areal brachliegen lassen? "Da kann man doch auch was Schönes machen!", war sich der Firmenchef-Senior sicher. Matthias Murrmann, ein befreundeter Architekt und Landwirt, beriet ihn. Das Projekt "Natur-Lehrpfad" wurde gestartet.

Nach dem Abernten des Getreides im Herbst 2019 wurde der Acker nicht gedüngt und nicht gepflügt. Dort soll eine Magerwiese entstehen. Rund 1000 Heckenpflanzen wurden gesetzt, dazu viele verschiedene Obstbäume. Immer wieder schauten sich Murrmann und Hofmann die Fläche und ihre Beschaffenheit samt Umgebung an. Was blüht ringsum? Welche Insekten und Vögel leben hier?

Nach der Pflanzaktion im Frühjahr 2020  kam Robert Hofmann die Idee, das allgegenwärtige Thema Bienen aufzugreifen, um die große Fläche interessanter für Besucher zu machen. Gespräche mit dem Vorsitzenden des Imkervereins Staffelstein e.V., Bastian Hammer, folgten. Nicht lange danach errichtete der Imkerverein auf dem vorderen Teil des Grundstücks einen Lehrbienenstand. Die ersten Völker zogen in das Holzhäuschen ein.

1000 Heckenpflanzen gesetzt

Im Spätsommer 2020 wurde ein Lehrpfad mit einem mehr als 100 Meter langem Parcours angelegt. An den verschiedenen Stationen kann man sich über Vogelarten und ihre Jungenaufzucht informieren, man lernt Wiesenbewohner kennen, von denen man vielleicht noch gar nichts gehört hat, und entdeckt ein Blütenmeer und "Grasgeflüster". Welcher Schmetterling fliegt da? Was ist das für ein Baum? Viele Fragen und noch mehr Antworten. Der Besucher geht auf Rindenmulch und Hackschnitzeln. Er kann tasten und raten oder einfach nur staunen, welche Artenvielfalt eine Wiese zu bieten hat. Die Schautafeln informieren über den Tages- und Jahresrhythmus der Pflanzen, stellen Insekten vor. Welcher Vogel hat maskierte Augen, und wer von den gefiederten Sängern ist ein Frühaufsteher?

Derweil ist es Herbst geworden. Die Bienenvölker von Imker Bastian Hammer leben nach wie vor in ihrem Stock im Inneren des Bienenhauses. Aber es sind deutlich weniger Tiere als im Sommer. "Das ist normal", erklärt der Imker. In der kalten Jahreszeit sterben viele Bienen, und es werden auch nicht mehr so viele nachgezogen. Von 40 000 bis 60 000 Exemplaren leben aktuell nur noch rund 6000 bis 10 000, wie der Imker schätzt. Drei Etagen hat jeder der beiden Stöcke im Lehrbienenstand: Ganz oben legt die Bienenkönigin ihre Eier ab, dort befindet sich auch der Honig, den der Imker entnimmt. Ganz unten bringen die Bienen den Honig ein, "hier findet das Leben statt", sagt Bastian Hammer, als er den Kasten kurz öffnet. "Man findet keine toten Bienen im Stock", erklärt er, "Leichen und Kot werden von den Bienen sofort nach draußen abtransportiert und fallen gelassen." Das alles und viel mehr lernen Jungimker oder jeder, der sich für die Imkerei interessiert. Sie erfahren, dass Bienen keinen Winterschlaf halten, sondern Winterruhe, dass die Temperatur im Stock von sommerlichen 35 Grad auf winterliche 28 Grad sinkt. Die Einrichtung des Häuschens muss aber coronabedingt noch auf gelehrige "Schüler" warten: Aktuell kann kein Lehrgang stattfinden.

Familienfest verschoben

Robert Hofmann wollte zur Eröffnung des Naturlehrpfades seine Mitarbeiter mit ihren Familien zu einem Fest einladen. Diese Idee konnte ebenfalls noch nicht umgesetzt werden. Das werde nachgeholt, sobald es wieder möglich ist, verspricht er.

Derweil kümmert sich unauffällig und mit viel Engagement Matthias Murrmann um den Platz, mäht, pflegt und macht sauber.

Der Naturlehrpfad befindet sich nur etwas außerhalb vom Pferdsfelder Ortskern. Wer in der Nähe der kleinen Kapelle parkt, hat nicht weit hinzulaufen.Wer Fragen zu den Bienen hat, bekommt auch per E-Mail Auskunft unter imkerbadstaffelstein@gmx.de.