Das Stockheimer Schild prangt in knalligem Rot, das Steinwiesener in freundlichem Grün und das Steinbacher in tiefem Blau. Die Farben springen ins Auge und unterstreichen die drei Botschaften: "Gemeinschaftl!ch", "Gastfreund!ch" und "Verbindl!ch". So sehen sich die Menschen in den drei Gemeinden, mit diesem Selbstbewusstsein wollen sie ihren Gästen gegenübertreten.

Ausgearbeitet wurden diese Wegweiser für die Bürger und die Gemeinden im Zuge des Projekts "Kommunalmarketing Plus". Vorgestellt wurden sie am Donnerstag von Rainer Kober, dem Vorsitzenden von Kronach Creativ. Der Verein ist Träger des geförderten Projektes im Landkreis Kronach.

Zweite Welle gestartet

Kober stellte allerdings nicht nur Ziele und Erfolge vor, sondern präsentierte auch gleich die Kommunen, die in der zweiten Welle ins Programm eingestiegen sind. Seit der ersten Projektphase (2016 bis 2018) sind Stockheim, Steinwiesen und Steinbach am Wald an Bord. Im Sommer 2019 kamen mit Wallenfels und Wilhelmsthal zwei weitere Gemeinden dazu.

Dass es mit plakativ platzierten Schlagworten nicht getan ist, die Region zukunftsfest zu machen und die Bürger zum Mitmachen zu motivieren, wurde beim Pressegespräch in Steinwiesen schnell deutlich. "Prosatexte gibt es viele dazu", verwies Stockheims Bürgermeister Rainer Detsch (FW) auf die Ergebnisse so mancher Studie und so manchen Vorhabens. "Kommunalmarketing Plus" verspreche da etwas anderes: "Das Projekt zeigt uns, wie wir von der Theorie zur Praxis kommen!" Welche Ziele die Maßnahme konkret verfolgt, hier in der Übersicht:

1. Potenziale: In den Gemeinden sollen die vorhandenen Potenziale geweckt werden, vor allem bei der Bürgerschaft. Kober verwies auf gute Ansätze, die Menschen im Landkreis zu mehr Bürgerengagement zu motivieren.

Er verdeutlichte aber auch: "Es ist klar geworden, wir müssen auf die kommunale Ebene gehen, sonst bekommen wir auch den Landkreis nicht." Und vor Ort bräuchten die Menschen dafür eine klare Ausrichtung. Das Ergebnis der Überlegungen lautet: "Eigeninitiative durch Perspektive". 2. Ziele: Die Aufbruchstimmung in den Gemeinden soll durch eine verstärkte Identifikation erzielt werden. Die Menschen müssten sich mit ihren Heimatorten eng verbunden fühlen. Dadurch könnte laut Kober eine Kraft entstehen, welche die Region attraktiv macht und eine Handhabe gegen das demografische Problem liefert. 3. Schlüsselziele: Für die ersten drei Teilnehmer wurden nun konkrete Leitbotschaften und Schlüsselziele herausgearbeitet, die eine Art Leitplanken für das weitere Vorgehen sein sollen. Hierfür wurden mit Bürgern vorab Interviews geführt, um am Puls des Gemeindelebens zu sein und in den Rathäusern bei Konzepten nicht im eigenen Saft zu schmoren. Ein Schlüsselziel stellte sich dabei in allen drei Kommunen als dringend gewünscht heraus, die Schaffung von attraktivem Wohnraum.

Weiterhin wurde für jede Gemeinde noch ein Ziel herausgearbeitet, das ein Alleinstellungsmerkmal betont. Bei Stockheim (Leitbotschaft: "gemeinschaftlich") ist dies die Profilschärfung als Bergwerksgemeinde. Steinwiesen ("gastfreundlich") strebt die touristische Weiterentwicklung an. Steinbach am Wald ("verbindlich") betont das "Miteinander der Generationen". So soll jede der drei Gemeinden eine Art Marke erhalten, mit der sich die engagierten Bürger aus allen Ortsteilen identifizieren können. 4. Umsetzung:"Theorien und Ideen gibt's viele", unterstrich Kober, dass es nicht bei Planspielen bleiben dürfe. Oft würden von Projekten am Ende bestenfalls einzelne Gedanken umgesetzt, ehe sie versanden. Dass soll beim "Kommunalmarketing" nicht passieren, weil es den Bürgern die Möglichkeit bietet, Dinge anzugehen, die ihnen selbst einen Nutzen und ihre Gemeinde voranbringen.

Ein Musterbeispiel, was in den heimischen Kommunen möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen, stellt für Kober die Stadt Teuschnitz dar. Im Zeichen der Arnikastadt habe sich dort in den vergangenen Jahren aus dem Nichts heraus eine tolle Entwicklung vollzogen. Auch in anderen Gemeinden existiere so ein Denken - jetzt müsse es aber noch in die Herzen gebracht werden. Die Leute müssten sich sagen: "Jetzt endlich passiert es!" 5. Maßnahme:In Steinwiesen und Steinbach am Wald wurde eine erste Maßnahme aus der Projektarbeit inzwischen umgesetzt. Dort gibt es ehrenamtliche Immobilienlotsen. Weil der Gang zur Gemeindeverwaltung manche Menschen zurückschrecken lässt, wurden diese ortsansässigen Lotsen als Schaltstation zwischen Wohnungssuchenden und -besitzer eingesetzt. Durch ihre Ortskenntnis können sie vermittelnd tätig werden. 6. Ausblick: Das Projekt läuft ab 2019 für weitere drei Jahre. Allerdings wurde bereits in Aussicht gestellt, dass bei der Vorlage strategischer Ergebnisse eine Ausdehnung um nochmals drei Jahre erfolgen könnte. Wegen der Wahl wurden vorerst nur zwei Gemeinden für die zweite Welle ausgewählt. Nach der Wahl könnte, bei entsprechendem Interesse, eine weitere hinzustoßen. Mehr sollen es aus Kapazitätsgründen vorerst nicht werden.