Die Well-Brüder aus Hausen zwischen München und Augsburg sind gleichermaßen Kabarettisten, Humoristen, Weltverbesserer und vor allem großartige Musiker. Die selbst getexteten Gstanzl'n, - witzig und im liebenswerten Spott -, und ihre Instrumentenvielfalt rissen die knapp 450 Besucher auf der Naturbühne zu Jubelstürmen hin, sie konnten einfach nicht genug kriegen von den drei Geschwistern, die wunderbar glossierten und echt bayerische Bonmots spielerisch ins Publikum warfen. Das sich mitnehmen ließ auf eine Reise in all die kleinen Begebenheiten des täglichen Lebens und das direkt vor Ort und in die Umgebung, wo kleine Seitenhiebe den "roten" Bürgermeister Diersch, den Landrat Söllner und OB Schramm trafen und das umstrittene Baugebiet in Himmelkron genau so ins Visier genommen wurde wie die SPD, "die in Bayern Artenschutz genießt".

Die Brüder sangen von der sauberen Dieselluft im Himmel und "In Bamberg musst du über sieben Brücken gehen, in Trebgast lange vor dem Bahnübergang stehen". Sie schauen, als könnten sie kein Wässerchen trüben, dabei ist die Hintergründigkeit fast zum Greifen nah. Brachen eine Lanze für die Milch-Bauern mit dem Song "Forty Cent" und meinten "Himmelkron ist Provinz und Trebgast Provence".

Auch der AfD dürften die Ohren geklungen haben. In Anspielung auf Alice Weidel hieß es : "Manche Frauen haben Haare auf den Zähnen, sie auf Jedem eine ganze Frisur".

Hervorgegangen aus der legendären "Biermösl Blosn" ist ihr musikalisches Repertoire kaum noch zu übertreffen, sie interpretierten Volksmusik, Klassik in Anlehnung an Georg Friedrich Händel und wunderschöne Stub'n-Musi, deren Harmoniefähigkeit sie hervorhoben.

Kein Instrument ist vor den Well-Brüdern sicher, die Liste ellenlang. Auf der Bühne: Bekanntes wie Akkordeon, Gitarre, Blockflöte, die Steierische, Geige und der Bass. Und eher Ungewöhnliches wie Dudelsack, B-Tuba, Drehleier, Harfe, Alphorn und "Hölzerenes Gelächter". Und das handhabten die Drei so virtuos und brillant, dass man von dem Liedgut im oberbayerischen Genre und diesem zuweilen leicht jazzigen und swingenden Sound fast süchtig wurde.

Die Tonkombinationen und Tonkreationen in überbordender Fülle, Christoph "Stofferl" als der musikalische Star mit außergewöhnlichen Trompeter-Qualitäten, die auch einem Klassik-Ensemble gut zu Gesicht ständen. Ein "Allegro moderato" gehörte auch dazu. Der Mann kann fast alles, legte einen furiosen Schuhplattler hin, jodelte bravourös, bediente den Dudelsack.

Michael erwies sich als irischer Steptänzer und Leierkastenversteher und Karl, der Stoische und verschmitzt Lächelnde, ließ zusätzlich die Bauchmuskeln spielen.

Drei Brüder, drei sehr unterschiedliche Charaktere, aber in der Musik kongenial. Zugaben stürmisch gefordert vom euphorisierten Publikum, die zweifach befriedigt wurden. Und wie kann es bei den Well-Brüdern anders sein: Der erinnerungswürdige Abend endete mit einem Song über das Sterben, "a richtig lustigs Liad".