An Heiligabend wäre es wieder soweit: Zehn junge, unverheiratete Burschen führen da in Trebgast traditionell eine sehr lange Tradition fort. Einen Brauch, der früher aufgrund der Symbolik des Strohbären vermutlich als "Neujahrsspiel" eingestuft werden kann, spätestens seit Beginn des 19. Jahrhunderts jedoch am 24. Dezember durchgeführt wird: Die "Strohberta" geht um.

Das Konzept stand

So würde es in einem normalen Jahr ablaufen. Im Corona-Jahr 2021 muss das Ereignis aber abgesagt werden, zum Leidwesen der Protagonisten. "Die Jungs haben sich schon darauf gefreut", sagt Christian Kauper, das "Christkindla" des vergangenen Jahres. "Wir haben beim Landratsamt ein ausgeklügeltes Hygienekonzept eingereicht, und das Feedback der Behörde hörte sich zunächst noch ganz positiv an", berichtet er. Denn bis vor einer Woche hätten sich noch zehn Personen treffen dürfen. Die große Politik hat der "Strohberta" mit dem Lockdown aber einen Riegel vorgeschoben. Das heißt, die Trebgaster Bürger, die sich an diesem Tag stets darin überbieten, die Jungs bei ihrer Tour mit dem "Nötigsten" zu versorgen und dabei auch kräftig für einen guten Zweck spenden, müssen auf dieses Spektakel verzichten.

Es wäre die 30. Ausgabe gewesen

Nicht besser erging es der Lindauer Dorfgemeinschaft. Sie wollte, wie jedes Jahr, ihre vielen Gäste bei ihrer "30. Dorfweihnacht" wieder mit einem Theaterspiel erfreuen. Allerdings ist es, wie sonst ab November üblich, gar nicht zu den sonst üblichen Proben gekommen. Alle ahnten schon früh, dass es damit in diesem Jahr nichts wird. Auch die "Sau", die von Werner Eichner sonst immer die Zutaten für Schinken und andere kulinarische Schmankerln liefert, wurde zwischenzeitlich anderweitig verarbeitet.

Alle hoffen auf 2021

Freitagabend brennt um diese Zeit im Dorfhaus immer Licht, weil die Frauen in gemütlicher Runde zum Basteln zusammensitzen, ihre ersten Plätzchen probieren und über Weihnachtsgeschenke für ihre Männer diskutieren. Dieses Jahr: Fehlanzeige. "Auch wenn mit dieser Veranstaltung immer ein hoher Aufwand verbunden ist und die meiste Vorbereitung in die besinnliche Adventszeit fällt, bedauern wir es sehr, dass sie nicht stattfinden kann", sagt Christian Potzel. Ärgerlich sei es für die Lindauer, weil im Juni schon ihr Brunnenfest ausgefallen ist. "Wir machen das ja alles wegen der Geselligkeit und der Freude am Feiern", ergänzt der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft. "Wenn wir das aufgeben, geht das verloren, und der Zusammenhalt sinkt." Christian Potzel und alle Lindauer hoffen nun auf 2021.