Geld abheben, Überweisungen tätigen, einen Kredit beantragen: Der Großteil der Bevölkerung nutzt die Banken im Landkreis Lichtenfels für diese Geschäfte. Vermummte Täter mit vorgehaltener Waffe scheinen nur noch in Krimis zu existieren. Tatsächlich?

Banküberfälle in der Region kommen nicht täglich, aber bisweilen doch vor. Zuletzt sorgte die Sprengung der beiden Geldautomaten der Raiffeisen-Volksbank Ebensfeld für Schlagzeilen: Am 17. Juni öffneten die Täter dort gewaltsam durch Einleiten eines Gasgemisches zwei Geldautomaten und konnten entkommen. Das Videomaterial, das ein Anwohner von der Tat bereitstellte, floss als Beweismittel in das Ermittlungsverfahren der Kriminalpolizei Bamberg ein.

Die Ermittlungen zu diesem Fall laufen derzeit noch. Aus ermittlungstaktischen Gründen können zum momentanen Zeitpunkt noch keine Informationen dazu veröffentlicht werden.

Am 6. Oktober wurden auch in Sulzbach am Main Geldautomaten gesprengt. Die Täter sind ebenfalls auf der Flucht. Ob es dieselben sind, die in der Mainregion agieren, ist unklar.

Wie ist es also um die Sicherheit der Banken im Obermain bestellt?

Viele Sicherungsmaßnahmen

Banken betreiben Sicherheitsmaßnahmen in eigener Zuständigkeit und werden dabei durch die Polizei beraten. Die Sicherung obliegt jedoch letztlich den jeweiligen Geldinstituten selbst. Der Grat zwischen einer Aufklärung der Kunden und einem Sicherheitsrisiko ist bei diesen Informationen enorm schmal. Daher verwiesen die Kreditinstitute auf die Maßnahmen der Deutschen Kreditwirtschaft, insbesondere für die Thematik der Geldautomatensprengungen.

Banken und Sparkassen haben bereits eine Vielzahl verschiedener Maßnahmen zum Schutz ihrer Geldautomaten-Infrastruktur ergriffen: So zum Bespiel die Schließung von besonders gefährdeten Geldautomatenstandorten in den Nachtstunden, Einbruchmeldeanlagen, Anti-Gas-Systeme, die Aufschaltung auf Service-Leitstellen oder der Einbau von Vernebelungssystemen.

Darüber hinaus werden Maßnahmen für einen stärkeren Schutz der Automaten vorgenommen. Dazu gehören eine höhere Widerstandsklasse der Tresore, ein erhöhter mechanischer Schutz gegen Aufhebeln. Wirkungsvoll kann aber nur eine zum jeweiligen Geldautomatenstandort passende Kombination geeigneter Maßnahmen sein.

Auch seitens der zuständigen Versicherungen gelten gesetzliche Bestimmungen sowie Auflagen. Die R+V-Versicherung AG unterstützt die Volks- und Raiffeisenbanken beispielsweise mit einem Team ausgebildeter Sicherheitstechniker. Diese beraten die Banken vor Ort zu allen Fragen der mechanischen Sicherheitstechnik und Sicherheitsvorkehrungen wie zum Beispiel Alarmanlagen und Videotechnik.

"Unsere Sicherheitstechniker stehen in engem Austausch mit den Landeskriminalämtern, den Errichterfirmen (Einbau von Alarmanlagen und sonstiger Sicherheitstechnik) und den Herstellern von Banktechnik", erklärt Brigitte Römstedt, Pressesprecherin der R+V-Versicherung AG. Entwickelt würden diese Maßnahmen international: "Es gibt einen internationalen Markt für Banktechnik, Bankeinrichtung und Schwerbauer (Safes)."

Bargeldbestände reduziert

Der letzte Überfall auf eine Filiale der Sparkasse Coburg-Lichtenfels liegt mehr als sieben Jahre zurück, berichtet beispielsweise Stefan Schneyer aus dem Vorstandsstab. Trotzdem hat sich für deren Kunden in den letzten Jahren etwas verändert: "Die Umsetzung mancher Entscheidungen erfordert dabei auch ein Umdenken bei den Kunden, da manche Bankgeschäfte unter Sicherheitsaspekten nicht mehr in gewohnter Weise abgewickelt werden können. So wurden beispielsweise die Bargeldbestände oder die maximale Bargeldauszahlung ohne Vorankündigung deutlich reduziert und einige Standorte in komplett bargeldlose Filialen umgewandelt", erläutert Stefan Schneyer.

Die Polizeibeamten werden in Einsatzkonzeptionen für derartige Phänomenbereiche geschult. Dem Bundeskriminalamt (BKA) zufolge wurden allein 2019 bundesweit 349 Geldautomaten gesprengt. Das waren zwar 5,4 Prozent weniger als 2018, aber mehr als doppelt so viele wie noch 2015.

Im Raum Oberfranken verzeichnete das Polizeipräsidium Oberfranken für die Jahre 2017 bis 2019 nur einen Banküberfall im "klassischen" Stil: Räuberische Erpressung im Sinne von Paragraf 255 StGB, wobei aber kein Geld erbeutet wurde, wie Tobias Dörfler von der Pressestelle dazu mitteilt. Im gleichen Zeitraum sei es zu fünf Fällen von Geldautomatensprengungen in Oberfranken gekommen. Vor dem Hintergrund der geringen Fallzahlen sei eine valide Bezifferung der Aufklärungsquote statistisch nicht möglich.

Die gängige Praxis

Das Vorgehen der Täter habe sich in den letzten Jahren verändert. Tobias Dörfler fasst zusammen: "Der klassische Bankraub im Sinne einer räuberischen Erpressung gemäß Paragraf 255 StGB - zum Beispiel Vorhalt einer Waffe, verbunden mit einer Geldforderung - stellt mittlerweile eine klare Ausnahme dar. Derzeit überwiegen sehr deutlich sogenannte Geldautomatensprengungen, bei denen die Täter Geldautomaten mittels Sprengmitteln zur Explosion bringen, um an die enthaltenen Bargeldbestände zu gelangen."

Erhebliche Investitionen

Das ist auch den Geldinstituten bewusst. Deshalb werde die Weiterentwicklung der Maßnahmen zur Sicherung von Geldautomaten und Filialen stetig forciert, verrät Stefan Schneyer. "Die Sparkasse Coburg-Lichtenfels nimmt Themen wie Bankraub, Banküberfall oder Geldautomatensprengungen sehr ernst. Wir bewerten unsere Standorte in regelmäßigen Abständen. Dabei werden verschiedene Aspekte wie beispielsweise Modernisierung, Umgestaltung aufgrund geänderter Arbeitsabläufe sowie Sicherheitsmaßnahmen einbezogen. Auf dieser Basis treffen wir vorbeugende Maßnahmen, um Risiken zu minimieren und Personen zu schützen." Die Investitionen hierfür seien erheblich.