Flechten ist kein aussterbendes Handwerk, das zeigten am Sonntagnachmittag Schüler der Staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels, allerdings nur wenigen Besuchern. In ihrer Ausstellung "Craft & Future - Die Zukunft des Flechthandwerks" standen besonders die Sitzmöbel aus dem Projekt der 11. Klassen im Fach "Gestaltung" im Mittelpunkt,

Gestaltet wurden neue Hocker, die bei Bedarf aus zwei Teilen zusammengesteckt und mit einem archetypischen Korb vollendet werden. Einfach und stabil. Wird der Raum ohne Stühle gebraucht, stapelt man einfach die Korbsitze ineinander und zerlegt die Sockel.

Weide wächst zur Lehne

Zusätzlich peppten die Schüler vorhandene Sitzbänke mit Weide auf, die natürlich wuchernd zur Lehne werden, und erschufen eine bodenständige Symbiose aus Stillstand und Bewegung.

"Wir haben Ideen von Weide am Gebäude aufgegriffen, die nach oben geht und dann abknickt", verweist Schülerin Lissy Johenniken mit Blick auf die neu gestalteten Bänke. Aber auch die anderen der insgesamt fünf Entwürfe seien sehenswert: Geflochtene Buchstaben etwa formten in einem anderen Modell den Begriff "Zukunft". Diesen könne man hinlegen, die Einzelteile aufeinanderstapeln oder etwa Wurfspiele daraus entwickeln. Auch Röhren aus Weide zum "darauf niederlassen" seien in den Köpfen der Schüler entstanden.

In verschiedenen Arbeitsgruppen waren im Vorfeld Entwürfe im Auftrag der R + G Beteiligungs-GmbH entstanden: Diese möchte Tradition und Zukunft zusammenbringen und habe deshalb die Schule für eine solche Kooperation angefragt - zum ersten Mal und zu großer Zufriedenheit. "Die Arbeit war sehr interessant und lehrreich, weil sie sehr kundenorientiert war. Wenn man sich zu einer Vorgabe etwas ausdenken soll, dann tüftelt man lange daran: Wie kann man dieses Produkt zu einem guten machen?", so Yoko Harth, die sich an der Schule für Flechtwerkgestaltung in ihrem zweiten Ausbildungsjahr befindet.

Zukunft durch Kreativität

Die Sitzmöbel sollen bei zukünftigen Veranstaltungen des Archivs der Zukunft wie Podiumsdiskussionen, Ausstellungen und Vernissagen genutzt werden. Genauso sollen sie gebraucht und in die Zukunft getragen werden: "Das Flechthandwerk hat eine rund 6000 Jahre währende Vergangenheit. Heute müssen wir uns die Zukunft aber mit kreativen Ideen erarbeiten - dabei ist die Weide ein sehr nachhaltiges Material, gerade in Zeiten von Plastikmüllbergen", sagt Hans-Jürgen Lichy, Leiter der Korbfachschule. Er denkt an die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Materials, wie etwa den Ersatz von Plastiktragetaschen durch Körbe, und appelliert an das Bewusstsein der Menschen. "Wir wollen das professionelle Handwerk stärken, Nischen besetzen und uns am Puls der Zeit orientieren. Schließlich sollen unsere Schüler nach ihrer Ausbildung auch von ihrem Handwerk leben können."

In der dreijährigen Ausbildung an der Schule für Flechtwerkgestalter lernt man neben den traditionellen Handwerkstechniken auch die Grundprinzipien gestalterischen Arbeitens. Die Schule schließt mit einer Gesellenprüfung ab, die in Bayern auch als Qualifikation für eine weitere Schul- und Hochschulbildung gilt.