"Ich mache halt das, was ich noch machen kann", sagt Ida Schelhorn aus Willmersreuth. Seit 66 Jahren steht sie im Gasthaus zur Linde hinter dem Herd. Am 25. November wird sie 90 Jahre alt. Für sie kein Grund, nicht morgens als erste im Gasthaus zu stehen - und das jeden Tag. "Früher habe ich für mehrere hundert Leute gekocht. Die Kraft habe ich heute nicht mehr", sagt die noch 89-Jährige. Doch sie unterstützt ihre Tochter Brigitte, die jetzige Wirtin des Gasthauses, wo sie nur kann. Besonders auf den Erfahrungswert ihrer Mutter greift Brigitte Schelhorn gerne zurück. "Bei wiederkehrenden Festen wie dem Martinstag ist ihre Hilfe unverzichtbar", so die Tochter.

Ida Schelhorn stammt aus einem Wirtshaus bei Wonsees und ist von klein auf mit dem Wirten-Alltag aufgewachsen. Über Verwandtschaft lernte sie ihren Mann Hans Schelhorn kennen. "Als ich noch auf die Hauswirtschaftsschule gegangen bin, hat er mir schon Blumen geschickt. Da kann ich mich jetzt noch daran erinnern", sagt Ida Schelhorn mit einem Lachen im Gesicht. Zwei Jahre später, mit 23 Jahren, heiratete sie ihn und damit auch das Gasthaus zur Linde in Willmersreuth. "Mein Mann war ein hundertprozentiger Gastwirt", erzählt sie. "Er hat aber auch immer gesagt: ,Wenn ich diese Frau nicht gehabt hätte, hätte ich das alles nicht geschafft'", ergänzt Sohn Horst Schelhorn.

Im Jahr 1960 habe der Erfolg des Gasthauses so richtig begonnen. "Meine Eltern hatten die Idee mit dem Hähnchen braten", erzählt der Sohn. Frittiertes Hähnchen - ein Essen, das damals etwas ganz Besonderes war. Für 1,80 D-Mark gab es ein halbes Hähnchen. Innerhalb von ein paar Jahren sei das so bekannt geworden, dass Willmersreuth in ganz Nordbayern auch als Gögerlesreuth bekannt war.


Einsatz von früh bis spät

Für Ida Schelhorn bedeutete das einen hohen Einsatz. "Ich war die Arbeitskraft und immer pflichtbewusst." Von früh am Morgen bis in die Nacht hinein stand sie teilweise in der Küche des Gasthauses. Ihr Mann Hans hatte eine Idee nach der anderen. "Das A und O eines Geschäfts sind die Parkplätze: Diesen Satz werde ich nie vergessen", sagt Ida Schelhorn. Ihr Mann plante hinter dem Gasthaus einen großen Parkplatz. Aus dem abschüssigen Hang hinter dem Haus formte er eine künstliche Plattform zum Parken mit einer schönen Aussicht auf Kulmbach und die Plassenburg. "Mein Vater hatte die Ideen und meine Mutter konnte sich nicht wehren", sagt der Sohn der beiden und lacht.

Im Gasthaus zur Linde machte auch ein Prominenter erste Schritte in Sachen DJ-Karriere. Thomas Gottschalk hat mit dem ältesten Sohn Werner Abitur gemacht. "Nachdem Thomas bereits zwei Mal sitzen geblieben ist", ergänzt Brigitte Schelhorn und lacht. "Ich weiß noch, wie er zu meinem Mann gesagt hat: ,Jetzt kann mir nur noch der liebe Gott helfen, dass ich durchkomme'", ergänzt die 89-Jährige, die sich noch genau daran erinnern kann, wie Gottschalk bei ihnen im Saal als 18-Jähriger Platten aufgelegt hat.


"Er hätte es so gewollt!"

Hans Schelhorn war schwerer Diabetiker und verstarb nach einem langen Leidensweg mit gerade einmal 64 Jahren. 38 Jahre waren die beiden verheiratet. Kurz vor seinem Tod übernahm Tochter Brigitte das Gasthaus. "Ich habe gesehen, dass meine Mutter das nicht mehr alleine schafft." Doch schnell merkte die damals 26-jährige Hotelfachfrau, dass an einem Gasthaus viel mehr dran hängt als gedacht. "Zum Glück war meine Mama da. Sie hatte die Zügel in der Hand."

Seit Hans Schelhorn 1988 verstorben ist, führen die beiden Frauen der Familie das Gasthaus weiter. "Ganz im Sinne meines Mannes", das ist Ida Schelhorn noch mit ihren bald 90 Jahren wichtig.