Edwin Hartmann staunte nicht schlecht als er in seinen beiden Karpfenteichen in Waldau das Wasser abgelassen hatte. Zum Vorschein kamen 17 Röhren, die von Bibern in den Teichdamm gegraben wurden. Die längste war sechs Meter lang. "Diese Röhren gefährden die Wasserrückhaltung. Das Risiko, dass meine Teiche leer laufen und alle Fische sterben, bestand immer", erklärt der Teichwirt aus Waldau.

Auch die Unfallgefahr erhöhte sich mit jeder weiteren Biberröhre. "Beim Befahren mit dem Traktor oder bereits beim Darüberlaufen kann man einbrechen und sich verletzen", sagt Hartmann, der für den Landkreis Kulmbach im Fischereibeirat der Teichgenossenschaft Oberfranken ist. Den Schaden durch die Biber beziffert Hartmann mittlerweile auf mehrere Tausend Euro.

Als der Teichwirt die Biberröhren im Juni entdeckt hat, wandte er sich direkt an das Landratsamt und die Biberberater des Landkreises Kulmbach. "Meine Forderung damals wie heute: Die Biber müssen entfernt werden", sagt Hartmann.

Alexander Kusche von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes kam damals zur Besichtigung . "Wir mussten erst einmal beobachten, ob es ein durchziehendes Tier ist oder ob es sich dort angesiedelt hat", erklärt Kusche. Das brauche Zeit. In regelmäßigen Abständen schaute dafür einer der drei Biberberater des Landkreises bei Edwin Hartmann vorbei. "Unsere Biberberater stehen zum einen beratend zur Seite. Zum anderen kümmern sie sich um präventive Maßnahmen, um die durch die Biber verursachten Schäden einzudämmen", erklärt Kusche. Schutzgitter um Bäume reichten nicht immer aus.


Schadenshöhe in Kulmbach

In den 60-er Jahren wurde im Donaubereich mit der Wiederansiedlung der Biber begonnen. Seitdem breiten sie sich in ganz Deutschland aus. Im Landkreis Kulmbach gab es vor elf Jahren die ersten Nachweise, dass die Nagetiere angekommen sind. "Die Schäden sind bisher marginal gewesen", betont Kusche.

Anfangs gab es den Biber nur sporadisch in der Region. Doch mit den Jahren nimmt er immer mehr Platz im Landkreis ein. Ein Grund, warum es seit einiger Zeit eine Art Bibermanagement gibt. "Wir schauen dabei nach Gebieten, wo sich der Biber ausbreiten kann. Und wo eben nicht", meint Kusche.


Falle ist der letzter Ausweg

Im Fall von Edwin Hartmann halfen keine Präventivmaßnahmen mehr. "Wenn nichts anderes mehr hilft, und der Biber zu große Schäden anrichtet, muss er gefangen werden", erklärt Kusche. Für den Biber bedeute das den Tod. Edwin Hartmann hat für seine Teichanlage eine Fanggenehmigung beantragt und auch bekommen.

Das Landratsamt Kulmbach hat daraufhin Biber-Fallen angeschafft. "Wir wissen, dass der Biber nicht überall toleriert werden kann. Aber wir können auch keinen Feldzug starten", so Kusche. Die Biber zu töten, sei der allerletzte Ausweg. In Waldau steht nun seit einigen Wochen eine Biber-Falle in der Nähe des Karpfenteiches, wo die Nagetiere immer gewütet haben. Doch bis jetzt keine Spur von den Bibern.

Vor ein paar Wochen hat Edwin Hartmann die Schäden der Biber mit dem Bagger beseitigt. Vier Stunden lang waren er und seine beiden Söhne damit beschäftigt, die Röhren aufzugraben und wieder mit Erde aufzufüllen. Ein hoher zeitlicher und auch finanzieller Aufwand. "Wir haben eine gewerbliche Teichwirtschaft, deswegen bekommen wir eine Entschädigung aus einem Fond", erklärt Hartmann. Für die Begleichung von Biberschäden stellt der Freistaat Bayern jährlich 450 000 Euro zur Verfügung. "In den Fond zahlen Bund Naturschutz und der Staat ein", erklärt Kusche. Edwin Hartmann müsse nun abwarten, ob er alle Ausgaben oder nur einen Teil davon erstattet bekommt.

Das komme darauf an, wie viele Biberschäden dieses Jahr ausgeglichen werden müssen. Allein im Jahr 2014 waren es über 700 000 Euro Schadenssumme allein in Bayern.