Während seit vielen Monaten vielerorts Plakate mit Veranstaltungswerbung durchgestrichen sind, glänzen die Aushänge der Baufachmesse in der Lichtenfelser Stadthalle am 19. und 20. September in der Herbstsonne - wie ein "Fels in der Brandung".

Tatsächlich hatte der Veranstalter schon lange vor den neuesten Lockerungen für den Messebetrieb die Genehmigung der Bayerischen Staatsregierung erhalten. Genauer gesagt für den Ersatztermin, denn ursprünglich sollte die Baufachmesse schon im März dieses Jahres stattfinden. Die Planungen und Vorbereitungen liefen schon dem Ende zu, die Flyer waren gedruckt - dann kam der coronabedingte Lockdown.

Auch ein Termin im Mai war nicht realisierbar, weshalb die Messe nun im September stattfindet - als eine von sehr wenigen Veranstaltungen dieser Art in Deutschland. "Wir haben eine Art Vorreiterrolle", so Heiko Bayerlieb. Der Grund dafür ist das gute Hygienekonzept für die Baufachmesse, das zunächst sehr simpel klingt, aber große Wirkung bezüglich der Eindämmung des Coronavirus erzielen soll: Besucher hinterlegen bei der Registrierung am Eingang ihre persönlichen Daten für eine mögliche spätere Rückverfolgung von Kontaktpersonen. In der Stadthalle, die mit einer großen Lüftungsanlage ausgestattet ist, sollen bei gutem Wetter zudem die Fenster geöffnet werden, um für eine ständige Luftzirkulation zu sorgen. Im Inneren müssen die Besucher eine Mund-Nase-Bedeckung tragen und können sich frei zwischen den Ständen bewegen - im Abstand von mindestens 1,50 Meter zueinander. Dabei gilt die momentan rechnerische Vorschrift von einer Person pro zehn Quadratmetern, was für die gesamte Stadthalle eine Maximalpersonenzahl von 200 bis 250 Menschen bedeuten würde, die sich gleichzeitig dort aufhalten können. Sollte es so viele Besucher geben, würde es zu kurzen Wartezeiten vor der Halle kommen. Die Gangbreite zwischen den Messeständen der acht Hausanbieter, zweier Finanzierungsunternehmen und vieler Handwerker reicht bis zu drei Metern. Letzteren ist der Termin der Baufachmesse trotz momentaner Höchstleistung auf so manchen Baustellen sehr wichtig. Im persönlichen Beratungsgespräch mit den Standbetreibern ist es den Interessierten möglich, die Mund-Nasen-Bedeckung für diese Zeit abzulegen, wenn sie ihre persönlichen Daten dort hinterlassen und dies der Standbetreiber toleriert.

"Bei so einem Projekt hilft es oft, die Mimik des anderen zu den Worten dazu zu sehen", weiß Veranstalter Heiko Bayerlieb. Ein weiterer Vorteil für eine erste Beratung an diesen Messetagen liege darin, dass die Standbetreiber dort keinen Verkaufsdruck haben. "Der Fokus liegt auf der Beratung, der Verkauf findet dann wieder an den Werktagen statt."

Bauboom hält an

Auch, wenn die Besucherzahlen in diesem Jahr vermutlich nicht die Marke von rund 4000 Interessierten erreichen wird, so liege das nicht an der fehlenden Nachfrage: "Die ist sogar noch größer geworden", sagt Heiko Bayerlieb, der unter anderem auch Herausgeber der Magazins "Wir bauen" ist. "Die Immobilienpreise steigen und das Eigenheim ist nach wie vor ein großes Thema." Das zeigen auch die vielen neuen Baugebiete im Landkreis Lichtenfels wie etwa in Reundorf, Roth oder Isling. Auch die Wartezeiten für Handwerker steigen seiner Erfahrung nach, weshalb er Bauinteressierten rät, sich schon frühzeitig um die Planung ihres Projekts zu kümmern.

Aufgrund der vergleichsweise niedrigen Covid-19-Infiziertenzahlen im Landkreis Lichtenfels blickt Heiko Bayerlieb der Messe zuversichtlich entgegen. Zudem stehe er in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Lichtenfels sowie dem Gesundheitsamt des Landkreises Lichtenfels. Das hat sich schon im Mai diesen Jahres bewährt. Mit dem "Drive-in-Gartenmarkt" in Bad Staffelstein hat es Heiko Bayerlieb geschafft, wohl nahezu die einzige Veranstaltung dieser Größenordnung während des Lockdowns der Corona-Krise durchzuführen. "Da bin ich sehr stolz darauf!

Es war die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt und hat den Händlern und den Leuten sehr geholfen", blickt er zurück. Da er selbst nicht nur Veranstalter, sondern auch Verleger ist, habe ihn die Corona-Krise nicht existenziell getroffen. Dennoch wünscht er sich für alle Beteiligten an der Baufachmesse: "Es soll wieder ein Stück Normalität sein. Wir haben den Anfang gemacht, die Handwerker freuen sich auf interessierte Besucher." Von diesen erbittet er die Einhaltung der Hygienemaßnahmen aus eigener Verantwortung heraus. Schilder und ausgestellte Desinfektionsspender werden zudem daran erinnern. "Und dann hoffe ich, dass die Planungen für die Messe im März in normalem Umfang verlaufen können."