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Kronach
Sitzung

Zwei Projekte erhitzen die Gemüter im Kronacher Bauausschuss

Der geplante Bau einer Umspannstation und eines Pferdestalls in Fischbach sorgt für Diskussionen im Rat.
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Auf diesem Grundstück soll oben, zwischen zwei Häusern in Hinterstöcken ein Reitplatz mit Pferdestall entstehen. Vorne rechts neben dem Hochspannungsmast wäre die Zufahrt.  Foto: Karl-Hein Hofmann
Auf diesem Grundstück soll oben, zwischen zwei Häusern in Hinterstöcken ein Reitplatz mit Pferdestall entstehen. Vorne rechts neben dem Hochspannungsmast wäre die Zufahrt. Foto: Karl-Hein Hofmann

Zwei Projekte, mit denen sich der Bau-, Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsausschuss der Stadt Kronach in der Sitzung am Donnerstag befasste, werden die Stadträte wohl noch länger beschäftigen. Zum einen ein Bauantrag für die Errichtung einer 110-KV-Umspannstation in Fischbach in der Flur Fischbach-Ost. Zum anderen ein Vorbescheid für die Errichtung eines Pferdestalls mit Reitplatz und Pferdeweiden in Hinterstöcken, ebenfalls Gemarkung Fischbach.

Umspannstation: Das ist geplant

Der Antrag auf Errichtung einer 110-KV-Umspannstation stellt ein großes Projekt dar. Stadtplaner Daniel Gerber informierte, dass die Firma Münch ecoCharge mit Sitz in Rugendorf einen Bauantrag vorlegte. Das geplante Umspannwerk dient zur Einspeisung von regenerativ gewonnenem Windkraftstrom aus dem Windkraftwerk Rugendorf und ist für die Aufnahme und die Einspeisung von weiteren Photovoltaikanlagen der Firma Münch vorgesehen. Die Dimension beläuft sich auf eine Länge von 50,45 Metern, eine Breite von 17,50 und mit Blitzschutz auf eine Höhe 18,50 Metern. Das Umspannwerk, welches vom Bayernwerk gefordert wird, könne als Nebenanlage zu den stromerzeugenden Windkraft- und PV- Anlagen angesehen werden.

Der Einspeisungspunkt am geplanten Standort erfolgte nach Aussage der Firma Münch als Vorgabe durch das Bayernwerk. Nach Baugesetzbuch sind im Außenbereich Vorhaben nur zulässig, wenn öffentliche Belange nicht entgegenstehen, die ausreichende Erschließung gesichert ist und wenn es der Nutzung der Wind- oder Wasserenergie dient.

Als Nebenanlage des vom Verwaltungsgerichtshof München genehmigten Windparks Rugendorf könnte die Umspannstation somit wohl unter die oben genannte Privilegierung fallen. Ob im konkreten Fall der beantragten Errichtung der Umspannstation öffentliche Belange entgegenstehen oder nur beeinträchtigt werden, kann die Stadt Kronach allein nicht entscheiden. Hierzu sollten im Rahmen eines Bauleitplanverfahrens Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange eingeholt werden.

Bürger äußern Bedenken

Gerber weist weiter darauf hin, dass neben dem durch die Stadt Kronach im Genehmigungsverfahren stets abgelehnten Windpark Rugendorf die Umspannstation weiteren angekündigten PV-Anlagen (außerhalb der Gemarkung Kronach) mit einer Kapazität von 90 Megawatt (MW) dienen soll. Zum Vergleich zog Gerber die PV-Anlage Knellendorf heran, die 1,8 MW leiste.

Gegen diese Dimensionen von PV-Anlagen bestehen erhebliche Bedenken aus Teilen der Bevölkerung wegen zu flächenintensiver Nutzung von bislang landwirtschaftlich genutzten Flächen. Das Bauvorhaben wäre nach derzeitigem Kenntnisstand abzulehnen, so Stadtplaner Gerber.

Das Gremium erteilte auch dem Bauherrn Mario Münch das Wort. Dieser stellte klar, dass der Standort von Bayernwerk auserkoren wurde und einige weitere vorher geprüft wurden. Seine Projekte in den Landkreisen Kronach und Kulmbach wurden von den Bürgermeistern der fünf betroffenen Kommunen unterstützt. Er sei bereit, circa 60 Millionen Euro in den nächsten 20 Jahren in das Großprojekt zu investieren, allerdings bedarf es jetzt nach dem ersten Bauabschnitt dieser Umspannstation.

Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) meinte, dass man auf breiter Basis über so ein Projekt entscheiden werde. Das heißt, die Belange der Bürger mitnehmen und durch ein Bauleitplanverfahren werde dies berücksichtigt. Ähnlich äußerten sich Dritter Bürgermeister Bernd Liebhardt (CSU), Tino Vetter (FW), Klaus Simon (SPD), der eher noch für einen Bürgerentscheid plädierte, Winfried Lebok (CSU, "Kronach wird weder mit Strom aus dem Projekt versorgt noch befinden sich Standorte auf Kronacher Gebiet"), Martina Zwosta (FL) und Hans Simon (SPD).

Die Bürgermeisterin und Stadtplaner Gerber schlugen dem Investor vor, vorerst den Antrag zurückzuziehen. Münch aber erklärte, angesichts der 60 Millionen Investitionssumme werde er keinen Rückzieher mehr machen. Dem Beschlussvorschlag von Gerber, jetzt den Antrag abzulehnen, stimmte das Gremium zu. Der Antrag wird an das Landratsamt weitergereicht.

Wo soll der Pferdestall hin?

Zur Errichtung eines Pferdestalls in Hinterstöcken bestehen laut Daniel Gerber keine grundsätzlichen planungsrechtlichen Einwände. Er regte aber weiter an, im Zuge eines Baugenehmigungsverfahrens wäre der Stellplatznachweis dem gegebenenfalls größeren zukünftigen Nutzungsumfang anzupassen.

Hans Simon (SPD) sah die Lage trotzdem etwas problematischer, weil man sehr nahe an ein Wohngebiet grenze. Er schlug daher vor, den Pferdestall etwas zurückzuversetzen, um etwas mehr Abstand zu den angrenzenden Wohnungen zu halten. Mit diesem Vorschlag stimmten Bernd Liebhardt und Winfried Lebok (CSU) überein. Claudia Wellach (CSU) brachte hingegen den von Anwohnern schriftlich eingereichten Bedenken großes Verständnis entgegen. Auch für sie sei die Belästigung der Anwohner durch diese Pferdehaltung sehr bedenklich.

Stadtplaner Gerber erörterte, dass die Stadt nur über planungsrechtliche Gründe zu befinden hat, alles andere wie beispielsweise Immissionsschutz und andere mögliche Beeinträchtigungen sind vom Landratsamt als der Genehmigungsbehörde zu beurteilen. Er wies dabei auf vorliegende Schreiben der Anwohner hin. Diese äußern ihre Bedenken in erster Linie über die befürchtete Geruchsbelästigung, aber auch einen Bachlauf sowie die Zu- und Abfahrt sieht man problematisch.

Das Gremium beschloss einstimmig das gemeindliche Einvernehmen unter der Voraussetzung, dass die Privilegierung vorliegt und dass eine immissionsschutzrechtliche Überprüfung keine Hinderungsgründe ergibt. Zudem wurde vorgeschlagen, den Pferdestall etwas weiter vom Wohngebiet zu versetzen. Platz gebe es auf dem Grundstück genug, um einen neun mal sieben Meter großen Stall unterzubringen, hieß es.

Einem Bauantrag auf Errichtung eines Einfamilienwohnhauses in Seelach wurde das gemeindliche Einvernehmen unter der Auflage erteilt, das Gebäude so zu erstellen, dass die vor Ort gegebene Bauflucht eingehalten wird.