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Kulmbach
Wetter

Der Frankenwald wird weiter leiden

Der feuchte Winter hat der Natur gut getan. Die Ausgangssituation für die Landwirtschaft ist günstig. Doch die Waldbesitzer können noch nicht aufatmen.
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Vor allem die Fränkische Linie von Himmelkron bis Rugendorf ist von Trockenheit und Käferbefall betroffen. Foto: Christine Fischer
Vor allem die Fränkische Linie von Himmelkron bis Rugendorf ist von Trockenheit und Käferbefall betroffen. Foto: Christine Fischer
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Ein feuchter Winter liegt hinter uns. Es gab kaum bis gar keinen Schnee in der Region, doch geregnet hat es oft und überdurchschnittlich viel, vor allem im Februar. Reicht das jetzt schon für die von den beiden letzten Dürresommern gebeutelte Natur oder müsste da noch viel mehr Wasser von oben kommen? Und wie sieht die Situation im Wald, bei den Gewässern und der Landwirtschaft nach diesem Regenwinter aus? Wir haben uns einmal umgehört.

Wenn es nach Theo Kaiser, dem Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung Kulmbach-Stadtsteinach, geht, bleibt es am besten noch recht lange kalt und regnerisch. Denn in den Wäldern gibt es noch jede Menge Käferholz und nach den letzten Stürmen auch frischen Windwurf. Das muss zügig weggearbeitet werden, bevor der Borkenkäfer sein Überwinterungsquartier verlässt, um neue Bäume zu befallen und dort Bruten anzulegen. Das passiert bei Temperaturen ab 16,5 Grad und trockener Witterung, also voraussichtlich im April, so Kaiser. "Der Regen der letzten Wochen war auf jeden Fall eine Entlastung für den Wald, und es war gut, dass es langsam und beständig geregnet hat." So konnte der Boden die Nässe gut aufnehmen.

Doch so wohltuend der Regen für die Natur auch war, machen die aufgeweichten Böden die Arbeiten im Wald - vor allem mit schweren Maschinen - nicht gerade einfacher. Die Waldbauern im Landkreis - 1831 sind es in der Vereinigung mit insgesamt 12 000 Hektar Wald - tun laut Kaiser alles, um den Wettlauf gegen die Zeit und den Käfer zu gewinnen. "Wir geben unser Bestes, aber es wird schwierig." Die Stimmung sei "gedrückt". Kein Wunder angesichts der immensen Arbeit und des zunehmenden Preisverfalls auf dem Holzmarkt. "Es gibt viel mehr Holz, als benötigt wird." Der Preis liegt inzwischen bei unter 40 Euro für den Festmeter Käferholz, vor drei Jahren waren es noch 60 Euro. Angesichts der Auswirkungen des Klimawandels ist Kaiser zufolge ein langfristiger Waldumbau hin zum Mischwald unumgänglich.

Mittelfristig wird der Borkenkäfer unseren Wäldern aber weiterhin sehr zu schaffen machen, weiß Michael Schmidt, der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). "Die zwei letzten Sommer wirken noch nach", sagt er. Die Käferpopulationen in den Wäldern seien nach wie vor riesig. "Der Käfer kommt und wird wieder massiv zuschlagen. Selbst bei einem normalen Sommer werden wir ein Käferjahr bekommen." Ein Schwerpunktgebiet sei dabei der Frankenwald, der aufgrund seiner Steillagen und geringeren Bodenauflage nur wenig Speicherflächen biete. Dort trocknen die Nadelgehölze schneller aus und sind damit auch anfälliger.

Der Regen habe den Oberboden zwar gut durchfeuchtet, so Schmidt. Es habe aber der Schnee gefehlt, "der langsam in den Boden hineintaut", und so gebe es in 1,80 Meter Tiefe immer noch zu wenig Wasser. Ein Problem für die Bäume, die selbst bei guter Wasserversorgung zwei Jahre brauchen, um ihre Feinwurzeln wieder auszubilden.

Für die Landwirtschaft reicht dagegen das verfügbare Wasser im 25 Zentimeter tiefen Oberboden. Und da schaut es momentan sehr gut aus, zeigt sich der Leiter des Landwirtschaftsamtes zuversichtlich. Die Ausgangssituation sei günstig, "die Landwirte können beruhigt ins Jahr starten", so Michael Schmidt.

Das kann BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger nur bestätigen. "Es war wichtig, dass es jetzt geregnet hat, denn da haben wir nach wie vor großen Nachholbedarf." Bis die Feldarbeit Ende März/Anfang April wieder voll losgeht, sei noch etwas Zeit. Wenn dann die Düngung des Wintergetreides und Aussaat des Sommergetreides anstehen, brauche man aber ab und zu eine Trockenphase, sonst könnte die Bestellung der Felder schwierig werden. Doch momentan sei der Regen überhaupt kein Problem und sehr willkommen.

Auch für die Seen und Flüsse war der feuchte Winter optimal, wie der Gewässerwart des Bezirksfischereivereins Kulmbach, Gerd Suske, erklärt. Der Wasserspiegel habe sich erholt, vor allem an den Baggerseen. Der Main habe momentan einen hohen Pegel, "das ist aber auch dringend notwendig". Gerd Suske betreut als Gewässerwart neben den Baggerseen in der Mainaue und bei Waldau 53 Kilometer Fließgewässer des roten, weißen und vereinigten Mains. Dort wird es in heißen und trockenen Sommern wie den vergangenen beiden Jahren immer schwieriger für die heimischen Fischarten. Sie leiden unter dem niedrigen Pegelstand, der verringerten Fließgeschwindigkeit und dem sinkenden Sauerstoffgehalt. Doch auch für die Fische war der Winter gut, und das freut die Angler. Sie sind am 1. März mit dem Fang von Bachforelle und Bachsaibling in die neue Saison gestartet.

Niedriger Grundwasserspiegel und Hochwassergefahr Wie steht es genau um den Grundwasserspiegel in der Region? Das Wasserwirtschaftsamt Hof, das auch für den Landkreis Kulmbach zuständig ist, gibt Auskunft dazu. Für die Grundwasserneubildung sind insbesondere Winter und Frühjahr wichtig, da es in der kalten Jahreszeit zu weniger Verdunstung und weniger Aufnahme von Wasser durch Pflanzen kommt und mehr versickern kann, erläutert Pressesprecherin Magdalena Wirth. Ideal ist langanhaltender, leichter Regen, und auch eine langsam schmelzende Schneedecke trägt maßgeblich zur Grundwasserbildung bei. Da dies in der kalten Jahreszeit in den letzten Jahren eher gering ausfiel und es dagegen sehr warme Sommer mit hoher Verdunstung gab, kam es zu einer unterdurchschnittlichen Grundwasserbildung; die Pegel sind in den letzten Jahren zurückgegangen.

Die überdurchschnittliche Regenmenge im Februar hat diese Situation nun etwas entschärft. Vor allem in den oberflächennahen Grundwassersystemen zeichnet sich eine deutliche Verbesserung der Situation ab. Die Stände sind zwischenzeitlich weitgehend auf einem mittleren Niveau. Die tieferen Systeme allerdings zeigen vielfach immer noch niedrigere Wasserstände. Hier dauert die Regeneration durch Sickerwasser wesentlich länger, so Magdalena Wirth.

Aus dem "Dürremonitor" des Helmholzzentrum für Umweltforschung und der Bodenfeuchte-Karte des Deutschen Wetterdienstes lässt sich folgendes erkennen: Bei den oberflächennahen Bodenbereichen im Landkreis ist durch die Niederschläge der vergangenen Wochen bis in eine Tiefe von 60 Zentimeter eine vollständige Sättigung erreicht. In den tieferen Bereichen sind allerdings weiterhin Defizite vorhanden.

Der feuchte Oberboden kann nun allerdings kaum mehr Wasser aufnehmen, so dass bei anhaltendem Regen sogar Hochwasser droht. Für den Landkreis Kulmbach liegt derzeit laut Wasserwirtschaftsamt eine allgemeine Vorwarnung für Hochwasser vor.

Wetterfakten Milder Winter Der Winter 2019/20 (Winter: Dezember bis Februar) war extrem mild, feucht und sonnenscheinreich. Die Monate Dezember und Januar waren deutlich zu warm. Im Februar wurden im Oberrheingraben Temperaturen bis über 21 °C gemessen. Nur der Winter 2006/07 war noch milder. Nasser Februar Der Februar 2020 war der nasseste und wärmste Februar seit 1881 und 1901. Die Niederschlagsmenge betrug im deutschlandweiten Durchschnitt 124,1 Liter pro Quadratmeter; das sind 126 Prozent mehr als im Mittel des Zeitraums 1981 bis 2010. Wetterstation Hof An der Wetterstation Hof wurden folgende Niederschlagsmengen gemessen: Im Dezember 50,1 Liter pro Quadratmeter (das entspricht 75 Prozent des langjährigen Mittels von 1981 bis 2010); im Januar 29 Liter pro Quadratmeter (47 Prozent des langjährigen Mittels) und im Februar 114,7 Liter pro Quadratmeter (229 Prozent des langjährigen Mittels). Die Monate Dezember und Januar waren also deutlich unterdurchschnittlich, der Februar hingegen erheblich feuchter als in den Vorjahren. Quelle: Deutscher Wetterdienst/Wasserwirtschaftsamt Hof

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