Ein wichtiges Standbein des BRK-Kreisverbands ist die Wasserwacht. Sie ist die stärkste ehrenamtliche Gemeinschaft im Landkreis. Von den über 900 Mitglieder sind rund 200 in den sieben Ortsgruppen Himmelkron, Kulmbach, Marktschorgast, Mainleus, Stadtsteinach, Thurnau und Trebgast aktiv. Ihre Hilfe ist unverzichtbar, wenn es um die Sicherheit in den Frei- und Hallenbädern sowie an den Badeseen geht. Die Mitglieder der Wasserwacht leisten ihren Dienst freiwillig, unentgeltlich und ausschließlich in ihrer Freizeit ganz nach dem Motto: "Aus Spaß am Sport und aus Freude am Helfen."

Die Kulmbacher Ortsgruppe wird von den beiden Haudegen Gerhard Spindler und Walter Feyer geführt. Sie befindet sich mit derzeit 16 Aktiven über 18 Jahren erst wieder im Aufbau. Die Mitglieder üben ihren Dienst überwiegend in Hallen- und Freibad und am Oberauhof aus. Spindler: "Wir haben 17 Jugendliche von 14 bis 18 Jahren.
Darauf bauen wir auf."


Anforderungen sind enorm hoch


Das Hauptanliegen der beiden Verantwortlichen ist es, den Kleinen das Schwimmen beizubringen. "Immer weniger Kinder können schwimmen", weiß Gerhard Spindler. "In unseren Kursen versuchen wir, das den Kindern und Jugendlichen beizubringen. Es dient vor allem dazu, dem Ertrinkungstod vorzubeugen." Dennoch warnt Walter Feyer: "Die Eltern sollten wissen, dass sie mit Kindern nach einem Anfängerkurs nicht gleich am Meer Urlaub machen sollten. Die Kinder überschätzen sich danach oft."

Walter Feyer weist auf die enorm gestiegenen Anforderungen bei der Ausbildung hin. Sie beginnt im BRK mit einem Einführungsseminar sowie einer Grund- und Sanitätsausbildung. Danach schließen sich weiterführende Fachausbildungen an. Gebraucht werden Rettungsschwimmer, Wasserretter, Bootsführer und Taucher. "Die Zeit, die heute ein Jugendlicher aufbringen muss, bis er voll einsatzfähig ist, ist schon enorm", erkennt Spindler an.


Angst vorm Wasser nehmen


Nadine Kolb, technische Leiterin bei der Wasserwacht Trebgast, pflichtet ihm bei. Ihre Tauchausbildung habe etwa 200 Stunden gedauert. "Ich musste sie in der Nürnberger Gegend und am Brombachsee absolvieren. Da war ich im Sommer an vielen Wochenenden nicht daheim. Der Tauchschein wird nur erneuert, wenn jedes Jahr mindestens 200 Tauchminuten und die Teilnahme an einer Fortbildung nachgewiesen werden. Wenn ich das nicht mache, fange ich wieder von vorne an."

"Mit dem Schwimmkurs nimmt man den Kindern zu allererst die Angst vor dem Wasser. Das ist das Wichtigste", sagt Albert Kolb, Vorsitzender der sehr aktiven Trebgaster Ortsgruppe mit mehr als 200 Mitgliedern und zugleich stellvertretender Kreisvorsitzender.


"Eine kernige Sache"


Anschi Kraft ist in Trebgast Jugendleiterin. Sie absolviert mit ihren Schützlingen ein abwechslungsreiches Programm: Abende mit Verbandswechsel und Reanimationspuppe, Zeltlager in den Ferien, Schlittschuhlaufen im Winter. Dieses Jahr ist ein Wochenende mit der Bergwacht im Bärental geplant. Auch ein ganz entspannter DVD-Abend gehört ab und an dazu und schweißt zusammen. "Wenn es die Kameradschaft nicht gäbe, wäre ich schon längst weg", sagt Kolb. Walter Feyer und Gerhard Spindler ergänzen übereinstimmend: "Die Wasserwacht ist wie ein Virus. Wenn du ihn einmal drin hast, bringst du ihn nicht mehr raus. Die Gemeinschaft ist super, alle halten zusammen. Es passt einfach."

In der Wintersaison geht Anschi Kraft mit ihren aktuell elf Kindern auch ins Hallenbad. "Wir üben für das Jugendschwimmabzeichen, machen Ausdauertraining, Rettungsübungen, bilden die über 16-Jährigen als Rettungsschwimmer aus. Jugendliche, die mit 16 oder 18 in den aktiven Dienst wechseln, müssen sich zum Wasserretter ausbilden. Das ist schon eine kernige Sache, die auf Bezirksebene organisiert wird."

Das erleben gerade Sophie (22) und Henrik (15) Striewski, die kurz vor der Abschlussprüfung zum Wasserretter stehen. Die Geschwister haben sich mit ihrem Vater Lutz vor fünf Jahren der Trebgaster Ortsgruppe angeschlossen und fühlten sich dort sofort wohl. Wir treffen beide am Mainzusammenfluss, als sie gerade in ihre Neoprenanzüge schlüpfen.


Ab in den Main


Mit weiteren acht Jugendlichen zwischen 15 und 22 Jahren und unter der Aufsicht von Ulrike Peschel und Sabrina Heinze absolvieren sie gerade die Ausbildung zum Wasserretter. Auch Technischer Leiter Roland Weich beobachtet den Ablauf. Direkt neben der Mainbrücke steigt die Gruppe in den vereinten Main und lässt sich mit dem Wasser treiben. "Die Jugendlichen sollen die Strömung testen, damit sie ein Gefühl davon bekommen, welche Macht das Wasser überhaupt hat", erklärt Sabrina den Sinn der Übung.

Vater Lutz hat mittlerweile die Wachleiter-Ausbildung hinter sich und ist - nach 160 Unterrichtsstunden - seit kurzem Krisen-Interventionshelfer. Das ist keine reine Wasserwachttätigkeit. "Wir sind eine Gruppe aus Mitgliedern des BRK, des THW, der Malteser, und der Feuerwehr. Diese Einheit bildet eine psycho-soziale Notversorgung, die bei Notfällen Betroffene betreut", erklärt Striewski.