Das erste in Kronach gebaute Segelflugzeug, eine "Grunau 9", erinnert optisch an einen Steckbausatz für's Kinderbasteln: Nur ein Holzgerippe mit etwas Bespannung. Sieben Monate dauerte es im Sommer 1934, bis der "Vogel" vom Kreuzberg flog. Dokumentiert ist das in einem der Buchbände, an denen Alfred Lang und Herbert Appel gerade arbeiten. Die Mitglieder des Aero-Clubs Frankenwald tragen in zwei eigenständigen Werken die Geschichte der Luftfahrt im und über dem Kronacher Land zusammen.

Auf dem Metallschild des Monoliten mit der Schwinge, der am Kronacher Flugplatz steht, prangt die Zahl 1925. In diesem Jahr wurde der Kreuzberg offiziell zum "Fliegerberg" erkoren. Dieses Ereignis jährt sich heuer zum 90. Mal. Für Mitglied Herbert Appel bedeutet das einen Anlass, die Geschichte der lokalen Fliegerei in Bild und Text aufzuarbeiten. "Der Verein wird sicherlich auch noch sein 100-jähriges Bestehen feiern - an Nachwuchs mangelt es derzeit mit vier Flugschülern nicht", sagt Appel. Aber die zehn Jahre will er ungern noch warten.

Von der Idee zum Buch

Appel wusste schon länger, dass sein Clubkollege Alfred Lang (75) massig historische Unterlagen aus der Anfangszeit der lokalen Luftfahrt besitzt. Er sprach es an und bekam sieben dicke Aktenordner mit Bild- und Textmaterial. Darin entdeckte der 55-Jährige dann vieles, das noch weiter als 90 Jahre zurückliegt und somit die Zeit vor der Ausweisung des "Fliegerbergs" betrifft. Er beschloss daraufhin, noch ein zweites Werk zu kreieren, mit dem Namen "Die Fliegerei in Kronach".

Auf einer der ersten Seiten der Dokumentation, die sich mit mehr als hundert Jahren hiesiger Luftfahrt befasst, ist vom 6. Juni 1911 die Rede. Dem Tag, an dem erstmals ein Flugzeug Kronach überflog. Auf der nächsten Doppelseite heißt es - aus einem damaligen Zeitungsbericht: "Am Montag, den 16. Oktober 1916 ... verbreitete sich in Kronach die Nachricht, dass ein Flugzeug gelandet sei." Das war "nicht weit von hier, am Fuß des Kreuzbergs nahe des heutigen Schulzentrums", erklärt Appel dem Reporter und weist aus dem Fenster des vereinseigenen Flugturms.

Fünf Bände sind fertig

Bilder aus der Zeit der Zeppeline, ein Stadtrats-Antrag zum Errichten eines Kronacher Flugplatzes, die Aufhebung des Nachkriegs-Flugverbots 1950 und die Gründung des Aero-Clubs ... All das und mehr hat Appel - beruhend auf Langs Unterlagen - in bereits fünf Bänden zusammengetragen. Einige mehr folgen in den kommenden Monaten. Auch das zweite Werk, die Chronik zum 90-jährigen Bestehen "Der Kreuzberg in Kronach - Fliegerberg seit 1925" ist in Vorbereitung.

Interessenten können sich an den Aero-Club Frankenwald wenden. Digital sind die ersten Bände schon zu haben. Gedruckte Ausgaben beider Werke sollen folgen.

Den Bodenkontakt verlieren

Beide Dokumentationen wären unmöglich gewesen ohne das Archiv Alfred Langs (Bild oben). Des Mannes, der als Kind "entweder Lokführer oder Pilot" werden wollte und dann Berufs-Lokführer und Hobby-Pilot wurde.
Als er zum ersten Mal "keinen Boden mehr unter den Füßen gespürt hat", sagt Lang, konnte er es nicht mehr lassen, "die Freiheit zu suchen". So beschreibt der 75-Jährige seinen Hang zum Fliegen.

Vor 60 Jahren wurde der damals 15-Jährige ordentliches Mitglied im "Aero-Club" und setzte sich zum ersten Mal ans Steuer einer "SG 38", Schulflugzeug des jungen Flugvereins. Ein Bild des Fliegers fiel ihm in die Hände, als er in den 70er Jahren seinen gesamten Foto-Bestand in Ordner heftete. Gleichzeitig wuchs eine Idee im Kopf des heute 75-Jährigen heran: "Ich hatte viele zusammenhanglose Unterlagen und Bilder über die Kronacher Luftfahrt. Die wollte ich ergänzen", erinnert sich Lang. Er machte sich also auf in Kronacher Archive und sprach mit Männern, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg Flieger lenkten oder als Kinder die Urtypen moderner Flugzeuge gesehen hatten.

"In den 70ern war ich eigentlich zehn Jahre zu spät dran", sagt Lang und weist auf das Foto eines Fliegers von 1917. In den 1960ern hätte er wohl noch mehr Geschichten zur absoluten Anfangszeit des Fliegens zusammentragen können, meint er. Viel geschafft hat er trotzdem, indem er die sieben dicken Ordner mit historischen Dokumenten gefüllt hat, die Grundlage für Herbert Appels Bücher wurden.