Tatkräftig und mit guter Laune warten zwei Herren vor dem ehemaligen Striwa-Gebäude auf mich: Sie haben gerade ihre Fracht aus dem Kleinbus ausgeladen, flachsen miteinander und stecken mit ihrer guten Laune an: Günther Gutgesell und Gerd Göhring.

Rund 70 Kilometer, quer durch den Landkreis Lichtenfels und teils durch den Bamberger Bezirk, legen sie jeden Dienstag mit dem Kleinbus "Glücksbringer" zurück: Als "Aktive Bürger" holen die beiden ehrenamtlich Lebensmittel bei zwölf Supermärkten, Bäckereien und anderen Unternehmen ab und liefern sie in die Räume der Lichtenfelser Tafel plus in der Conrad-Wagner-Straße. Andere Kollegen aus dem rund 20-köpfigen Fahrer-Team der "Aktiven Bürger erledigen das Gleiche an zwei weiteren Wochentagen mit teils variierenden Anlaufstellen.

In den Kisten, die nach Beendigung der Tour ausgeladen werden, befinden sich Obst und Gemüse, Kühlkost, Milch, Käse, Fertigprodukte und vieles mehr. Alle Waren haben einen "Makel": Entweder stehen diese kurz vor oder nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums oder sehen nicht mehr "verkaufsschön" aus. Weit über hundert Kisten passieren jede Woche die Räume der Tafel.

250 Haushalte "tafelberechtigt"

Anschließend werden diese von weiteren Ehrenamtlichen auf Genießbarkeit hin aussortiert, eingelagert und jeweils am Mittwoch zwischen 12.45 und 15 Uhr an die Kunden der Tafel ausgegeben. Insgesamt sind 200 bis 250 Haushalte im Landkreis Lichtenfels "tafelberechtigt". Dann sind Günther Gutgesell und Gerd Göhring - das "Dreamteam", wie Letzterer sie selbst betitelt - aber nicht mehr vor Ort.

Beide sind schon "alte Hasen" in der Lichtenfelser Tafel plus. Günther Gutgesell ist seit rund acht Jahren als Fahrer für das Projekt tätig. Mit Beginn seiner Pensionierung habe er damals begonnen: "Weil es einfach Spaß macht, weil es meinem sozialen Gewissen nachkommt und weil ich Zeit habe", verrät der Lichtenfelser. Nach knapp einem Jahr hat er auch seinen Freund Gerd Göhring, der ebenfalls in der Korbstadt wohnt, zum Ehrenamt und "Beifahrer" gebracht: Eine sinnvolle Freizeitgestaltung nennt er sein Engagement, die seinem früheren Beruf im Außendienst, bei dem er ebenfalls mit vielen Menschen gerne in Kontakt kam, in dieser Hinsicht nahekommt. "Der oberste Gedanken aber ist: Ich will etwas Gutes tun", betont Gerd Göhring, dem diese Motivation vielleicht auch in den "Pfadfinder-Genen" steckt.

Die beiden machen Witze und albern miteinander: Eine rund vierstündige Tour mit den beiden Männern ist sicher lustig. Sie starten um 9 Uhr und sind meist bis 13 Uhr fertig für den Heimweg. Manchmal auch etwas früher - je nachdem, wie lange es an den Abholstationen dauert. Auch dort an den Rampen kennt man sich schon. Die meisten gespendeten Lebensmittel sind noch gut zu konsumieren. Wenige Ausnahmen gebe es jedoch, die nicht mehr für den Verzehr geeignet seien, erzählt Günther Gutgesell. Ob er für das Thema "Lebensmittelverschwendung" durch seine Arbeit etwas sensibilisiert worden sei? "Ich habe da schon vorher sehr darauf geachtet", erzählt er.

Doch auch, wenn die beiden Männer die gemeinsame Fahrt genießen, kann es doch einmal zu Ausfällen kommen. Dann steht aber das engagierte Team bereit und sorgt für Vertretungen.

Durch die Corona-Krise habe sich für die beiden Männer, nachdem die Tafel zwischenzeitlich geschlossen war, wenig in ihrem Tagesablauf geändert: Sie müssen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen und den Kleinbus vor und nach jeder Fahrt gründlich desinfizieren. Ansonsten gelten auch für sie die üblichen Sicherheits- und Hygienevorschriften. Doch selbst unter den Masken sieht man ihnen das Lächeln noch an: Mit Gerd Göhring und Günter Gutgesell haben die Lichtenfelser Tafel plus und die "Aktiven Bürger", die die Ehrenamtlichen dorthin vermittelt, zwei tatkräftige Helfer gefunden.

Seit Bestehen der Lichtenfelser Tafel plus 2012 hat das Freiwilligenzentrum "Aktive Bürger" der Bürgerstiftung für Jugend und Familie im Landkreis Lichtenfels mehr als 50 Ehrenamtliche dorthin vermittelt. Josef Breunlein, Mitglied im Organisationsteam der Stiftung, freut sich über dieses Engagement. Er weiß selbst genau, was "Ehrenamt" bewirkt: "Weil es andern und mir selbst gut tut." Gerade heute sei solch ein Engagement unabdingbar, weil es trotz einem guten Sozialsystems manchmal Lücken gebe, die zu füllen sind. "Es strukturiert auch den Tagesablauf und trägt ein Mosaiksteinchen dazu bei, dass es jemand anderem etwas Gutes bringt."

Die "Aktiven Bürger" fördern deshalb das bürgerschaftliche Engagement im Landkreis Lichtenfels und bringen insbesondere mit der "Engagementdatenbank" Hilfesuchende und Hilfebietende in verschiedensten Bereichen zusammen: ob für Schüler, Migranten oder Senioren.