Der in der bayerischen Rhön aufgewachsene Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin Dr. Simon Then war bis Ende März als Kinderarzt am Medizinischen Versorgungszentrum in Lichtenfels tätig und wohnt mit seiner aus Debrecen in Ungarn stammenden Frau Fruzsina und den drei Kindern Luise (12 Jahre), Agnes (9) und Susanne (6) in Kronach.

Nach erfolgreichem Studium und der Weiterbildung zum Facharzt eröffneten sich Dr. Then beste berufliche Perspektiven, aber er wählte mit seiner Entscheidung, als Missionsarzt in das Missionskrankenhaus Diospi Suyana nach Curahuasi in Peru zu gehen, einen anderen, schwierigeren Weg. Als christlich geprägter Mensch ließ ihn schon von Jugend an der Gedanke nicht los, einmal eine Missionstätigkeit zu ergreifen, um in Entwicklungsgebieten armen und hilfsbedürftigen Menschen beizustehen.

Seine Frau Fruzsina, die er im Übrigen bereits kurz nach dem Abitur bei der Absolvierung eines Freiwilligen Sozialen Jahres in Spanien kennenlernte, hatte die gleiche Gesinnung. Diese verstärkte sich noch, als beide über einen Vortrag von Dr. Klaus John, dem Gründer und Leiter des Hospitals Diospi Suyana, nähere Einzelheiten über die dortige Missionsarbeit erfuhren. So hätte Simon Then am liebsten gleich nach dem Studium eine Stelle in dem Spital in den peruanischen Anden angetreten, es ergab sich aber keine Möglichkeit.

Im Verlauf der Facharztausbildung und der anschließenden Anstellung als Facharzt bei Regiomed in Lichtenfels, verbunden mit der Schaffung von einem gemütlichen Zuhause für seine Familie in der Nähe, waren verständlicherweise zunächst seine Missionspläne etwas in den Hintergrund getreten. Ein einschneidendes Erlebnis war für ihn dann aber der plötzliche Tod des aus Schney stammenden und zu seinem Bekanntenkreis gehörenden Missionars Gerhard Stamm im letzten Jahr, der während seiner über 30-jährigen Tätigkeit in Papua Neuguinea den Bewohnern nicht nur die Botschaft Gottes überbringen wollte, sondern ihnen auch zusammen mit seiner Frau als gelernte Krankenschwester in vielfacher Hinsicht Hilfe zuteilwerden ließ. Dieses Ereignis ließen seine etwas in Vergessenheit geratenen Perupläne plötzlich wieder lebendig werden.

Leben ist mehr als nur Karriere

Leben müsse mehr sein als Karriere und die eigenen vier Wände, darin waren sich die Thens einig. Der erneuten Anfrage bei Dr. John in Curahuasi war dann auch Erfolg beschieden. Die Freude darüber war natürlich riesengroß. Seither bereitet sich die ganze Familie auf die Ausreise und insbesondere auf die zu erwartenden Gegebenheiten vor. Simon und Fruzsina Then frischen ihre Spanisch-Kenntnisse auf und beschäftigen sich mit der Kultur, Geschichte und Geografie Perus, und auch die drei Mädchen lernen etwas Spanisch und informieren sich über das Land.

Auf 2650 Metern Höhe

Obwohl die Eheleute durch ihren längeren Spanienaufenthalt zu Beginn ihres Studiums schon Spanisch-Kenntnisse besitzen, ist zunächst ein Sprachkurs in der bekannten Stadt Cusco, die auf 3416 Metern Höhe im Zentrum des peruanischen Andenhochlands liegt, vorgesehen, ehe man Ende Juni in der auf 2650 Metern Höhe gelegenen südperuanischen Andenstadt Curahuasi erwartet wird. Simon Then wird dann in dem Hospital Diospi Suyana, was "Vertrauen auf Gott" bedeutet, zunächst für drei Jahre als Kinderarzt arbeiten, während seine Frau Fruzsina, eine diplomierte Betriebswirtin, in der Verwaltung und Kinderbetreuung tätig sein wird. Die Anstellung erfolgt über die Vereinigte Deutsche Missionshilfe (VDM).

Die drei Kinder des Ehepaares werden in der missionseigenen Schule zusammen mit den einheimischen und den anderen Missionarskindern zur Schule gehen. Das gesamte Projekt in Curahuasi kam auf Initiative des deutschen Ärzteehepaares Klaus und Martina John, das schon 1991 von den ärmlichen Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung bei einer Studienreise nach Peru sehr berührt wurde, ganz auf Spendenbasis zustande. Dem 2007 errichteten Klinikum folgten noch später das Kinderhaus und die Schule sowie ein Medienzentrum mit eigenem Fernsehkanal und einem Radioprogramm.

Nachfahren der Inkas

Die gleiche Intention wie das Ehepaar John hat das Ehepaar Then. Simon Then möchte dazu beitragen, der indigenen Bevölkerung der Region, die überwiegend aus Quechua-Indianern, den Nachfahren der Inkas, besteht, insbesondere natürlich den Kindern, die notwendige medizinische Betreuung im Rahmen einer ambulanten oder stationären Behandlung angedeihen zu lassen. Auch die Aufklärung der Patienten über Themen der Gesundheitsvorsorge stehe im Vordergrund. Then verwies auf die meist bittere Armut dieser Nachfahren der Inkas, die überwiegend in einfachen Lehmhütten leben. Mangelnde Bildung und soziale Ausgrenzung durch die sich daraus ergebende Perspektivlosigkeit würden oft zu Gewalt und Alkoholismus führen. Darunter hätten gerade die Kinder zu leiden. Diese seien auch von Unterernährung und Krankheiten, die unter anderem auf fehlende Hygiene zurückzuführen seien, betroffen. Auch viele schwer kranke Menschen kämen in das Hospital. Das Krankenhaus habe einen guten Ruf, so dass die Quechuas oft weite Wege in Kauf nehmen würden, um Hilfe zu erhalten. Es würden alle Patienten behandelt, auch wenn sie nur einen kleinen Teil der Behandlungskosten bezahlen können. Der Rest werde durch Spenden gedeckt.

Kinderarzt und Missionar

Simon Then versteht sich im Hinblick auf sein Vorhaben nicht einfach nur als Kinderarzt, sondern auch als Missionar. "Was mich motiviert, ist die Liebe Gottes in Jesus Christus. Durch das christliche Helfen und Heilen sollen die Menschen Gottes Liebe erfahren", betonte Then voller Überzeugung. Diese Einstellung habe er von seinen Eltern erfahren, die von einer tiefen Frömmigkeit geprägt waren. In der Überzeugung, dass die Liebe Gottes stärker als der Tod sei, bezeugte seine Mutter, die bereits mit 40 Jahren an Krebs starb und fünf Kinder zurücklassen musste, bis zu ihrem Tod die Liebe Gottes, so dass sein Vater auf ihren Grabstein die Worte schreiben ließ: "Gott ist Liebe". Der gelebte Glaube ist Simon Then ebenso wie seiner Frau wichtig. Entsprechend der Devise "Geben ist seliger als nehmen" stellte er fest: "Wenn man anderen helfen kann, ist man selber auch der Beschenkte."

Die Thens freuen sich auf ihre Aufgabe im Hospital im Süden von Peru, auch wenn infolge der Corona-Pandemie der bereits fest gebuchte Flug von der Fluggesellschaft annulliert wurde.

Das Missionshospital Diospi Suyana

Das in der Andenstadt Curahuashi in der südperuanischen Region Apurimac gelegene Missionshospital Diospi Suyana ist ein modernes Krankenhaus mit einem hohen Qualitätsstandard und wurde vornehmlich für die arme Bevölkerung der Quechua-Indianer der peruanischen Anden geschaffen. Das Hospital hat eine Kapazität von 100 Betten und ist unter anderem mit einer großen Ambulanz, zwei Intensivstationen, einem modernen Labor, sechs Operationssälen sowie einer Röntgenabteilung mit Computertomographie ausgestattet und beinhaltet noch eine Zahn- und Augenklinik. Die Diospi-Suyana-Schule umfasst neun Gebäude mit 27 Klassenräumen sowie eine Bibliothek, eine Mensa und eine Sporthalle. Auch ein Kindergarten ist vorhanden. Etwa 220 peruanische Angestellte sind in den Bereichen Hospital und Schule beschäftigt, womit Diospi Suyana ein wichtiger Arbeitgeber in der Region ist. Die Missionare beziehen von Diospi Suyana keine Gehälter, sondern werden von internationalen Förderkreisen finanziert. Diospi Suyana ist zudem als gemeinnützige Einrichtung in Peru, Deutschland und den USA anerkannt.thi