Etwas mehr als vier Jahre liegt der Bürgerentscheid zurück, bei dem die Neudrossenfelder über das geplante Baugebiet Dreschenau abstimmten. Das Ergebnis vom November 2015 ist bekannt: 60,7 Prozent votierten dagegen. "Eine vertane Chance", wie Bürgermeister Harald Hübner (CSU) nach der Abstimmung enttäuscht bekundete.

Und nun? Nachfrage nach Bauplätzen sei nach wie vor da, sagte der Amtsinhaber bei der BR-Podiumsdiskussion mit den Kandidaten am Dienstagabend in der Schulturnhalle. "Neudrossenfeld muss wachsen - das war ganz klar unsere Strategie damals", sagte der CSU-Kandidat. "Die Bürger haben entschieden, das ist zu akzeptieren."

Seither werde versucht, Baulücken zu schließen, etwa da, wo Grundstücke innerorts brach lägen. "Ich kann aber nicht einfach auf einem Plan in große Gärten zwei Häuser reinzeichnen. Wir leben ja nicht im Sozialismus, wo man die Menschen zwangsenteignet." Bürger mit solchen Grundstücken seien von ihm regelmäßig kontaktiert worden. "Doch wenn die sagen, sie verkaufen nicht, ist das so."

Deswegen habe die Gemeinde versucht, in ein erfolgversprechendes Gebiet zu gehen. "Wir ermitteln gerade die Kosten für das Gebiet ,Am Wald II'. Aber das wird vermutlich relativ teuer, da werden sich Leute auch wundern, was an Verkaufspreisen rauskommt", gab Hübner zu bedenken. Es bedürfe darüber hinaus weiterer Flächen, die aber "veräußerbar sein müssen". Dazu seien marktfähige Preise unabdingbar, so Hübner. Ein weiteres Areal "Am Weidenrain" habe man jüngst erst angehen können, "weil die Eigentümer vorher nicht bereit waren zu verkaufen, und da bin ich seit vier Jahren hinterher".

"Wachsen ja - aber langsam"

Diese Argumentation wollte Hübners Herausforderer Björn Sommerer (FuG) so nicht gelten lassen. "Man hätte das - bei allen Hindernissen - früher bereits stärker forcieren können für den Tag, an dem es grünes Licht für die Erschließung durch die Gemeinde gibt", monierte er. Was das Gebiet "Am Wald II" betrifft, sei es denkbar ungünstig, den Leuten zu sagen, wie teuer alles würde. "Es gibt Menschen, die gut verdienen und sich auch teurere Grundstücke leisten können. Das Areal ist ein Filetstück, das man auch so anbieten und anständig bewerben muss."

Seine Fraktion habe sich immer klar für Randbebauung und Nachverdichtung ausgesprochen. "Wachsen ja, aber gesund und langsam." Das Gebiet "Am Weidenrain" sei prädestiniert für Mehrfamilienhäuser, "die wir für Neudrossenfeld künftig vermehrt brauchen".

Der Dritte im Bunde, Rainer Strobel (Freie Wähler), hat das Thema Dreschenau abgehakt. "Da gibt es einen klaren Bürgerwillen. Es war damals ein Fehler, die Größe der Fläche immer weiter hochzuschrauben; Erst hieß es 50 Parzelle, dann 70, schließlich 100. Mit der Dimension waren viele überfordert."

Strobel hielt es auch für falsch, das Baugebiet "Am Jurablick" zwecks Erschließung einem Stuttgarter Investor zu geben. Dort sind 14 Parzellen vorgesehen, aber was ist passiert? Vier sind reserviert." Zudem habe er von Interessenten gehört, man könne lediglich unter drei vorgegebenen Haustypen entscheiden. "Mittlerweile herrscht zum Glück ein Umdenken und die Gemeinde nimmt so etwas selber in die Hand." Nun gelte es, weitere Baulücken und kleine Gebiete ausfindig zu machen.

Ärgernis Pflaster

Seit wann ärgern sich die Neudrossenfelder über das Pflaster im Ortskern? Die drei Bürgermeisterkandidaten überboten sich mit den Zahlen. Bis ins Jahr 1996 ging Amtsinhaber Harald Hübner zurück. "Damals kam ich in den Gemeinderat, da stand es schon auf der Agenda." Er habe dem Gremium als junger Anwalt empfohlen, die Planer und die ausführende Firma in Regress zu nehmen, was aber nicht erfolgte.

Diverse Mängel und Fehler

"Wir wissen um die diversen Mängel des Pflasters: Es ist aus untauglichem Material, weil nicht frostbeständig. Es ist falsch verlegt, nämlich flach statt hochkant. Drittens hat der Architekt, um den Platzcharakter zu unterstreichen, die Steine in Reihen verlegen lassen - aber eben in Reihen mit verschieden großen Steinen. Dann passiert das, was passiert ist: Die Fugen werden sehr groß, es kommt zu Auswaschungen, der ganze Untergrund wird instabil."

Seit 2018 gebe es intensive Gespräche mit der Regierung. Das Pflaster sei im vordringlichen Teil des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK), sagt Hübner. "Wir werden im Frühjahr mit den Arbeiten beginnen, das Büro ist beauftragt."

Rainer Strobel monierte, dass seit Ende der Bindungsfrist 2017 nichts passiert sei. "Spätestens da hätte man als Kommune tätig werden können." Damals sei ein Antrag der Freien Wähler gestellt worden. "Jetzt steht es zumindest im ISEK-Verfahren mit oberster Priorität, damit kommt die unendliche Geschichte hoffentlich bald vom Tisch." Das Geläuf sei nicht zuletzt für kleine Kinder wie auch Senioren mit Rollator oder Gehhilfen unzumutbar. "Diese Menschen haben große Schwierigkeiten, sich sicher auf diesem Untergrund fortzubewegen. Das muss zügig verbessert werden."

Zur Parkplatzsituation rund ums Schloss sagte der FW-Kandidat: "Die neuen Parkplätze sind in der Entstehung und es dauert nicht mehr lange, und vermutlich sind sie sogar schon bis zu unserem Straßenfest im Sommer fertig. Das bringt dann sicherlich für diesen Bereich eine gewisse Entlastung."

Kleine Abhilfe

Was die Parkplatzsituation angeht, so werde man "nie alle Interessen gleich gut lösen können", sagte Björn Sommerer. Der Parkplatz in der Kurve schräg gegenüber des Schlosses werde eine kleine Abhilfe bringen, "aber wir müssen erst abwarten, wie sich das verkehrstechnisch dort entwickelt".

Zum leidigen Thema Pflaster erinnerte er an einen Antrag der FuG von 2014. "Damals ist uns vorgehalten worden, wir würden jetzt auch noch mit Pflastersteinen schmeißen." Sommerer hätte es gut gefunden, wenn rechtzeitig das Stimmungsbild der Bevölkerung eingeholt worden wäre, etwa mittels einer Umfrage im Gemeindeblatt. "Oder warum ist keine Bürgerversammlung dazu einberufen worden? Das kommt mir ohnehin zu kurz: Die Bürger sollten bereits in Vorplanungen zu Vorhaben mit einbezogen werden."

Ziegenstreit: Kaum eine Handhabe

Sobald der Begriff "Ziegenstreit von Pechgraben" fällt, ist Erheiterung oder wahlweise Kopfschütteln garantiert. So auch am Dienstagabend. Was die Bürgermeisterkandidaten im Falle ihrer Wahl in dieser Causa zu tun gedenken, wollte BR-Redaktionsleiter Alexander Müller wissen.

"Es ist ein laufendes Verfahren, bei dem das Gericht noch keine Entscheidung getroffen hat. Deshalb ist die Lage jetzt schwer einzuschätzen", antwortete Björn Sommerer. Das einzige, was man da als Bürgermeister tun könne: "Viel reden. Man darf aber nicht den Fehler machen, beiden Streitparteien zu suggerieren, das werde sich schon lösen. Man muss sich ehrlich machen und einer Seite sagen, dass man sich womöglich verrannt hat." Seine Einordnung: "Wir alle wohnen hier auf dem Land, und da muss man akzeptieren, dass es in der Nachbarschaft Tierhaltung gibt."

Für Rainer Strobel stehe fest: "Als Bürgermeister kann man da eigentlich nur den Anfängen wehren und den Streit versuchen zu lenken, wenn das möglich ist. Ansonsten ist der Spielraum begrenzt." Es könne und dürfe aber nicht sein, "dass man in einen solchen Nachbarschaftsstreit ein Dorf, ja eine ganze Gemeinde mit reinzieht".

"Die Gemeinde hat sich korrekt, nämlich neutral verhalten, und damit rechtskonform", bilanzierte Harald Hübner. Der Gemeinderat hatte das Vorhaben einer Käserei samt Dorfladen unterstützt und einvernehmlich befürwortet. Andere Prüfungen, etwa zu Geruchsbelästigungen der Nachbarn, oblägen dem Landratsamt als Baubehörde, sie müsse gegebenenfalls Auflagen erteilen, sagte Hübner und ergänzte: "Dass wir uns als Kommune richtig verhalten haben, zeigt sich schon daran, dass mittlerweile beide Seiten nicht mehr so richtig mit mir sprechen. Ein gutes Zeichen, weil man offenbar keinen übervorteilt hat."