Die größte Herausforderung der Fakultät VII für Lebensmittelwissenschaften der Uni Bayreuth ist derzeit, dass immer noch die Räume für die ersten Professoren und Studenten am Campus in Kulmbach fehlen. Dies machte der Gründungsdekan Prof. Dr. Stephan Clemens in der Sitzung des Wirtschafts- und Kulturausschusses des Kreistages am Donnerstag deutlich. Dennoch ist man am Campus zuversichtlich, dass der deutschlandweit einmalige Masterstudiengang "Food Quality and Safety" im November dieses Jahres in Kulmbach an den Start gehen kann.

Landrat Klaus Peter Söllner (FW) machte deutlich, dass sich auch der Landkreis Kulmbach engagieren und mithelfen werde, das große Vorhaben umzusetzen: "Dabei ist es ganz wichtig, dass wir mit der Stadt Kulmbach Hand in Hand gehen. Vor uns liegt eine Riesenchance, die wir nicht verstreichen lassen dürfen, und dazu gibt es auch viele Ansatzpunkte."

Zusammenarbeit ist essenziell

Jetzt gelte es nach Ansicht des Landrates, konkrete Themen anzugehen. Von der Zusammenarbeit mit der Fakultät Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit werde nicht nur die Stadt Kulmbach, sondern die ganze Region profitieren. Söllner nannte in diesem Zusammenhang auch das Klinikum Kulmbach, das künftige BRK-Entwicklungszentrum und verwies auch auf gute Ansätze für die Gesundheitsregion Kulmbach und die Genussregion Oberfranken.

Für wichtig hielt Söllner dabei auch die Zusammenarbeit der Fakultät mit der Fachschule für Lebensmitteltechnik. Landrat Söllner signalisierte die Bereitschaft, dem Campus mit einzelnen Einrichtungen des Landkreises für eine Übergangszeit zu helfen: "Wir werden alles tun, dass auch die Rahmenbedingungen passen."

Die Universität ist ein zentrales Thema für den Kreis

Eine wichtige Rolle nehme für den Landrat auch die Freizeitgestaltung für die Studenten und die Bereitstellung der Mittel für die bauliche und personelle Ausstattung des Campus ein: "Der Freistaat steht zu seinem Wort und wird alles tun, seinen Beitrag dazu zu leisten, und auch für uns als Landkreis ist der Campus ein zentral wichtiges Thema."

Stephan Clemens stellte in seinem Sachstandsbericht zum Campus zunächst die große Chance für die Stadt und den Landkreis Kulmbach heraus: "Beide stehen auch voll dahinter und wir spüren auch die Unterstützung." Der Gründungsdekan verwies in seinem Statement auch auf den Ministerratsbeschluss vom 17. Juli 2018 und die Bereitstellung der Finanzmittel für den Aufbau der Fakultät in Kulmbach sowie eine erste Mittelbereitstellung für 25 Stellen am Campus Kulmbach.

Wie Clemens weiter berichtete, seien alle Signale positiv, dass bis zum Jahr 2023 annähernd 70 Stellen besetzt sind. Was die ersten Professuren am Campus angehe, habe man bereits exzellente Personen bekommen, die positive Entwicklungen für die Region entfalten können. Zusammenfassend stellte Dekan Stephan Clemens fest: "Wir haben eine Riesenchance, nur die Infrastruktur ist etwas trauriger." So ist das Grundstück noch nicht erworben und der Auszug der Mieter in dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Spinnerei verzögert sich.

"Sie rennen offene Türen ein"

Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) sicherte Stephan Clemens zu: "Sie rennen bei uns offene Türen ein und wir werden den Campus positiv begleiten. Ich bin am Anfang schon mit 50, 60, 70 Studenten zufrieden und wenn wir die Realität aufgreifen, dann wird der Campus eine Erfolgsgeschichte."

FW-Kreisrat Rainer Ludwig berichtete in seinem Amt als Landtagsabgeordneter von dem positiven Gespräch mit Staatsminister Bernd Sibler. Danach geht der Grunderwerb, der vom Staatlichen Bauamt empfohlen wurde, in die letzte Runde. Das heißt, die Staatsregierung werde in Kürze auch die Bedarfsanerkennung für den Grunderwerb aussprechen. MdL Rainer Ludwig: "Dem Minister ist sehr wohl bewusst, wie bedeutend Kulmbach ist. Finanziell sind 134 Millionen Euro im Haushalt für den Campus fest eingeplant und es läuft alles im Zeitrahmen."

Thurnaus Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) sprach die Campus-Linie Bayreuth - Thurnau - Kulmbach an, die für die Marktgemeinde Thurnau extreme Vorteile bringen würde. Bürgermeister Harald Hübner (CSU) regte an, dass die Gemeinde Neudrossenfeld eingebunden werde, um Wohnraum für die Mitarbeiter und Studenten des Campus zu schaffen. Klaus Bartels (Grüne) hält das kulturelle Leben im Landkreis für die Studenten für wichtig.

Der stellvertretende Landrat Jörg Kunstmann (CSU) sieht es als eine Hauptaufgabe an, weiche Standortfaktoren für den Campus und deren Studenten zu schaffen. Kunstmann: "Das alles ist kein abstrakter Prozess, sondern wir müssen eine Vernetzung betreiben. Auf allen politischen Ebenen können wir uns die Bälle nur im Austausch gegenseitig zuschieben. Der Landkreis ist für eine Ideenplattform immer offen."